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Mönchengladbach
Der doppelte Sting

Mönchengladbach: Der doppelte Sting
Weltstar Sting ist in der Stadt ein guter alter Bekannter. Die Fans mögen ihn und seine Musik, und er mag Mönchengladbach. Beim Konzert im Sparkassenpark zeigte Sting, was er alles drauf hat. Vor dem Konzert hatte er er sich im Gästebuch verewigt. FOTO: Knappe/Gruhn
Mönchengladbach. Mehr als 12.000 Fans bejubeln Weltstar Sting. Er bringt seinen singenden Sohn mit. Am Freitag spielte Runrig vor 4.500 Fans. Von Andreas Gruhn

Wenn ein guter Bekannter nach einiger Zeit mal wieder zu Besuch kommt, dann wird erst einmal kontrolliert: Hat er sich verändert? Mehr Bauch, weniger Haar, das aber ergraut? Man kennt das ja. Auf Sting - Auftritte des Weltstars gehören im Sparkassenpark inzwischen beinahe zum Jahreskalender - trifft das alles nicht zu.

Wie der durchtrainierte und asketische Mr. Gordon Sumner da am Samstagabend gegen 21.50 Uhr auf der gigantischen Bühne des Sparkassenparks steht und sein "Rooooxannnnnne" in den Gladbacher Nachthimmel schreit, mit einer kraftvollen Stimme, die jede hohe Tonlage noch immer spielend erreicht, wie er damit die Fans endlich mal zu dezenter Ekstase treibt, das alles deutet darauf hin, dass Zeit für Sting eine sehr untergeordnete Rolle spielt. Er ist mit 66 Jahren jedenfalls nicht halb so abgenutzt wie sein legendärer Bass, den er immer noch mit großer Präzision und Timing spielt. Und er hat jüngst mit "57th & 9th" ein Album vorgelegt, das so frisch klingt wie seine frühen Werke. Andere Rockstars bringen in seinem Alter nicht viel mehr als Fahrstuhlmusik auf Platte.

Sting aber ist jung, was natürlich an seiner Lebensweise liegt. Nach dem Soundcheck genehmigt er sich in seiner speziell eingerichteten Garderobe noch ein Nickerchen und ein paar Yogaübungen. In etwa zwei Stunden wühlt er sich danach auf der Bühne durch seine eigene Musikgeschichte. "Englishman in New York" kommt sehr früh, ungewohnt mit Akkordeon. "Mad about you", "Fields of gold", "Desert Rose" wie auch die neuen Hits "One fine day" und "Can't stop thinking about you" klingen mit der sechsköpfigen Band (in der neben Gitarrist Dominic Miller auch dessen Sohn Rufus spielt) frisch, rau, sie treiben an und gehen nach vorne. Die Songs grooven wie Hölle, und darauf ist alles reduziert. Nur die Band, kein Klimbim drumherum, kein Feuerwerk oder so ein Zinnober. Die Show ist Sting. Und Band. Punkt.

FOTO: Andreas Gruhn

Das Publikum im Sparkassenpark quittiert das lange Zeit sehr höflich mit Applaus. Da sitzen Menschen mit Ferngläsern auf der doch gar nicht so weit entfernten Tribüne, Herren mit Pullovern über den Schultern gegen die Abendkühle, stark geschminkte Damen mit Apricot-Überwurf - es dauert bis in die zweite Hälfte des Konzerts, bis sich die Fans richtig mitreißen lassen von der Energie Stings. Bei den Police-Hits "Message in a bottle", "So lonely", "Roxanne" und "Every breath you take" ist aber Widerstand zwecklos. Von Berufs wegen korrekte Menschen legen Zurückhaltung ab und geben sich den herausragenden Momenten hin, von denen das Konzert doch so viele bietet.

Etwa dann, wenn auch der letzte im Publikum gemerkt hat, dass der Background-Sänger hinten rechts (der auch schon als Support-Act gespielt hat) Stings Sohn Joe Sumner ist. Wie die beiden zusammen an einem Mikrofon "Shape of my heart" singen, das geht auch Hartgesottenen zu Herzen. Da ist jemand von Grund auf zufrieden mit sich und der Welt, und das ist gut so. Sumner jr. singt später noch den David-Bowie-Klassiker "Ashes to Ashes" (er trägt auch ein Bowie-Shirt), und man fragt sich, wie Sting es geschafft hat, seine Stimme eins zu eins zu klonen. Vater und Sohn, aber man könnte sie auch für Brüder halten.

Nach der letzten Zugabe "Fragile", die Sting übrigens nur dann spielt, wenn ihm danach ist, schreitet die Band lässig neben der Bühne den Gang zu den wartenden Limousinen herauf. Die Fans können ihnen dabei noch zuschauen. Noch einmal brandet Jubel auf, und Sting winkt zurück. "Vielen Dank Munchengladbach. Und auf Wiedersehen", hat er vorher gesagt. Ein sehr netter Besuch, der lange nachhallen wird. So lange er zuverlässig kommt, darf die Zeit dazwischen vergehen.

Quelle: RP
 
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