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Mönchengladbach
Den Bosch soll das Vorbild für den Geroweiher liefern

Mönchengladbach: Den Bosch soll das Vorbild für den Geroweiher liefern
Wer das Parkhaus zu Fuß verlässt, kann immer den Blick auf Wasser und Wallanlagen genießen und nähert sich der Stadt über die Brücke. FOTO: Rietdorf Angela
Mönchengladbach. Es ist ein idyllisches Bild: ein kleiner See, in dem sich die alten Stadtmauern spiegeln. Eine Fußgängerbrücke führt hinüber, durch einen Mauerdurchbruch ist ein Park zu erkennen, an den sich die Innenstadt von s'Hertogenbosch (Den Bosch) anschließt. Schön anzusehen, das alles. Genauso eindrucksvoll aber wie das, was man sieht, ist das, was man nicht sieht.

Man sieht nämlich keine Autos. Die sind in einer Tiefgarage unter dem Wasser verborgen. Ein höchst ungewöhnlicher Standort für ein Parkhaus, aber ein sehr überzeugender. Dem Besucher stellt sich die Stadt so nämlich von ihrer schönsten Seite vor.

Von diesem gelungenen städtebaulichen Projekt (die RP berichtete) wollen sich die Gladbacher inspirieren lassen. Angeführt von OB Hans Wilhelm Reiners und Baudezernent Gregor Bonin lassen sie sich das innovative Konzept vor Ort erklären. "1995 hatten wir hier nur einen schmutzigen Parkplatz und ein paar Tennisplätze", erklärt einer der Planer. Dann begann man die Stadt umzugestalten - mit dem Ziel, Geschichte wieder sichtbar und erlebbar zu machen, Altes mit Neuem zu verbinden und die vorgelagerte, inzwischen parkähnliche Festung mit der City zu verbinden. Vor fünf Jahren startet das Projekt Tiefgarage. Parkplatz und Tennisplätze verschwanden, drei großzügige Parkdecks für 1000 Autos entstanden und verschwanden anschließend unter einer einen Meter tiefen Wasserfläche. Der erstaunlichste Coup: Treppenhaus und Ausgang der Tiefgarage wurden nicht auf der Stadtseite gebaut, sondern auf der gegenüberliegenden Seite. Wer das Parkhaus zu Fuß verlässt, kann immer den Blick auf Wasser und Wallanlagen genießen und nähert sich der Stadt über die Brücke. Billig war das Projekt nicht: Die Kosten beliefen sich auf 50 bis 60 Millionen Euro. Der Gewinn für Den Bosch aber, was Lebensqualität, Ausstrahlung und Image angeht, ist unbezahlbar.

Auch an anderen Stellen der Stadt wird die Vergangenheit zurückgeholt: Anstelle einer alten Garage ist neben dem Museum ein Bootsanlegeplatz entstanden, der historische Kanal wird wieder erlebbar. Dabei war man auch in den Niederlanden in den 60ern soweit, die Kanäle aus dem Stadtbild zu eliminieren. Eine einzige Stimme im Stadtrat gab den Ausschlag für den Erhalt, heute genießen Bürger und Touristen das Wasser in der Stadt.

Die Parallelen zu gegenwärtigen Gladbacher Planungen sind unverkennbar. Für den vergrößerten Geroweiher, wie ihn der von allen Parteien getragene Masterplan am Fuß des Abteibergs vorsieht, muss der jetzige Parkplatz ganz oder teilweise weichen. Ist hier ein unterseeisches Parkhaus denkbar? Ja, meint Bonin, das sei eine realistische Möglichkeit. Auch die planungspolitischen Sprecher von CDU und SPD, Annette Bonin und Thomas Fegers, sind angetan. "Auch über die Finanzierung durch Fördermittel und Privatspenden, wie es die Niederländer vorgemacht haben, sollten wir nachdenken", sagt Bonin. Geht es nach dem Planungsdezernent, kann alles schnell gehen. "Wenn es alle wollen, dann müssen wir es jetzt anpacken, nächstes Jahr die Entscheidungen fällen und 2018/19 mit dem Bau beginnen."

(arie)
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