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Mönchengladbach
Demenz darf kein Tabuthema sein

Mönchengladbach: Demenz darf kein Tabuthema sein
Angehörige von Demenzkranken haben ein anstrengendes Alltagsleben. Am 10. März sollen hilfreiche Tipps zur Unterstützung gegeben werden. FOTO: Warnecke
Mönchengladbach. Die neue Veranstaltungsreihe des Paritätischen beginnt mit einem Themenabend, der sich an Angehörige von Betroffenen richtet. Von Angela Rietdorf

"Demenz", definiert Jochen Plum alltagstauglich, "ist die Einschränkung der Alltagskompetenz". Die Ursachen mögen unterschiedliche sein, ihre Wirkung bleibe aber gleich. Mindestens 1,4 Millionen Menschen in Deutschland sind von der tückischen Krankheit, die nicht geheilt, sondern bestenfalls verlangsamt werden kann, betroffen. Ebenso betroffen aber sind auch ihre Angehörigen. "Angehörige von Demenzkranken haben ein sehr anstrengendes Alltagsleben", weiß Plum, Fachbereichsleiter Altenhilfe beim Paritätischen. Auch weil Demenz immer noch ein Tabu ist: Die Demenzerkrankung eines Elternteils oder gar Partners wird ungern zugegeben. Grund genug für den Paritätischen, das Thema Demenz an den Anfang einer neuen Veranstaltungsreihe zu stellen.

"Parithema" heißt die Reihe, in der sich der Paritätische mit inhaltlichen Fragestellungen und Themen aus dem sozialen, politischen oder gesundheitlichen Bereich auseinandersetzen will. Am Donnerstag, 10. März, steht die Veranstaltung unter der Überschrift "Leben mit Demenz". Sie wendet sich in erster Linie an Angehörige von Demenzkranken. Den Einstieg soll ein einfühlsamer Film bilden, der bereits internationale Beachtung fand: "Zwei Zucker" erzählt von einem Paar, das sein gesamtes Leben miteinander verbracht hat. Die Veränderungen, die die Demenz des Ehemanns für die Beziehung und die Bewältigung des Alltags mit sich bringt, zeigt der Film auf eindringliche Weise. Im Anschluss sollen im Rahmen einer Podiumsdiskussion Fragen aus der Praxis erörtert werden. Auf dem Podium werden Praktiker sitzen wie Angela Baum, die Leiterin der Tagespflege MG-Mitte oder Stefan Störtges, der Leiter der Gerontopsychiatrischen Beratungsstelle der LVR-Klinik.

"Wir wollen aufzeigen, was hilfreich ist, wo es Unterstützung für Angehörige gibt und wie der Alltag organisiert werden kann", erklärt Angela Baum von der Tagespflege. Angehörige hätten immer ein schlechtes Gewissen, wenn sie den Demenzkranken in einer Tagespflegeeinrichtung unterbrächten, aber es sei nun mal enorm wichtig, dass auch die Angehörigen ihre Erholungsphasen bekämen. "Sonst sind sie irgendwann psychisch oder physisch ausgebrannt", sagt Baum. Deswegen ist der Austausch mit anderen so elementar wichtig. "Zu erfahren, dass das eigene Verhalten richtig ist, hilft sehr", sagt die Leiterin der Tagespflege.

Der Paritätische hat zwei Tagespflegeeinrichtungen, eine im Zentrum von Mönchengladbach an der Hermannstraße, eine zweite in an der Geusenstraße in Rheindahlen. 90 Menschen werden dort tagsüber betreut. Nicht alle gleichzeitig natürlich, denn Zeit und Umfang der Betreuung sind frei zu wählen. Manche kommen einen Tag pro Woche, andere fünf Tage. Denn so unterschiedlich die Menschen, so unterschiedlich sind auch die Bedürfnisse. Die Kosten übernimmt die Pflegekasse. Je nach festgestellter Pflegestufe werden zwischen 231 und 1612 Euro für die Tagespflege übernommen. Die festen Strukturen und die Anregungen durch die Tagespflegeeinrichtungen bekommen den Demenzpatienten meist gut. "Viele Angehörige berichten, dass Interessen wiedergewonnen werden", erzählt Angela Baum. Die Lebensqualität nehme zu.

Die Veranstaltung "Leben mit Demenz" findet am Donnerstag, 10. März, um 19 Uhr im Paritätischen Zentrum Mönchengladbach, Friedhofstraße 39 in Rheydt statt. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Quelle: RP
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