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Serie Denkanstoss
Das andere Fronleichnamsfest

Mönchengladbach. Mönchengladbacher luden Asylsuchende zu einem gemeinsamen Frühstück ein. Albert Damblon erklärt im heutigen Beitrag, warum das Teilen von Heimat und Brot eine gute Idee ist - nicht nur am Feiertag. Von Albert Damblon

Die Katholiken feiern heute Fronleichnam. Es ist kein evangelisches oder orthodoxes Fest, obwohl die Evangelischen im vergangenen Jahr zur Heiligtumsfahrt dabei waren. Juden und Muslime wollen gar nichts davon hören. Die Nichtgläubigen ärgern sich, dass eine Zeitung das Thema überhaupt anschneidet. Trotzdem sind alle froh, Fronleichnam arbeitsfrei zu haben.

Am Samstag vor acht Tagen erlebte ich Fronleichnam in einer Weise, wie es alle Mönchengladbacher mitfeiern könnten. Ein bösartiger Mensch lud vor einem Flüchtlingsheim zu einer Aktion, die Angst schüren wollte. Dumpfe Parolen wurden gebrüllt. Dagegen hatte ein Team um die nahegelegene Jugendfreizeitstätte eine richtige Fronleichnamsidee. Es lud die Asylsuchenden zu einem festlichen Frühstück ein. Auf diese Weise konnten sie vor dem Schreien geschützt werden. Die Verantwortlichen holten sie ab, und wie in einer Prozession zogen rund 80 Kinder, Erwachsene und alte Menschen von ihrer Unterkunft zum Jugendheim. Sie begleitete keine Blaskapelle, um die traditionellen Fronleichnamslieder zu spielen. Dennoch gingen alle froh mit. Die Skepsis war verflogen. Angekommen erwartete sie ein reichhaltiger Tisch. Viele Gladbacher hatten dazu beigetragen, so dass es an nichts fehlte. Butter, Käse, Eier, Brot, Aufschnitt, Marmelade, Quark und Obst waren aufgetischt und luden ein zuzugreifen. Die Kinder staunten mit großen Augen. Die Last ihrer Flucht wurde für ein paar Stunden vergessen. Kaffee und Tee dampften, Orangensaft, Milch und Wasser verfeinerten das Frühstück. Alle aßen und wurden satt. Ich erinnerte mich an das Motto der Heiligtumsfahrt 2014: "Du deckst mir den Tisch!" Nachdem wir gefrühstückt hatten, wurde fröhliche Musik gemacht. Ein Junge trommelte, ein alter Mann fand plötzlich ein Akkordeon, auf dem er die Melodien seiner Heimat spielte. Ja, es wurde sogar getanzt, und wer nicht tanzte, lauschte versonnen den Klängen.

Für Katholiken geht es zu Fronleichnam noch um anderes. Sie feiern, dass Christus im Brot unter uns ist. Aber auch für sie gilt, dass Gott die Menschen an seinen Tisch lädt. "Du deckst mir den Tisch". Brot und Heimat teilen - eine Idee, nicht nur für Fronleichnam.

DR. ALBERT DAMBLON, 68 JAHRE, IST SEELSORGER IN ST.BENEDIKT.

Quelle: RP
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