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Fanprojekt
"De Kull" belebt die alte Grundschule in Waldhausen neu

Mönchengladbach. Die Farbe war ein Problem. Denn die Wände waren gelb. Und das ist ein Graus für Gladbach-Fans. Gelb ist die andere Borussia, die aus Dortmund. Mehrere Schichten weißer Farbe waren nötig, um den Makel zu beheben. Jetzt ist aber alles gut in den unteren Räumen des alten Grundschulgebäudes an der Hehner Straße. Dort residiert nun das sozialpädagogische Fanprojekt "De Kull". Gestern war Eröffnung.

Es gab natürlich Gastgeschenke. Gerd Wagner zum Beispiel, von der Koordinationsstelle Fanprojekte in Frankfurt, hatte zwei Kompasse mitgebracht, "damit die Fans den Weg zu De Kull immer finden". Die Ultra-Vereinigungen Sottocultura, Ascendente und Nordkurve aktiv, deren Mitglieder fleißig bei der Gestaltung des neuen Eigenheims von "De Kull" mitgeholfen haben, hatten Präsente mitgebracht für Philip "Peppo" Hülsen, den Leiter des Projekts. Auch hier war die Farbwahl interessant: rotes Papier als Verpackung, ganz unborussisch eigentlich. Doch das passte zum Tage. Das Fanprojekt "De Kull", das im vergangenen Jahr abgenabelt wurde vom FPMG Suppers Club, ist eine Anlaufstelle vor allem für Fußballfans, aber nicht nur. "Es ist für die Jugendlichen da, sie können dort ihre Fähigkeiten fördern und ihre Persönlichkeit entwickeln", sagte Wagner.

Sportdezernent Dr. Gert Fischer hat sich insbesondere dafür eingesetzt, dass "De Kull" das zuvor vier Jahre leerstehende Gebäude nutzen kann - mietfrei. Damit gibt es nicht nur eine Anlaufstelle für Jugendliche, nebenbei wurde auch "das Herz des Ortsteils Waldhausen wieder belebt", sagte Fischer. Er hofft auf eine gute Nachbarschaft mit den Anwohnern. Hans-Willi Körfges, SPD-Landtagsabgeordneter und Stehplatzinhaber im Borussia-Park, hält es für wichtig, dass die jugendlichen Fans "authentische Ansprechpartner haben, Menschen, die Fußballkultur leben". Der ebenfalls in der alten Schule ansässige Verein "Gladbacher Haus der Erinnerung" freut sich auf die Zusammenarbeit mit dem Fanprojekt. "Es ist eine tolle Kombination", sagte Ferdi Hoeren. "Das Fanprojekt kann auf unsere Ressourcen zurückgreifen, und wir kommen auf dem Wege auch an junge Leute heran."

Zum Start hat Hülsen die Ausstellung "Tatort Stadion II" nach Gladbach geholt. Teil eins der Schau gab es 2002 zu sehen. Bis 11. April ist die Ausstellung in der ehemaligen Sporthalle, die nun ein Veranstaltungsraum ist, zu sehen. "Ich würde sagen, das passt und es ist gerade in Zeiten wie diesen ein gutes Zeichen, die Jugendlichen mit dem Thema zu konfrontieren", sagt Hülsen.

Aus knapp 60 Quadratmetern, die der Container hinter dem Fanhaus hatte, wo "De Kull" bis jetzt residierte, sind fast 400 geworden: "Das ist ein Quantensprung für uns, jetzt sind wir ganz eigenständig". Es gibt bei "De Kull" neben Kicker- und Billardtischen eine kleine Fußball-Bibliothek und Relikte aus dem alten Bökelbergstadion - unter anderem Schalensitze und bald auch ein Kassenhäuschen. Dass es in der Nacht vor der Eröffnung einen Einbruch gab und fast 300 Euro gestohlen wurden, will Hülsen nicht als schlechtes Omen werten. "Da müssen wir durch. Wir sind froh, dass wir hier sind", sagte er.

KARSTEN KELLERMANN

Quelle: RP
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