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Mönchengladbach
Das Vertrauen zwischen Christen und Moslems wächst

Mönchengladbach. Seit einem Jahr treffen sich Vertreter der katholischen, evangelischen und muslimischen Gemeinden regelmäßig zum Gespräch. Sie suchen nach Kooperationen. Von Angela Rietdorf

Den Anstoß gaben die Anschläge von Paris auf Charlie Hebdo und den jüdischen Supermarkt. "Mir wurde klar, dass der Dialog zwischen den christlichen und muslimischen Gemeinden in der Stadt wieder aufgenommen werden musste", sagt Stephan Dedring, evangelischer Pfarrer aus Rheydt und Synodalbeauftragter für das christlich-islamischen Gespräch. "Wir müssen vermeiden, dass Islam und Islamismus in einen Topf geworfen werden."

Seine Initiative stieß auf große Resonanz und seit einem Jahr treffen sich Vertreter der evangelischen, katholischen und muslimischen Gemeinden alle acht Wochen zum Austausch. Mit positiven Resultaten: der Dialog ist offen und konstruktiv.

"Es ist nicht selbstverständlich, so offen miteinander zu reden", sagt Abel-Elhay El-Habib von der Masjid Arrahmann-Moschee in der Mittelstraße. "Es wird kein Blatt vor den Mund genommen und solche ungezwungenen Gespräche sind sehr wertvoll." Bei den Treffen werden allgemeine Fragen wie der Religionsunterricht in Grundschulen diskutiert, aber auch ganz konkrete Möglichkeiten der Kooperation ausgelotet. Zum Beispiel bei der Notfallseelsorge. Da kann es sinnvoll sein, bei Betroffenen muslimischen Glaubens auch einen muslimischen Helfer hinzu zu rufen. Die Konferenz einigt sich schnell darauf, eine aktuelle Telefonliste mit muslimischen Ansprechpartnern zu erstellen.

Konkret wurde die Zusammenarbeit auch schon, als Martina Wasserloos-Strunk, Leiterin der Philippus-Akademie des evangelischen Kirchenkreises, Referenten zum Thema Islam für einen Jüchener Frauenkreis suchte. "Der Kulturverein Irfan hat mir junge Referenten vermittelt, die islamische Theologie studieren", erklärt Wasserloos-Strunk. Im Gegenzug möchte Irfan-Vorstand Ali Kalayci gern christliche Theologen zu Vorträgen über das Christentum in den Bildungs- und Kulturverein in der Alleestraße einladen.

Besonders viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit gibt es in der aktuellen Flüchtlingsarbeit. Bisher sei der Beitrag, den die muslimischen Gemeinden in Mönchengladbach leisteten, öffentlich nicht so wahrgenommen worden, bedauert Mehmet Gümüs, Vorsitzender des Türkisch-Deutschen Integrationsverbunds. "Dabei helfen wir überall mit." Jetzt sollen die Aktivitäten koordiniert werden, zum Beispiel im Zusammenhang mit dem neuerdings als Flüchtlingsunterkunft genutzten Hotel zur Post in Rheydt. Aber auch auf der Krallschen Wiese ist die Zusammenarbeit notwendig und fruchtbar.

"Wir brauchen noch Übersetzer, besonders für Arabisch", wendet sich Antje Brandt, Pfarrerin der evangelischen Friedenskirchengemeinde an Abel-Elhay El-Habib. Der sagt Unterstützung zu. Und kann auch gleich erklären, warum die Verständigung mit einem Flüchtlingspaar in einem Fall noch nicht einmal mit Hilfe von Zahlen möglich war. "Es sind doch arabische Zahlen, die wir verwenden", sagt Pfarrerin Brandt leicht verzweifelt. Ja, erklärt El-Habib, die würden auch in Nordafrika verstanden, nicht aber auf der arabischen Halbinsel. Dort würden sogenannte indische Zahlen benutzt. Und er verspricht auch gleich noch, eine Liste mit solchen Zahlen zu erstellen, um in Zukunft die Verständigung zu erleichtern.

Die Beispiele zeigen: Die Zusammenarbeit zwischen Christen und Muslimen wächst und mit ihr das Vertrauen zueinander. Pfarrer Dedring hatte das Ziel zu Beginn so formuliert: "Das Eigene wertschätzen, ohne das Andere abzuwerten."

Quelle: RP
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