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Mönchengladbach
Das Trinkwasser wird teurer

Mönchengladbach: Das Trinkwasser wird teurer
Das Trinkwasser wird in Mönchengladbach teurer. FOTO: AP, AP
Mönchengladbach. Die Gladbacher verbrauchen ein Viertel weniger Wasser als vor 25 Jahren. Die Fixkosten für die NEW sind jedoch immens hoch. Darum arbeitet der Versorger jetzt an einem neuen Tarifmodell. Das sorgt teilweise für höhere Preise. Von Ralf Jüngermann

Die Spartaste an der Toilette, die Waschmaschine mit besonders geringem Wasserverbrauch, der regulierbare Duschkopf - die Gladbacher sparen Wasser. Und das ist gut so. Findet auch der Versorger, der das Wasser liefert. Ralf Poll, Geschäftsführer der NEW Niederrhein Energie und Wasser GmbH, sagt: "Zwar gibt es in unserer Region ausreichend Trinkwasser, anders als an vielen anderen Stellen der Erde. Unser Trinkwasser ist aber auch ein Lebensmittel, und damit sparsam umzugehen, ist richtig und wichtig." Das tun die Gladbacher. Von 1990 bis 2014 ist der Wasserverbrauch um 24 Prozent zurückgegangen. Das ist sogar noch mehr als im Bundesschnitt.

Doch der rückläufige Wasserverbrauch sorgt bei der NEW auch für ein Problem. Denn um Wasser in bester Qualität liefern zu können, muss der Versorger einen immensen Aufwand betreiben. Und der wird nicht kleiner, wenn weniger Wasser verbraucht wird. "Unsere Wasserversorgung muss auch in Zeiten der maximalen Nachfrage funktionieren", sagt Poll. Heißt: Es muss an jedem einzelnen Tag so viel Wasser vorhanden sein, wie die Gladbacher theoretisch maximal verbrauchen. Bezahlen tun die Verbraucher aber fast zu 90 Prozent für den Verbrauch. Der Grundpreis macht nur rund zehn Prozent aus.

Das sorgt dafür, dass die NEW mit der Lieferung des Trinkwassers Verluste macht. Die liegen schon jetzt bei rund zwei Millionen Euro pro Jahr und würden bis 2020 auf fünf Millionen pro Jahr anwachsen. "Unser Konsolidierungspotenzial haben wir ausgeschöpft. Wir verbrauchen zum Beispiel bei der Aufbereitung des Trinkwassers heute deutlich weniger Energie als früher", sagt NEW-Vorstand Frank Kindervatter.

Der Versorger will mit einem neuen Berechnungsmodell für den Tarif gegensteuern. Künftig sollen die Verbraucher anteilig mehr für den Grundpreis und weniger für den Verbrauch bezahlen. Rund 50 Prozent der Kosten der NEW sollen durch fixe Erlöse gedeckt werden. "Wir wollen den Trinkwasserpreis damit gerechter machen. Natürlich wird auch weiter derjenige belohnt, der wenig Wasser verbraucht", so Kindervatter. Die NEW hat den Gladbacher Politikern einen Vorschlag für die neue Tarifstruktur vorgelegt. Der Aufsichtsrat wird darüber Ende Februar beraten.

Noch wird über die genauen Zahlen verhandelt. Es zeichnet sich aber ab: Ein Teil der Kunden (zum Beispiel Singles in Mehrfamilienhäusern) zahlt etwas mehr. Ein Teil (zum Beispiel große Familien in Einfamilienhäusern) zahlt etwas weniger. Der Unterschied ist jedoch in allen Fällen überschaubar: Die Differenz zum bisherigen Preis liegt für die meisten wohl bei bis zu zwei Euro pro Monat. Nur in Extremfällen werden künftig rund vier Euro mehr oder weniger pro Monat fällig. Eingeführt werden sollen die neuen Preise voraussichtlich am 1. August.

Dem neuen Tarifmodell zustimmen muss noch die Landeskartellbehörde. Die unterstützt derartige Preismodelle jedoch in aller Regel, hat sie sogar in anderen Städten aktiv eingefordert. Die NEW ist nicht der erste Versorger, der sein Tarifmodell für Trinkwasser entsprechend umstellt. In Krefeld und Grevenbroich wird beispielsweise schon länger so verfahren.

Das Gladbacher Trinkwasser wird ausschließlich aus Grundwasser gewonnen, entsäuert, enthärtet, aber nicht gechlort. Das hiesige Leitungswasser ist als Trinkwasser und zur Zubereitung von Tee, Kaffee und Speisen geeignet. Es hat deutlich weniger Nitrat als von der Trinkwasserverordnung vorgeschrieben.

Quelle: RP
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