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Serie Gladbacher Lesebuch (6)
Das Freibad Bellermühle war der Lieblingsort der Kinder

Serie Gladbacher Lesebuch (6): Das Freibad Bellermühle war der Lieblingsort der Kinder
Das Freibad Beller Mühle war früher so modern, dass dort sogar Meisterschaften stattfanden. Heute ist an gleicher Stelle der Bellermühle Park. FOTO: Stadtarchiv
Mönchengladbach. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in der kleinen Honschaft Bell nicht viel. Man spielte draußen mit dem, was man hatte. Von Heinz Willi Kleinen

Bell Die Bell war eine der zehn Honschaften der alten Herrlichkeit Odenkirchen. Der Name "Bell" bedeutet vermutlich tiefes, stehendes, sumpfiges Wasser. Die Honschaft Bell hatte 1659 etwa einhundert Einwohner und 21 Häuser. Zwischen Mülfort und der Einruhrstraße zieht sich die Mülgaustraße quer durch das Bellergebiet. Hier in diesem alten Ortsteil, an der Bellerstraße, wurde ich im Jahre 1939 geboren. Von den Kriegsjahren habe ich nur noch wenig in Erinnerung. Ich weiß noch, dass wir in den letzten Kriegsjahren viel Zeit im Keller verbracht haben. Wir hatten große Angst, und es wurde viel gebetet. Bis auf eine Brandbombe, die Opa noch rechtzeitig mit Sand löschen konnte, hat unser Haus wenig mitbekommen. Aber nur wenige Meter weiter wurde fast die ganze Saarstraße und ein Teil der Bellerstraße in Schutt und Asche verwandelt.

Dann war der Krieg zu Ende, und wir Kinder hatten neue Spielplätze: die Trümmergrundstücke. Trotz Warnungen und Verbot der Eltern kletterten wir immer wieder durch die Ruinen. Etwas später waren dann die neuen, halbfertigen Häuser unser Spielplatz, wenn dort nicht gearbeitet wurde. Doch dann begann der Ernst des Lebens, ich wurde eingeschult. Die katholische Volksschule Bell an der Höhenstraße war für die nächsten acht Jahre meine Bleibe. Ich wurde sieben Jahre alt und bedingt durch den Krieg ein Jahr zu spät eingeschult. Dafür waren wir dann mit über 70 Kindern in einer Klasse. Nebenbei erwähnt, ein blondes Mädchen namens Rosemarie war auch in meiner Klasse. In knapp fünf Jahren feiern wir diamantene Hochzeit.

Zwei Kindergärten gab es damals: den für evangelische Kinder und einen für die katholischen Kinder. Der katholische war an der Steinsstraße im Klösterchen, auch "Em Klösterke" genannt. Die Kinder sammelten sich an der Ecke Kochschulstraße/Bellerstraße, und dann ging es die Kochschulstraße hinunter über die Duvenstraße zur Steinsstraße, gegenüber der Steinsmühle. Die evangelischen Kinder hatten es nicht so weit, denn der Kindergarten lag zentral an der Mülgaustraße. Den gibt es auch heute noch, aber für alle Konfessionen.

Am liebsten spielten wir Kinder im heutigen Bellermühlegebiet. Da gab es den "Bend", ein sumpfiges und oft undurchdringliches Gelände. Ideal zum Indianer spielen oder auch Zigaretten rauchen. Die Niers mit den großen Trauerweiden eignete sich sehr gut, um sich wie Tarzan über den Fluss zu schwingen, was nicht immer gut ging, und so waren wir mehr im Wasser als am anderen Ufer. Und dann war ja da das Schwimmbad Beller Mühle. Mein Vater war im Krieg gefallen und Mutter hatte nicht so viel Geld, so dass ich nicht oft das Eintrittsgeld zusammenbekam. Aber es gab da so bestimmte "geheime Eingänge", oder wir haben im Schwimmbad Abfälle eingesammelt, und dann gab es eine Freikarte. Auch im Winter war das Schwimmbad für uns Kinder sehr interessant. Verbotenerweise ging es auf dem Zwei-Meter-becken zum Eishockey spielen.

Die Kindheit ging zu Ende, und es folgten die Lehre und der Beruf. So arbeite ich 45 Jahre in der Maschinenfabrik A.Monforts in der "Honschaft" Bonnenbroich. Und das kam so: An der Höhenstraße neben der Beller Schule wohnte eine befreundete Familie von uns. Der Mann war Meister bei A.Monforts und hatte gehört, dass ich gerne mit Metalbaukästen spiele. Und da war es eine beschlossene Sache: "Du kommst zu uns in die Maschinenschlosser-Lehre." Mein fünf Jahre jüngerer Bruder wurde später genauso verdonnert. Beide haben wir bis zur Rente bei A.Monforts gearbeitet und es nie bereut.

Dieser Mann hatte auch guten Kontakt zum Rektor der Beller Schule nebenan. So wusste er, welche Kinder Probleme hatten. Er hat - wie meinem Bruder und mir - vielen Kindern geholfen, sich auf die Aufnahmeprüfungen vorzubereiten. Denn wir waren geburtenstarke Jahrgänge, und bei den Aufnahmeprüfungen wurde stark ausgesiebt.

Quelle: RP
 
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