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Mönchengladbach
Das Opernstudio liebt seine "Kinder"

Mönchengladbach. Junge Absolventen der Musikhochschule werden Jahr für Jahr im Theater als Stipendiaten liebevoll aufgenommen und mit der Bühne vertraut gemacht. Operndirektor Andreas Wendholz würde sie am liebsten alle für immer behalten - wie ein Vater. Von Inge Schnettler

Absolventen der Musikhochschulen haben es schwer. Immer schwieriger ist es geworden, eine Anstellung zu bekommen. "Und wenn die jungen Musiker doch irgendwo unterkommen, werden sie gleich komplett einbezogen, manche scheitern unter dem enormen Druck", sagt Andreas Wendholz. Diese Entwicklung sei vorhersehbar gewesen, deshalb wollte er etwas dagegensetzen. Er gründete das Opernstudio. Als er vor Jahren erstmals darüber mit Generalintendant Michael Grosse über seine Idee sprach, habe dieser gesagt: "Tolle Sache, machen!" Geld sei aber nicht vorhanden gewesen. Deshalb ging Andreas Wendholz auf Sponsorensuche. Und das tut er seitdem Jahr für Jahr.

Als Kooperationspartner fand er 2012 die Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf und jetzt auch die Hochschule für Musik und Tanz Köln. Im ersten Jahr nahm der Operndirektor drei Stipendiaten unter seine Fittiche, jetzt sind es fünf Stipendiatenplätze, die das Theater zu vergeben hat. "Meine Kinder", sagt Andreas Wendholz, wenn er von den jungen Menschen spricht, die unter seiner Ägide fürsorglich und mit Bedacht in die Welt des Theaters eingeführt wurden. "Am liebsten würde ich sie alle für immer hier behalten." Immerhin: Die Stipendien haben schon manche Wege zu Engagements geebnet. "Die jungen Sängerinnen und Sänger erarbeiten während ihres Stipendiats kleine und mittlere Rollen und erhalten mit einer eigenen Studioproduktion, szenisch arrangierten Konzerten, Liederabenden und speziellen Projekten ein Forum, sich auf individuelle Weise dem Publikum zu präsentieren und Bühnenpraxis zu sammeln." Dazu kommen Meisterkurse und Workshops mit renommierten Musikerpersönlichkeiten und Dozenten. In der vergangenen Spielzeit gehörten Cheryl Studer, Helen Donath und Kobie van Rensburg zu den Mentoren.

Die Stipendiaten Amelie Müller, James Park, Manon Blanc-Delsalle und Jan-Paul Reinke haben das Gemeinschaftstheater nach zwei Jahren zum Ende der Spielzeit verlassen. Der Bassbariton Shinyoung Yeo und der Pianist Yorgos Ziavras setzen ihr Stipendium ein weiteres Jahr fort. Als neue Stipendiaten gehören die Sopranistin Julia Danz, die Mezzosopranistin Agnes Thorsteins und der Tenor Xianghu Alexander Liu dem Opernstudio Niederrhein an.

Die Sopranistin Julia Danz stammt aus Tönisvorst und stand schon als Jugendliche als Ballettelevin und Statistin auf den Bühnen des Gemeinschaftstheaters. Sie lernte Geige und Querflöte und entschied sich nach dem Abitur für ein Gesangsstudium. Sie hat im ersten Kinderkonzert am vergangenen Sonntag ihr Debüt geben.

Aus Island stammt die Mezzosopranistin Agnes Thorsteins. Sie begann ihre musikalische Ausbildung in ihrem Heimatland und kam danach für private Gesangstudien nach Deutschland, bevor sie an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien ihr Gesangstudium absolvierte und mit Auszeichnung abschloss.

Im chinesischen Yunnan erhielt der Tenor Xianghu Alexander Liu seine erste Gesangsausbildung, bevor er an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater ein Masterstudium abschloss. Er ist derzeit im "Barbier von Sevilla" als Fiorello und Offizier zu sehen.

Yorgos Ziavras hat in der Sommerpause in seiner griechischen Heimat erfolgreich die Uraufführung einer zeitgenössischen Oper geleitet. Zurück am Niederrhein hat er Generalmusikdirektor Mihkel Kütson bei der Einstudierung der Oper Gianni Schicchi assistiert und wird im Dezember das Dirigat dieser Oper übernehmen.

Einen ersten gemeinsamen Auftritt der Stipendiaten des Opernstudios gibt es am Sonntag, 30. Oktober, 19.30 Uhr, im Studio des Mönchengladbacher Theaters.

Quelle: RP
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