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Mönchengladbach
Den Weg in ein zweites Leben ebnen

Mönchengladbach. Die Stiftung Hephata eröffnet eine Beratungsstelle für Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen an der Urftstraße. Von Angela Rietdorf

Es ist ein Thema, das in der Öffentlichkeit praktisch nicht stattfindet, dabei sind 800.000 Menschen in Deutschland davon betroffen. Jedes Jahr gibt es 70.000 neue Fälle. Die Rede ist von erworbenen Hirnschädigungen. Unser zentrales Organ, das Gehirn, kann durch einen Schlaganfall geschädigt werden, durch eine Hirnblutung, einen Unfall oder eine Hirnhautentzündung. Und danach ist nichts mehr, wie es war. Ob selbstständiger, beruflich erfolgreicher Enddreißiger, junge Studentin oder aktiver Sportler - es kann jeden treffen. Und was dann?

Der deutsche Zuständigkeits-Dschungel ist für Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen besonders undurchdringlich. "Wenn ein Kind mit Behinderungen geboren wird, ist der Weg klar", sagt Brigitte Beutner, Sozialarbeiterin in der Hephata-Werkstatt in der Urftstraße. "Es gibt Frühförderung, die Angebote in Kita und Schule sind klar, und gegebenenfalls gibt es berufliche Möglichkeiten in Werkstätten." Anders bei Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen: Hier steht der Betroffene nach Akutklinik und Reha plötzlich da und weiß nicht mehr weiter.

Zurück in den Beruf führt meist kein Weg. Es fehlen Tagesstruktur, Förderung und Forderung. Und vor allem fehlt jemand, der sich zurechtfindet im Wirrwarr der Zuständigkeiten, der weiß, was die Pflegekasse zahlt, wann die Rentenversicherung einspringt, welche Möglichkeiten die Krankenkasse bietet. Der einen Überblick über das Angebot der Werkstätten, des betreuten Wohnens oder über Heime hat, kurz: ein Kümmerer.

Zwei solche Kümmerer gibt es jetzt in Mönchengladbach. An der Urftstraße neben der Werkstatt, die Hephata für Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen eingerichtet hat, befindet sich die neue Beratungsstelle, ebenfalls in der Trägerschaft der evangelischen Stiftung. Die beiden Berater haben einschlägige Erfahrung: Christian Houben hat vor zehn Jahren begonnen, innerhalb der Hephata-Einrichtungen Konzepte für Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen zu entwickeln. Er leitet auch das Wohnheim, in dem zwölf Betroffene leben. "In Werkstätten für Menschen mit geistiger Behinderung sind die Betroffenen fehl am Platz", weiß er. "Ebenso in Altenheimen. Sie brauchen ein anders zugeschnittenes Angebot." Brigitte Beutner, die zweite Beraterin, war für den Sozialen Dienst in der speziell eingerichteten Werkstatt zuständig. "Wir machen keine Rechtsberatung", betonen die beiden Berater. "Aber wir kennen die Netzwerke und Zuständigkeiten."

Der Beratungsbedarf ist offensichtlich riesig. Die beiden haben kaum die neuen Büroräume bezogen, Telefon und Internet funktionieren noch nicht, da reisen die Ratsuchenden sogar schon aus Oberhausen an. "Das spricht sich herum", erklärt Houben. "Es gibt in ganz NRW nur zwei weitere Beratungsstellen." Mit der Beratungseinrichtung komplettiert Hephata sein Angebot für eine im allgemeinen eher vernachlässigte Gruppe: Nun existieren ein Wohnheim, eine Werkstatt, ein ambulantes Betreuungsangebot und die Beratungsstelle. "Wir wollen den Betroffenen helfen, den Weg in ein zweites Leben zu finden", sagt Christian Dopheide, Vorstand der Stiftung Hephata. "Aber die Beratung erfolgt unabhängig, es geht nicht darum, möglichst viele Menschen in Hephata-Einrichtungen unterzubringen."

Die Beratungsstelle für Menschen mit erworbenen Hirnschäden befindet sich an der Urftstraße 246. Sie ist unter Telefon 02166 1330750 und der Email-Adresse info@beratung-meh.de erreichbar - sobald Internet und Telefon erst einmal freigeschaltet sind.

Quelle: RP
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