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Mönchengladbach
Das Schreiben hält sie immer noch fit

Mönchengladbach. Maria Pispers wird heute 101 Jahre alt - und schreibt gerade ihre Memoiren. Darin kommen viele Details aus ihrem Leben vor, an die sich erinnert: etwa die Zeit im Krieg, ihre Jugend in Ratingen und ein Zeppelin, der 1927 über die Stadt flog. Von Christian Lingen

Leicht nach vorne gebeugt und mit klarer Stimme sprechend sitzt Maria Pispers in ihrem Sessel und erzählt aus ihrem Leben. Aus ihrer Kindheit, der Nachkriegszeit, ihrer Familie. An jede Kleinigkeit erinnert sich die Frau, die heute 101 Jahre alt wird. Sie erzählt, dass man sie bis heute eigentlich mehr unter ihrem Mädchennamen Ingenhoven kennt. Und sie berichtet von traurigen und glücklichen Momenten in ihrem Leben. Davon, dass ihr Ehemann Paul 1951 an den Folgen einer schweren Kriegsverletzung starb. Und vom Tode ihrer Tochter Margret, die kurz nach der Geburt diese Welt schon wieder verlassen musste. "Das war furchtbar", sagt Maria Pispers mit einer Träne im Auge.

Geblieben ist ihr aber Sohn Raimund. Und der wohnt bis heute bei seiner Mutter und kümmert sich um ihr Wohlergehen. Ihr Alter bringt es mit sich, dass sie nicht nur Enkelkinder, sondern auch Urenkel hat. Der ganze Stolz ist die einjährige Urenkelin Anni. Ihr widmete sie vor einigen Tagen ein selbst geschriebenes Gedicht. In Paarreimen und mit schöner Handschrift bringt Maria Pispers ihre Freude zum Ausdruck. Schreiben, das kann Maria Pispers. Jeden Abend arbeitet sie handschriftlich an ihren Memoiren. Vier dicke Bände unter dem Titel "Liebe deine Geschichte" sind schon fertig. "Ich habe auch schon elf Tagebücher voll", sagt sie. Das Schreiben hält sie fit. Und Maria Pispers hat einen Antrieb: "Ich möchte die Geschichte für meine Nachkommen festhalten."

Fernsehen interessiert Maria Pispers kaum. Viel lieber liest sie die Zeitung und verfolgt so das Geschehen in der Welt. Als die Bischöfliche Marienschule im Dezember ihr Patrozinium feierte, war Maria Pispers der Ehrengast. Sie ist die älteste noch lebende ehemalige Schülerin. Dass sie inzwischen 101 Jahre alt ist, darüber muss Maria Pispers manchmal schmunzeln. "Ich habe meine beiden Schwestern überlebt, dabei war ich immer die schwächste", sagt sie. Vor 40 Jahren stellten Ärzte ein Loch in ihrer Lunge fest und gaben ihr noch zehn Jahre Lebenserwartung. Die sind längst überschritten. "Wenn man nur will, dann hat man auch die Kraft. Ich bin eine Kämpferin", sagt Maria Pispers.

Ihre Kraft findet Maria Pispers nicht zuletzt in ihrem Glauben. Über 40 Jahre kümmerte sie sich ehrenamtlich um einen Marienbildstock an der Ecke Hügelstraße/Laurentiusstraße. Heute erinnert sie sich noch gerne an ihre Jugend. Etwa daran, wie sie im Alter von 14 Jahren 1927 einen Zeppelin beobachtete. Die waren damals zu Zeiten der Weimarer Republik eine Sensation. Und sie schwärmt auch noch von ihrer Kindheit in Ratingen, wo Maria Pispers bis 1922 lebte. "Das waren meine schönsten Jahre", erzählt sie.

Schön wird es ganz sicher auch heute werden, an ihrem 101. Geburtstag, wenn die ganze Familie Maria Pispers feiert.

Quelle: RP
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