| 11.18 Uhr

Star-Geiger in Mönchengladbach
David Garrett: Ein Teufelsgeiger im Feuerwerks-Rausch

David Garrett - Der Stargeiger im Hockeypark Mönchengladbach
David Garrett - Der Stargeiger im Hockeypark Mönchengladbach FOTO: Andreas Baum
Mönchengladbach. Vor rund 8500 Zuschauern spielte der deutsch-amerikanische Geiger David Garrett am Mittwochabend im Hockeypark. Das Konzert bei fast 30 Grad konnte ungestört ablaufen – das befürchtete Gewitter machte einen großen Bogen um die Stadt. Von A. Kaumanns, S. Brangenberg und R. Jüngermann

Den Stress merkt man David Garrett kein bisschen an. Der Star-Geiger mit den ausgeprägten Rock-Allüren tut bei seinem Auftritt im Hockeypark ganz so, als sei das ein Klacks: mittags bei 32 Grad am Brandenburger Tor als Stimmungsmacher vor Barack Obama auf der Bühne stehen, Nationalhymnen fiedeln und gepflegt abrocken, dann in den Privatjet, ab Düsseldorf mit Eskorte in den Nordpark, ohne Soundcheck kurz nach acht raus vor die tobende Menge. 8500 Leute schwitzen überm Kunstrasen, auf der Bühne die Band, das Sinfonieorchester und Garrett selbst: Zopf zum Dutt hochgesteckt, weißes Schlabber-T-Shirt, verwaschene Jeans, Stradivari.

Es ist die ganz große Show. Nicht nur Garrett selbst, der Geiger aus Aachen, der lieber im Crossover zum Weltstar wurde statt auf dem Klassik-Markt, der Schwiegermutterschwarm und Paganini-Imitator begeistert mit seinem perfekt gegroovten und ganz schön virtuosen Spiel quer durch die Musikstile von Heavy Metal bis Beethoven. Auch die akustischen, vor allem die optischen Beigaben fügen sich zu einer grandiosen Inszenierung. Wer das Glück (und das nötige Kleingeld) hatte, in einer der vorderen Reihen zu sitzen, spürt die Hitze der Feuerspeier auf der Haut, die zu "Music was my first love" oder "We will rock you" im Takt spucken, was die Technik hergibt. Nicht zu reden von den Feuerwerkseffekten, dem Bühnennebel, in dem Garrett fiedelt wie der Leibhaftige.

Dazu schleudern riesige Leinwände Live-Bilder oder vorproduzierte Clips in rasanter Qualität hinter und neben der Bühne in die Massen, dass man von wohliger Reizüberflutung sprechen kann. "Das ist einfach wahnsinnig toll", sagt ein Gladbacher Familienvater, der mit elfjährigem Sohnemann auf der Tribüne sitzt. Beide hatten die 75 Euro teuren Karten schon zu Weihnachten gekauft, weil die Garrett-Begeisterung des Musiklehrers des Jungen ansteckend war.

Der Star-Geiger, der demnächst als Paganini ins Kino ("Der Teufelsgeiger") kommt, hat für seine "Music!"-Tour nicht nur seine Band (extrem toller Gitarrist mit rosa Käppi), sondern auch ein fast 40-köpfiges Sinfonieorchester und etliche Tänzer und Artisten aufgeboten. Man spielt auf der Maffay-Bühne vom Vortag mit in der Nacht komplett ausgewechselter Technik, die mit einer Sattelschlepper-Flotte angeliefert wurde. Auf Merchandising-Ständen gibt's Kapuzen-Shirts, Platten, Armbänder, iPhone-Covers oder Noten-T-Shirts mit Garretts Gekritzel in Rot. Man steht Schlange am Bierstand, kauft Brezeln, Würstchen oder Regencapes. Die allerdings wurden nicht gebraucht. Denn Gewitter gibt's nur auf der Bühne: "Thunderstruck" von ACDC.

David Garrett geigt, was das Zeug hält. Und erzählt zwischendurch gern Anekdoten: von seinem Vater, der in Mönchengladbach aufgewachsen ist. Oder begründet die Aufnahme von Titeln aus dem Ballett "Schwanensee" ins Programm mit seiner Mutter, die war Balletttänzerin.

Der Mönchengladbacher Bratschist Francis Norman ist "total begeistert von dem Sound, weil das Orchester alles komplett live spielt". Norman, der Garrett bei einem Konzert in Leipzig kennenlernte, darf in der Pause zum Star in den Backstage-Bereich. Nach dem "Sommer" aus Vivaldis "Jahreszeiten" und "The Show must go on" (Queen) klingt das Spektakel mit Beethovens "Ode an die Freude" aus. Peter Seuwen: "David hat meine Frau und mich verzaubert!"

(RP/anch/top)
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