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Mönchengladbach
Das Dezernenten-Karussell nimmt Fahrt auf

Mönchengladbach: Das Dezernenten-Karussell nimmt Fahrt auf
FOTO: Raupold, Isabella (ikr)
Mönchengladbach. Ordnungsdezernent Schnaß (SPD) wird Vorstand der Stadt-Tochter für die Sauberkeit. Und Fischer (CDU) bekommt Sonderaufgaben. Von Ralf Jüngermann

Er wird der einzige Sozialdemokrat an der Spitze einer städtischen Tochter: Hans-Jürgen Schnaß, über die Parteigrenzen hinweg geschätzter Ordnungsdezernent, soll als Vorstand der Anstalt öffentlichen Rechts demnächst rund 300 Mitarbeiter führen, die sich um Abfallwirtschaft, Straßenreinigung, Winterdienst, Grünpflege und städtische Friedhöfe kümmern werden. Zum Vorstand werden außer Schnaß GEM-Geschäftsführerin Gabi Teufel und Hans-Günter Petry (bislang Leiter des Fachbereichs Ingenieurbüro und Baubetrieb) gehören.

Die Personalie Schnaß ist auf den ersten Blick ebenso überraschend wie sie auf den zweiten Blick logisch ist. Überraschend mutet die Entscheidung an, weil die CDU, die mit dem Thema Sauberkeit die Wahl gewonnen hat und auch in der großen Koalition in der Frage entsprechend mehr Herzblut investiert als die Sozialdemokraten, der SPD den Vortritt lässt. Zumal Schnaß einer der ganz wenigen hiesigen Sozialdemokraten ist, dem man besten Gewissens in eine Oberbürgermeister-Wahl schicken könnte: kompetent, sachlich, bodenständig, bürgerlich. Ein Bude 2.0 mit mehr Führungserfahrung in der Verwaltung - den es allerdings so gar nicht nach diesen Weihen drängt.

Hans-Jürgen Schnaß (l.) wird an die Spitze der städtischen Tochter rücken, die sich vor allem um Sauberkeit kümmert. Dr. Gregor Bonin (oben) wird Baudezernent, Dr. Gert Fischer kümmert sich unter anderem um das Thema Flüchtlinge. FOTO: Raupold, Isabella (ikr)

Genau das sind indes die Gründe, warum die CDU von Schnaß angetan ist. Sie hat mit ihm schon bei der Ausarbeitung der Anstalt öffentlichen Rechts (AöR) und auch zuletzt bei der Neuaufstellung der städtischen IT vertrauensvoll zusammengearbeitet. Auch beim Thema Kommunaler Ordnungs- und Servicedienst (KOS) sind CDU und Schnaß auf einer Wellenlänge. Und das Thema Kompetenzzentrum Sauberkeit ist für die CDU ein so wichtiges, dass sie an vorderster Front einen verlässlichen Macher braucht.

Genug CDU ist in der AöR sowieso. Teufel und Petry stehen der CDU nahe, der Vorsitzende des Verwaltungsrats wird wohl OB Hans Wilhem Reiners werden, der sich allerdings noch nicht entschieden hat. Macht Schnaß einen guten Job, so das Kalkül der CDU, nutzt das in der Wahrnehmung auch und gerade den Christdemokraten. Die SPD hat das Vorschlagsrecht für den neuen Ordnungsdezernenten.

Offiziell ausgeschrieben werden kann die Stelle erst, wenn der Verwaltungsrat Anfang Januar Schnaß gewählt hat. Tatsächlich hat die Suche bereits begonnen. Wie bei Sozialdezernentin Dörte Schall wird es aller Voraussicht nach eine externe Lösung geben. Derweil wird der designierte Baudezernent Dr. Gregor Bonin, der spätestens Anfang November sein Amt aufnehmen wird, kommenden Mittwoch mit breiter Mehrheit gewählt. Er hat sich inzwischen auch den anderen Fraktionen vorgestellt. Die CDU ist von dem Düsseldorfer Baudezernenten sowieso restlos begeistert - und ist wohl neben allem Fachlichen auch froh, einen Oberbürgermeister-Kandidaten in der Hinterhand zu haben. Die SPD wählt ihn nicht allein aus Koalitionsräson mit; sie erwartet sich von ihm erheblichen Schwung für Gladbach, gerade bei Großbauprojekten. Die Sozialdemokraten haben Bonin in seine To-do-Liste geschrieben, darüber den sozialen Wohnungsbau nicht zu vergessen. Auch die FDP, wo sich Bonin Montag vorstellte, war sehr angetan von Kompetenz und Auftreten Bonins und wählt ihn laut Nicole Finger voller Überzeugung mit. Der grüne Vorstandssprecher Karl Sasserath sprach gegenüber der RP davon, Bonin habe "mit Sicherheit einen fachlich guten Eindruck gemacht". Die Grünen legen sich bei ihrer Sitzung am Montag fest.

Und noch etwas ist, wenn auch nur vorübergehend, neu im Dezernenten-Tableau: Dr. Gert Fischer, Dezernent für Schule, Sport und Kultur, ist nun auch offiziell für das Thema Flüchtlingsunterkunft zuständig. Er hatte in den vergangenen Wochen mit Mitarbeitern aus verschiedenen Dezernaten den Kauf von Containern für 800 Flüchtlinge vorbereitet und umgesetzt. Fischer hat aus seiner Zeit, als er nach dem Ausscheiden von Dr. Michael Schmitz den Sozialbereich interimsmäßig führte, gute Kontakte zu den Entscheidern auf Landesebene. In der außerordentlichen Situation der aktuellen Flüchtlingswelle solle deshalb Fischer diese Frage betreuen, sagte gestern Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners der RP.

Quelle: RP
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