| 00.00 Uhr

Kolumne Mensch Gladbach
Das macht man nicht kaputt!

Mönchengladbach. Die Bronze-Esel, die jetzt Keinschwanzesel sind, haben uns eins gelehrt: Wir müssen uns nicht alles gefallen lassen. Wir dürfen auch mal sagen, dass Menschen, die vor nichts Respekt haben, "Dumpfbacken" und "Vollidioten" sind.

Es ist doch immer wieder interessant zu verfolgen, was in den sozialen Netzwerken von wem kommentiert wird - und vor allem wie. Am amüsantesten finde ich persönlich ja die Bemerkungen "Wer will denn diesen Scheiß wissen" oder auch "Sack Reis in China". Gut, man könnte einfach über die Beiträge scrollen, die einen nicht interessieren, aber wer meint, er müsste... mir doch egal.

Die Esel auf dem Sonnenhausplatz sind dagegen anscheinend niemandem egal. Sieht man sich in den Foren um, hat (fast) jeder eine Meinung zu den neuen Skulpturen. Dass die einen die Bronzetiere schön finden, die anderen nicht, ist normal. Über Kunst und Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Nicht normal ist dagegen, wie viele User wegen des Esel-Ensembles Politiker und alle Welt beschimpfen. Dabei sind unter den größten Kritikern viele, die nichts richtig mitbekommen haben. "Anlesen, draufhauen", ist ihre Devise. Wahrscheinlich kommen sie auch bei folgenden Sätzen nicht über Wort zwei hinaus. Trotzdem: Die Esel sind ein Geschenk vom Minto. Nein, es wurden keine Steuergelder ausgegeben. Und für Reparaturen an Kunstwerken im öffentlichen Raum zahlt die Versicherung.

Kritik ist gut und wichtig, aber Beschimpfungen und Beleidigungen von Empörten, die ihre Kommentare im Netz gerne mit grün kotzenden Emojis (das sind diese kleinen Piktogramme, die Emotionen widerspiegeln sollen) untermauern, zeugen jetzt nicht gerade von kritischer Reflexion. Und wenn solche Anmerkungen mit Hasstiraden dann auch noch von Menschen kommen, die auf Facebook mit Stinkefinger-Profilbild unterwegs sind, die als Beruf "Vorgesetzter von Hausfrau und Pitbull", als Bildungsweg "harte Schule des Lebens" angegeben und gleichzeitig auf ihrer Seite den "Untergang des christlichen Abendlandes" beklagen, fragt man sich schon manchmal: Hä? Wo sind eigentlich unsere Werte geblieben? Im Dschungelcamp? Im Big-Brother-Container?

Lange Jahre war ich davon überzeugt, dass jeder Mensch in seiner Kindheit mehrfach den Satz "Mach das nicht kaputt!" gehört hat. Jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher, ob einige Eltern ihn aus den sich selbst gesteckten Erziehungszielen gestrichen haben. In der Stadt wird viel kaputt gemacht. Das war so und bleibt wahrscheinlich auch so. An der Talstraße werden seit Monaten an Fahrzeugen reihenweise die Reifen zerstochen und der Lack zerkratzt. Kaum ist alles repariert und geflickt, wird es erneut beschädigt. In der Nacht zu gestern ist das übrigens schon wieder geschehen. An den geschenkten Bronze-Eseln auf dem Sonnenhausplatz wurden die Schweife mit brachialer Gewalt abgebrochen. Seit allerdings aus den Eseln zum zweiten Mal Keinschwanzesel wurden, ist die Stimmung gekippt. Plötzlich greifen auch mal die zu härteren Ausdrücken, die es sonst nicht tun, die dafür bekannt sind, dass sie viel Wert auf Diplomatie und politische Korrektheit legen. "Vollidioten" nannte Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners die Sachbeschädiger. Für Bestsellerautorin Rebecca Gablé sind die Täter schlicht und ergreifend "Dumpfbacken".

"Yep", da kann man nur zustimmen. Manche verstehen eben nur Ein-Wort-Sätze.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kolumne Mensch Gladbach: Das macht man nicht kaputt!


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.