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Mönchengladbach
Das Johanna-Hölters-Haus erstrahlt im neuen Glanz

Mönchengladbach. Der Blinden- und Sehbehindertenverein hat das Haus an der Mozartstraße 3 aufwendig und bedarfsgerecht renoviert. Von Christian Lingen

Das Haus an der Mozartstraße 3 ist wohl eines der schönsten in der ganzen Stadt. 1910 erbaut, gehörte es einst Adolf Abraham, einem jüdischen Kaufmann, der dort, wo sich heute der Kaufhof an der Hindenburgstraße befindet, ein modernes Kaufhaus betrieb. Wie alle Juden wurden auch er und seine Familie von den Nazis verfolgt. 1933 wanderte die Familie in die USA aus und schenkte den Prachtbau dem Blindenverein, der 1923 von Johanna Hölters gegründet worden war. Das Vorgehen wirkt bis heute nach. Das Haus an der Mozartstraße ist noch immer im Besitz des Blinden- und Sehbehindertenvereins. Nun hat der Verein es aufwendig renoviert.

"Einige Dinge mussten wir neu machen, zum Beispiel die Regenrinnen. Weil alles unter Denkmalschutz steht, war es nicht einfach", erzählt Rudolf Hansen, der Vorsitzende des Vereins. Das war vor allem bei der Sanierung der Fassade zu spüren. "Sie ist aus Tuffstein gefertigt. Mit diesem Material können nur wenige Firmen arbeiten. Die Farbe des Hauses mussten wir an das Original anpassen", erinnert sich Hansen. Die Sanierung von außen war aber nur ein Teil der Renovierungsarbeiten. Weil Blinde und Sehbehinderte auf Hilfe angewiesen sind, wurde auch im Innern des Hauses einiges verändert. Damit beauftragte der Verein die Innenarchitektin Ulrike Jacobs. Sie richtete alles auf die Bedürfnisse der Vereinsmitglieder aus.

"Die Tische haben nun ihre Beine in der Mitte. So kann man sich nicht stoßen oder hängen bleiben", sagt sie. Außerdem wurde jede Menge Stoff verarbeitet. "Blinde sind stark auf ihr Gehör angewiesen. Deshalb ist die Akustik in den Räumen sehr wichtig", erklärt die Innenarchitektin. In den alten Räumen war es sehr hellhörig. Nun wurden neue Gardinen angebracht, und an den Wänden prangen Bilder aus Stoff. Weil er den Schall schluckt, ist er für die Mitglieder des Blinden- und Sehbehindertenvereins eine große Hilfe. Wie viel die Sanierung gekostet hat, möchte Rudolf Hansen nicht sagen. "Es war aber ein großer Aufwand für uns. Wir mussten mehrere Jahre das Geld ansparen", erzählt er.

Beim Sommerfest des Vereins präsentierte Rudolf Hansen die frisch renovierten Räume erstmals der Öffentlichkeit. Weil der Verein gut vernetzt ist, waren rund 150 Gäste, von Karnevalisten über Schützen bis hin zu Sportlern, mit dabei und feierten im Garten. Auch Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners war gekommen. "Ich wohne hier um die Ecke, da hatte ich es nicht weit", sagte er. Das Haus kenne er schon lange. "Ich bin hier schon oft vorbeigegangen. Von innen kannte ich es noch nicht", sagte er, von der Pracht der Villa beeindruckt.

Die Räume im Erdgeschoss dienen dem Blinden- und Sehbehindertenverein als Begegnungsstätte. In den beiden Etagen darüber befinden sich sechs Mietwohnungen, die derzeit von acht Personen bewohnt werden. Adolf Abraham würde es sicher gefallen.

Quelle: RP
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