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Aktion Fit für 21
Der Endspurt fiel für die Teilnehmer aus

Aktion Fit für 21: Der Endspurt fiel für die Teilnehmer aus
Das Team von Fit für 21: Die Gruppe stellte sich nach der Absage noch für ein Gruppenfoto zusammen. Ihre gute Laune ließen sie sich nicht vermiesen. FOTO: Hans-Peter Reichartz
Mönchengladbach. In fünf Monaten sind sie Hunderte von Trainingskilometern gelaufen: Der Santander-Marathon sollte für über 100 Teilnehmer der Aktionshöhepunkt werden. Das Projekt haben Rheinische Post, Hockeypark GmbH und NeoMove gemeinsam gestemmt. Von Dieter Weber

Birgit Simon (41) war noch Kind, als sie ihren Vater Manfred Bodens (73) bei Trainingsläufen auf dem Fahrrad begleitete. Und sie war dabei, als er Ende der 80er Jahre den REME-City-Marathon lief. Dieses Mal, so hatten sie es fest vereinbart, sollte es andersherum sein: Sie läuft als Mitglied von "Fit für 21" einen Halbmarathon, ihr Papa ist die Fahrradbegleitung. "Wir freuen uns so. Und wir sind sehr stolz", erzählte sie.

Das war vor dem Santander-Marathon. Jetzt müssen sie ihr Vorhaben verschieben. Doch das gemeinsame Projekt ist nur aufgeschoben, und das lässt das Team Simon/Bodens zuversichtlich in die Laufzukunft blicken: Denn Birgit Simon hat in einer fünfmonatigen Vorbereitung bei der Aktion "Fit für 21" die Grundlagen geschaffen, 21,1 Kilometer jetzt jederzeit laufen zu können: Das kann ihr niemand nehmen. Und das trifft auch auf mehr als 100 weitere Teilnehmer zu, die zwar wegen des abgesagten Santander-Marathons das Projekt nicht so abschließen konnten, wie sie sich das gewünscht hatten: Doch die intensive Trainingsphase hat ihre positiven Auswirkungen. Ben Burchardt (33) hat bilanziert: "856 Kilometer bin ich im Training gelaufen. Davon gefühlt 800 im Regen. Fit für 21 hat trotzdem viel Spaß gemacht."

Leere Strecke statt Gedränge am Start FOTO: Reichartz,Hans-Peter

Die Aktion "Fit für 21" ist das Pendant zum erfolgreichen Laufprojekt "Fit für 10" und läuft nach ähnlichen Grundzügen ab - die Strecke ist jedoch länger, der Trainingsaufwand ist höher, die Betreuung nicht ganz so intensiv, dafür gab es ein Seminar zur Ernährung von Leistungssportler von Dr. Michael Fritz und zwei Testläufe über 15 und 20 Kilometer. Und wie beim Einstiegsprojekt für Laufanfänger entwickelte Fritz das Trainingskonzept und insgesamt vier Trainingspläne für unterschiedliche Bedürfnisse. "Die fünf Monate sind vorbeigelaufen wie im Flug: Unendliche Stunden im Feld, immer mit dabei die Pulsuhr und im Hinterkopf meine maximale Herzfrequenz. Dazu motivierende Rundmails der Betreuer. Das alles hat mich durch die Vorbereitungszeit getragen", sagt Elfriede Rademakers (52).

Susanne Saalfeld (54) gehört zu denjenigen, die mit "Fit für 10" den Einstieg geschafft haben und die dann der Ehrgeiz packte, so dass sie mit ihrem Mann Olaf Neumann (51) den Halbmarathon in Angriff genommen hat. "Vor dem Laufen habe ich gekeucht, wenn ich Treppen hochgegangen war. Das macht mir nichts mehr aus. Mit Fit für 21 verbinde ich viel Disziplin, um die Trainingsvorgaben einzuhalten." Da die Teilnehmer weitgehend autodidaktisch ihr Trainingsprogramm abspulten, gab es zwei Testläufe, um den Leistungsstand abzurufen. Der letzte im Volksgarten über 20 Kilometer kam dann schon ganz nah an die Enddistanz heran. Dabei erhielten die "21er" von Michael Fritz klare Vorgaben zu den Herzfrequenzwerten in bestimmten Kilometerabschnitten. "Das war für mich eine rundweg positive Erfahrung mit dem angebotenen Hintergrundwissen, der lockeren, aber engagierten Betreuung und dem ausgeklügelten Trainingsplan. Es ist verblüffend, wie die Strategie aufgeht und ich tatsächlich ohne gesundheitliche Probleme diese für mich lange Strecke bewältigen kann", bewertet Edith Prömpers (59) diese Zeit.

Reaktionen der Läufer auf die Absage FOTO: Andreas Gruhn

Und sogar alte Laufhasen fanden über die Aktion wieder einen neuen Zugang zum Trainingsinhalt. Günter Wierum gehört dazu, ein 74-Jähriger, der schon mehr als 80 Marathonläufe in seinem Leben gemacht hat. Die Halbdistanz beim Santander-Marathon sollte sein letzter Wettkampf sein, den er sogar angegangen wäre, obwohl ihn vor zwei Wochen ein Muskelfaserriss außer Gefecht gesetzt hat. "Ich wäre auf jeden Fall gestartet und dann, wenn's nicht funktioniert hätte, irgendwann auf der Strecke ausgestiegen", sagte er. Betreut habe er sich gefühlt wie in seinen besten Sportzeiten, der Trainingsplan sei "hervorragend", die Vorbereitung habe ihm viel Spaß gemacht.

Wierum hat über "Fit für 21" wieder zu einem strukturierten Training gefunden. Und er war dabei nicht der Einzige. "Zum ersten Mal im Leben habe ich Training nach Plan gemacht. Das war ungewohnt. Aber es war erfolgreich, ansteckend und hoffentlich nachhaltig", sagt Jörg Langner (49). Mit dieser Bewertung steht er in der Gesamtgruppe nicht alleine da: "Ich bin endlich von dem stupiden ohne Plan durch den Wald rennen zu einem organisierten Training gekommen. So hab ich wieder Spaß am Laufen gefunden", sagt Tobias Heyn (41). Brigitte Eßer (52) bringt die Vorbereitungszeit auf die Kurzformel: "Fit für 21 heißt für mich: Fit für 21 Trainingswochen, fit für 21 Schmerzformen, fit für 21 und mehr Mitläufer, fit für 21 seitenlange E-Mails, fit für 21 Wetterkapriolen, fit für 21 Flüche, fit für 21 Glücksmomente."

Halbmarathon in Mönchengladbach: Die Strecke im Zeitraffer

Nur fit für "21 km in Mönchengladbach" - das fiel aus. Leider.

Quelle: RP
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