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Mönchengladbach
Der Boom der Häuslebauer

Mönchengladbach: Der Boom der Häuslebauer
In Mönchengladbach steigt die Zahl der Ein- und Zweifamilienhäuser deutlich. FOTO: Monique Wüstenhagen/dpa
Mönchengladbach. Immer mehr Wohnungsbauten in Mönchengladbach werden genehmigt. Allerdings wächst dabei die Zahl der Ein- und Zweifamilienhäuser deutlich stärker als die der Mehrfamilienhäuser. Von Andreas Gruhn

Der Wohnungsmarkt in Mönchengladbach kommt in Wallung. Und das liegt vor allem an jungen Bauherren, Gutverdienern, die sich ihr Eigenheim leisten und die in Gladbach gerne gesehen sind. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres ist die Zahl an Baugenehmigungen in der Stadt um 44 Prozent auf nun 140 erteilte Genehmigungen gestiegen. Insgesamt erteilte die Stadt die Erlaubnis zum Bau von 101 Einfamilienhäusern (erstes Halbjahr 2015: 74), 15 Zweifamilienhäusern (2015: 4) und 24 Mehrfamilienhäusern (2015: 19). Insgesamt sollen so 323 neue Wohneinheiten in Mönchengladbach entstehen, was einem Zuwachs von 18,3 Prozent entspricht. Man kann sagen: Gerade im Vergleich anderen Städten in der Region wie etwa Krefeld, Wuppertal und Oberhausen hat Mönchengladbach deutlich zugelegt, was Baugenehmigungen angeht.

Das wiederum liegt ganz im Sinne der Vision mg+ Wachsende Stadt von Planungsdezernent Gregor Bonin. Dass in Mönchengladbach Wohnungen fehlen, ist unbestritten. Wie viele es aber tatsächlich sind, darüber sind sich die Experten uneins. Makler Norbert Bienen etwa geht davon aus, dass der Wohnungsmarkt in der Stadt in den kommenden zwei Jahren rund 300 nee frei finanzierte Wohnungen verträgt. Von Januar bis Juni wurden Genehmigungen für insgesamt 192 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern erteilt. "Das ist ein gutes Niveau für Mönchengladbach. Das verkraftet der Markt", sagt Bienen und warnt davor, dass bei zu vielen Neubauprojekten und dementsprechend zu stark wachsendem Wohnungsangebot die Mieten und damit auch die Rendite für Investoren sinken. "Das sorgt dann dafür, dass die Investoren sich andere Städte suchen. Wenn sich Invests nicht rechnen, gibt es auch keine mehr", warnt Bienen. In Düsseldorf sei Vergleichbares bereits zu beobachten.

Die Linke im Stadtrat hingegen warnt, gerade günstiger Wohnraum fehle in der Stadt. "Wir müssen durchmischte Stadtgebiete sowohl mit genügend barrierefreien Wohnungen für Ältere und Menschen mit Behinderung als auch kostengünstigen Wohnraum für Singles und junge Familien, entwickeln", sagt Torben Schultz, Vorsitzender der Links-Fraktion im Stadtrat und fordert einen "Masterplan Wohnen".

Tatsächlich ging bereits im vergangenen Jahr die Zahl der fertiggestellten Mehrfamilienhäuser deutlich zurück. Nur noch 13 Gebäude mit mehreren Wohnungen wurden bezugsfertig (ein Rückgang um 31,6 Prozent). Im Vergleich dazu wurden 88 Einfamilienhäuser fertig (plus 20,5 Prozent). Gleichzeitig geht in der Stadt seit Jahren der Bestand an sozialem Wohnraum für Familien mit Wohnberechtigungsschein spürbar zurück. Zum Stichtag 31. Dezember 2014 waren es 8231 Mietwohnungen, die mit öffentlichen Fördermitteln gebaut wurden und deshalb preisgebunden waren. Gegenüber 2010 ist das ein Rückgang um gut neun Prozent.

Investoren besorgen sich die günstigen Kredite lieber auf dem freien Markt als bei der Kreditanstalt für Wiedraufbau und gehen dafür eine Mietpreisbindung über Jahrzehnte ein. Von den bereitgestellten Wohnungsbaumitteln für 2015 in Höhe von 6,6 Millionen Euro wurden nur noch Bauvorhaben mit einer Fördersumme von insgesamt 5,3 Millionen Euro bewilligt. 2014 waren es sogar nur 2,6 Millionen Euro. Die Folge: Für das Förderjahr 2015 wurden auf diese Weise nur 104 neue Sozialwohnungen beantragt, wesentlich mehr nämlich rund 200 bis 300 Wohnungen im Jahr, fallen aus dem geförderten Markt.

Quelle: RP
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