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Der 1. FC und seine Familien

Mönchengladbach. Wolfgang Heisters, Ehrenvorsitzender des 1. FC Mönchengladbach 1894, wird 80. Sein Vater Albert, aber auch dessen Söhne und eine Reihe anderer Familien haben die Geschichte des ältesten Fußball-Clubs Westdeutschlands geprägt. In Gladbach ist er die Nr. 2 hinter Borussia. Von O. E. Schütz

Den "Kampf" gegen Borussia um die führende Rolle im Fußball der Stadt hat Westdeutschlands ältester Fußballverein, der 1. FC Mönchengladbach 1894, schon vor fast sieben Jahrzehnten verloren - oder genauer: gar nicht erst gesucht. Als 1949 der Deutsche Fußball-Bund bundesweit den Vertragsfußball einführte, hatten die Männer um den Vorsitzenden des damaligen "Sport-Club", Gustav Lüngen, sich gegen den bezahlten Fußball ausgesprochen - anders als Borussia und auch der Rheydter SV. Einmal, weil beim Sport-Club über Jahrzehnte der Idealismus gepflegt worden war - aber auch, weil der Verein das Barvermögen nicht hätte nachweisen können, das er für eine Lizenzerteilung gebraucht hätte.

Gustav Lüngen hatte einen tatkräftigen Mitstreiter im grundsätzlichen Kampf gegen die Einführung des bezahlten Fußballs am Niederrhein: Albert Heisters, Vorsitzender des FC Eintracht 01, der an der Volksgartenstraße, neben der heutigen Jahnhalle, spielte. Er war in den 30er Jahren wie der Sport-Club einer der stärksten westdeutschen Vereine gewesen, hatte nicht selten mehr als 10.000 Zuschauer bei den Heimspielen gegen Borussia oder den Rheydter SV gehabt.

Verhindern konnten die beiden Männer den Vertragsfußball nicht. Was sie aber glänzend schafften, war 1950 der Zusammenschluss ihrer Vereine zum 1. FC M. Gladbach 1894. Beide Sportanlagen waren im Krieg durch Bomben zerstört worden, die Mitgliederzahlen deutlich gesunken. Sportlich gelte es nun zu verhindern, dass die beiden Bezirksklassen-Mannschaften in der Versenkung verschwänden, hieß es. Als der neue 1. FC erkannte, dass Borussia und der RSV, in die höchste Klasse, die Oberliga West, aufgestiegen, vermehrt die talentierten Jugendspieler anzogen, stellte er auf Druck seiner Fußballer doch noch einen Antrag auf Erteilung der Lizenz. Der aber wurde vom Verband abgelehnt - weil es mit Borussia und RSV bereits zwei Vertragsvereine gab, die nur wenige Kilometer vom Gladbacher Westend entfernt spielten. Es dürfe angenommen werden, dass Gustav Lüngen und Albert Heisters, die einen guten Draht zum Verband besaßen, diese Entscheidung vorausgesehen und so den Antrag mitgetragen hätten, hieß es.

Gustav Lüngen war auf der Gründungsversammlung des neuen Vereins am 4. August 1950 zum 1. Vorsitzenden gewählt geworden, Albert Heisters zum Stellvertreter. Heisters, Inhaber einer Hosenfabrik und eines Strumpfgeschäfts, war 16 Jahre Repräsentant der Eintracht, sich aber nie zu schade gewesen, auch mal die "Waschfrau" oder den Platzwart zu spielen. Nun setzte er seine Tatkraft beim 1. FC ein und auch darüber hinaus: Er war zwölf Jahre Obmann des Technischen Ausschusses im Fußballkreis, stand 16 Jahre an der Spitze des Stadtverbandes für Leibesübungen, dem heutigen Stadtsportbund.

Ein Mann, der Mönchengladbacher Sportgeschichte mitgeschrieben hat. Und "so nebenbei" gründete und leitete Albert Heisters auch noch beim 1. FC eine neue Abteilung: Kinderturnen. Das war 1961 in der deutschen Vereinslandschaft wegweisend. "Er hatte gelesen, dass Ärzte rieten, Kinder schon mit drei oder vier Jahren, Sport treiben zu lassen", sagen seine Söhne Wolfgang und Herbert, bald 80 beziehungsweise 78 Jahre alt.

Zwei Männer, die beim 1. FC in die großen Fußstapfen des Vaters getreten sind. Vereinsmitglieder seit ihrem Geburtstag, haben sie beim FC Fußball von der D-Jugend über die Erste Mannschaft bis zu den Alten Herren gespielt. Herbert, erfolgreicher Geschäftsmann, arbeitet bis heute ohne offizielles Amt, aber beständig, im Hintergrund, unterstützt seit Jahrzehnten den Verein mit Rat, Tat und Barem und entlastete den unermüdlichen Ersten Vorsitzenden Willi Schüll.

Wolfgang Heisters hatte der Beruf als Kaufhof-Manager zwei Jahrzehnte quer durch die Kaufhäuser in Süd- und Westdeutschland geführt, den Kontakt zum FC hat er aber nie verloren. Als "Ruheständler" war er von 2001 bis 2007 Nachfolger Willi Schülls, als Erster Vorsitzender kümmert sich bis heute unter anderem um die Traditionspflege mit einer regelmäßig erscheinenden kleinen Zeitschrift.

Familien wie die Heisters prägten und prägen den 1. FC: Da sind die Vos, Krauß und Reiser mit Willi Schüll, der als Vorsitzender 36 Jahre lang Herz, Seele und Motor des 1. FC war - der bedeutendste FCer der Nachkriegszeit neben Albert Heisters. Zu den Familien gehörten Heinz Glasmachers und sein Sohn Dieter, heute die Röhrhoffs: Heinz als jahrzehntelanger Jugendobmann und sein Sohn Uwe, der 2007 Vorsitzender wurde. Als Top-Industriemanager stellt er mit seiner Frau Bettina an der Seite die Weichen in einem Verein, der nicht nur für Fußballer, sondern auch für Hobbysportler attraktiv ist: als Vorreiter der Trimm-Welle in den 60er Jahren mit Vati- und Muttiriegen. Und auch die Leichtathleten spielen eine gute Rolle, ebenfalls lange geführt von einer Familie, den Wolfs.

Quelle: RP
 
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