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Mönchengladbach
Der 40-Tonner unter den Fahrrädern

Mönchengladbach: Der 40-Tonner unter den Fahrrädern
FOTO: Maximilian Krone
Mönchengladbach. Seit kurzem besteht die Möglichkeit, bei der Radstation am Gladbacher Hauptbahnhof ein Lastenrad auszuleihen. Besonders für kleine Einkäufe im ländlichen Raum ist das Rad eine Alternative zum Auto. Wir haben den Test gemacht. Von Maximilian Krone

"Nä, wat is dat denn?", ein Satz, den ich während meiner Tour mit einem Lastenrad von Gladbach nach Korschenbroich nicht nur einmal gehört habe, sondern auch unzählige Male in den Gesichtern von Fußgängern, Radfahrern und besonders Autofahrern ablesen konnte. Denn der Anblick eines mit einem Bierkasten beladenen Fahrrads bietet sich nicht oft. Aber zurück zum Anfang.

In der erst kürzlich eröffneten Radstation am Gladbacher Hauptbahnhof können Fahrräder nicht nur repariert und geparkt, sondern auch ausgeliehen werden. Darunter auch extravagante Modelle - wie das Lastenrad. Vergliche man Fahrräder mit Autos, so wäre das Klapprad der Smart unter den Fahrrädern und das Lastenrad wohl der 40-Tonner. Als mir ein netter Mitarbeiter der Radstation das Zweirad, mit dem ich einen Kasten Bier von der Brauerei Bolten abholen will, vor die Tür rollt, muss ich erstmal schlucken. Damit soll ich unfallfrei fahren können? Durch Gladbach?

Ich gebe mir keine Blöße, steige auf und lasse mir in ein paar Sätzen die Funktionen des Rades erklären. Denn was ich nicht wusste: Der Drahtesel ist mit einem Elektromotor ausgestattet. Mit einem kurzen Klick kann ich nicht nur die Stärke des elektrischen Antriebs regeln, sondern auch den Gang einstellen. Ein kleines Display zeigt mir meine Geschwindigkeit an.

Noch etwas wackelig und mit künstlich erzeugtem Schwung starte ich dann gen Korschenbroich, dort, wo Bolten-Bier gebraut wird. Bereits nach kurzer Zeit habe ich mich an das Fahrgefühl gewöhnt. Im Gegensatz zu einem normalen Rad befindet sich noch eine gut ein Meter lange Kiste vor dem Lenker, wodurch sich die Manövrierfähigkeit einschränkt. Das merke ich besonders an den Ampeln. Nicht nur, dass ich zunächst den Vorbau vergesse und mit dem Rad halb auf der Straße stehe, auch der Radius der Kurven ist größer als gedacht. Das ein oder andere Mal halte ich somit direkt auf dem Fußgängerübergang.

Apropos: Hier und dort bekomme ich durch die Länge des Gefährts kleine Probleme. Denn die Inseln, beispielsweise auf der Korschenbroicher Straße, die die eine, von der anderen Fahrtrichtung trennen, sind nicht für ein Gefährt dieser Länge ausgelegt. Gerade so passe ich damit auf die Insel, ohne angefahren zu werden. An anderer Stelle versperren mir zwei Aufbauten den Weg, an denen Radfahrer absteigen müssen, um durch zu kommen. Ich jedoch passe nicht durch und schiebe das Rad außenrum.

Nachdem ich die Stadt aber hinter mir gelassen habe und auf einem separaten Radweg Richtung Korschenbroich radel, gibt es keine Unterschiede mehr zum normalen Fahrrad. Im Gegenteil: Ganz ruhig und zügig komme ich meinem Ziel immer näher. Dort angekommen, parke ich auf dem Innenhof der Brauerei. Die Mitarbeiter grinsen, als ich absteige und zielstrebig in den Verkaufsraum gehe, um mir einen Kasten zu besorgen. Ein bisschen sonderbar komme ich mir schon vor, immerhin kamen alle anderen Kunden mit dem Auto. Doch ich weiß: Alle, die nach Gladbach fahren, werden spätestens in der Innenstadt im Stau stehen. Ich aber kann locker an ihnen vorbei radeln.

Zunächst aber muss ich zurückfahren. Dieses Mal wähle ich eine andere Strecke. Über die Rheydter- und Ritterstraße mache ich mich auf den Weg. Der Kasten, der sich auf der Ladefläche vor mir befindet, ändert das Fahrgefühl nicht wesentlich. Wohl aber die vielen Löcher und Hubbel auf der Strecke. Klimpernd schleiche ich nun zurück. Schließlich will ich nicht, dass eine der Flaschen noch zersplittert. Das Grinsen der Passanten ebbt dadurch kaum ab. Denn jeder weiß nun, was ich da transportiere.

Nachdem ich zunächst noch lächelnd reagiert hatte, verfinstert sich nun meine Mine. Der Zustand der Wege ist zum Teil eine echte Zumutung. Nächstes Ärgernis: die Brücke über die Korschenbroicher Straße. Diese ist nur für Fußgänger zugänglich. Um zurück zur Radstation zu gelangen, müssen Radfahrer außenrum fahren. Im Vergleich zum Sicherheitsgefühl, das man als Radfahrer auf der Bismarckstraße hat, aber noch ein geringes Problem.

Schließlich habe ich es aber doch noch ohne Unfall an meinen Zielort geschafft. Mein Fazit: Trotz der zum Teil schlechten Wege und ein paar Hindernissen auf der Strecke, ist das Lastenrad eine echte Alternative für kleinere Einkäufe. Besonders all jene, die etwas ländlicher wohnen und gerne Fahrrad fahren, werden an dieser Transportmethode ihre Freude haben. Denn neben der Tatsache, dass man Zeit spart, in der man nicht im Stau steht, wird die Gesundheit gestärkt, die Umwelt geschont und man kann nebenbei noch die frische Luft und die schöne Landschaft genießen.

Die Kosten betragen 15 Euro pro Tag. Mitglieder des ADFC können das Lastenrad umsonst ausleihen.

Quelle: RP
 
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