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Mönchengladbach
Den Ballast von der Seele singen

Mönchengladbach: Den Ballast von der Seele singen
Unsere Mitarbeiterin Simone Krakau (r.) bei den Übungen. FOTO: Raupold
Mönchengladbach. Regelmäßig bietet Monika Hintsches den Workshop"Singen für Anfänger" in der VHS an. Dieser vermittelt eine kompakteEinführung in dieTechnik desGesangs. UnsereMitarbeiterinhat sich demSelbstversuch gestellt. Von Simone Krakau

Obwohl ich schon immer gerne gesungen habe, würde ich mich keineswegs als eine große Sängerin bezeichnen. Dennoch macht Singen mir viel Freude. Gerade beim Autofahren trällere ich, bei voller Lautstärke, meine Lieblingssongs mit. Ist die Musik laut genug, kann ich mir dann schon einmal schnell einbilden, dass ich diejenige mit der grandiosen Stimme bin - nicht Adele oder gar Mariah Carey. Hat die CD dann allerdings einen Sprung, werde ich ganz schnell daran erinnert, dass ich in diesem Leben wahrscheinlich keine Stadien mehr füllen werde.

So wie mir geht es den meisten Teilnehmern des Workshops "Singen für Anfänger" in der Volkshochschule. Die einen singen am liebsten unter der Dusche für sich - eben dort, wo sie niemand hören kann. Die anderen haben mit Musik nicht viel zu tun und möchten einfach ihre Stimme kennenlernen und erkunden. Weitere sprechen sogar von einem kleinen "Kindheitstrauma", weil Lehrer und Chorleiter ihnen vom Singen abrieten, da dies nichts für sie sei. Monika Hintsches, Leiterin des Workshops "Singen für Anfänger", kann Aussagen dieser Art absolut nicht nachvollziehen. "Jeder Mensch kann singen. Manche Menschen haben vielleicht von Natur aus eine schöner klingende Stimme, manche weniger. Dennoch kann jeder lernen, seine Stimme richtig einzusetzen", so die Gesangslehrerin. Und genau das möchte uns Hintsches in dem sechsstündigen Workshop nahebringen.

Nach einer ersten Vorstellungsrunde sollen wir uns nun erst einmal zur Musik tanzend durch den Raum bewegen. Man sieht allen 16 Teilnehmern deutlich an, dass das ein wenig Überwindung kostet - mir geht es da ganz genauso. Nachdem die ersten Hemmungen abgelegt wurden, werde auch ich ein wenig lockerer und entspanne mich. Was soll denn schon passieren? Hintsches führt uns langsam an erste Atem- und Gesangsübungen heran. "Die Töne müssen aus dem Bauch heraus erzeugt werden", erklärt die Workshopleiterin. Ok, das kriege ich hin. Tief einatmen und aus dem Bauch heraus einen Ton meiner Wahl halten. Und siehe da - es klappt. Um uns noch mehr aus der Reserve zu locken, gibt Hintsches die Töne und Laute vor und wir ziehen nach. "Wir legen jetzt mal das ,Darf ich das?' beiseite und machen jetzt einfach drauf los", motiviert sie uns. Auch die anderen Kursteilnehmer scheinen immer mehr aufzutauen, denn die Stimmen werden insgesamt immer lauter und kräftiger. Workshop-Teilnehmerin Ulla geht es so. Sie hat auch überhaupt kein Problem damit, ihre Stimme solo auszuprobieren. "Ich bin absolut überrascht, dass ich doch so unbefangen bin", erklärt sie. "Singen macht einfach Spaß und beflügelt - was will man mehr."

FOTO: Shutterstock/NatBasil

Nächster Programmpunkt: den Namen singen. Ich stelle meinen zur Verfügung. Wann erlebt man einmal, dass 16 Leute "Simone" in verschiedensten Tonlagen und Melodien für einen zum Besten geben? Aufgelockert und eingesungen teilt Hintsches uns in kleine Grüppchen auf. In verschiedenen Tonlagen singen wir erst den Klassiker "Bruder Jakob" im Kanon. Ein wenig erinnert das an die Schulzeit. Hintsches ist begeistert. "Toll, wie ihr miteinander harmoniert."

Und weil das schon so gut geklappt hat, trauen wir uns einen mehrsprachigen Song zu. Dieser bietet von der hohen bis in die tiefe Tonlage genau alles - auch fünf Strophen in fünf verschiedenen Sprachen. Auch das kriegen wir in der Gruppe super hin. Irgendwann schnappt sich Hintsches ihre Gitarre - spätestens jetzt sind alle Hemmungen über Bord geworfen. Ein wenig habe ich das Gefühl, mir für den Moment sämtlichen Ballast von der Seele gesungen zu haben. Hintsches hat das schon oft gehört. "Wir haben von Natur aus immer Angst, dass es zu schwer für uns sein könnte", erklärt Hintsches, die unter anderem auch als Kabarettistin auf der Bühne steht. "Dabei kann man sich mit dem Singen so viel von der Seele toben. Das sollte doch niemanden verwehrt bleiben."

Und genau dieses Gefühl vermittelt sie in diesem Workshop so großartig. Eine Umgebung, in der man sich ausprobieren kann, etwas lernt und diese gestärkt und selbstbewusster verlässt.

Quelle: RP
 
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