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Mönchengladbach
Das Brennholz wird knapp

Mönchengladbach: Das Brennholz wird knapp
Prasselndes Kaminfeuer macht den Winter gemütlich. Vorausgesetzt, man hat genügend Brennholz. FOTO: Max Blank, gms
Mönchengladbach. Wer nur mit Holz heizt, steht vor einem Problem: Kaminholz wird zur Mangelware. Ende Januar, so befürchten Händler, haben sie kein trockenes Holz mehr. Der Markt für Brennholz ist rasant gewachsen. Von Andreas Gruhn

Hermann-Josef Backus hat Glück gehabt. Als er sich vor drei Jahren entschloss, einen Holzhandel zu eröffnen, da ahnte er nicht, dass das die Entscheidung seines Lebens sein könnte. Der Markt für Brennholz ist in dieser Zeit nämlich so rasant gewachsen, dass es schwer ist, heute in Mönchengladbach noch Brennholz aufzutreiben. Backus schätzt, dass sich die Nachfrage in seinem Unternehmen in den vergangenen drei Jahren verdoppelt hat. Im vergangenen Jahr verkaufte er allein in Mönchengladbach 1200 Raummeter Brennholz.

Trockenkammern

Es wird auch in Gladbach mittlerweile so viel mit Holz geheizt, dass das trockene Brennholz knapp geworden ist. Die Eiseskälte im Januar verschärft die Situation obendrein. "Wenn die Nachfrage so bleibt, dann ist Ende Januar Schicht", sagt Backus. Die Stadt Mönchengladbach hat bereits kapituliert: Es wird nur noch frisches Holz ausgeliefert, das aber noch feucht ist. Bevor das in den Ofen darf, muss die Feuchtigkeit laut Bundes-Emmissionsschutzgesetz unter 20 Prozent betragen. Und dazu muss das Holz mindestens zwei Jahre fachgerecht gelagert sein. Bei entsprechenden Trockenkammern kann es auch in eineinhalb Jahren fertig sein.

Den Kunden scheint das jedoch egal zu sein: Selbst das frische Holz wird quasi vom Baum weg gekauft. "Die Nachfrage übersteigt unsere Möglichkeiten. Wir kommen nur schwer nach", sagt Reinhard Heise, Forst-Oberinspektor der Stadt. Längere Wartezeiten sind da kaum zu verhindern.

Dabei ist der Preis für Brennholz mit der Nachfrage gestiegen. Vor drei Jahren kostete der Festmeter je nach Holzart noch 30 Euro, jetzt sind es 45 Euro. Der Raummeter wird mittlerweile bei 65 Euro gehandelt, je nach Holzart und angegebenem Heizwert. Bei einer richtig eingestellten Heizanlage mit Feststoffkessel ist das aber immer noch günstiger als Öl oder Gas. Hermann-Josef Backus schätzt, dass ein Einfamilienhaus im Jahr mit zehn bis zwölf Raummetern Brennholz auskommt.

Auslöser für den Holz-Boom in Mönchengladbach waren vor Jahren Öl und Gas. Als die Preise für beide Rohstoffe in die Höhe schnellten, entschlossen sich viele Haushalte für mindestens einen Ofen – wenn nicht sogar für eine komplette Holz-Heizung. "Es ist ja auch gemütlicher", sagt Hermann-Josef Backus.

Dass sich diese Entwicklung im Jahr 2008 so rasant verschärfen würde, war vor zwei Jahren nicht abzusehen. Die Holzmenge, die nun auf dem Markt zur Verfügung steht, entspricht jedoch den Prognosen von vor zwei Jahren. Und die hatten den Boom bei weitem nicht vorhergesagt. "Es gab Zeiten, da mussten Holz-Bauern das Krumm-Holz liegen lassen, weil sie dafür nichts bekamen", sagt Backus.

Den städtischen Forstbeamten und den Holzbetrieben bleiben zwei Möglichkeiten: Man bestellt Ware aus Osteuropa, die jedoch oft nicht den Qualitätsanforderungen genügt und zum Beispiel schneller verglüht. Oder aber sie schlagen mehr frisches Holz. Das kann zwar die gestiegene Nachfrage nach Holz befriedigen, aber erst in zwei Jahren. Wenn das Holz getrocknet ist.

Quelle: RP
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