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Serie Was Macht Eigentlich?
Der "Erfinder" der Eickener Grabeskirche

Mönchengladbach. Wolfgang Bußler, gebürtiger Rheindahlener, ist einer der Stillen, die stets zuverlässig ihre Arbeit tun, für die Kirche und die Menschen, ohne groß darüber zu reden. 40 Jahre war er Pfarrer, 29 davon in Mönchengladbach. Auch mit 70 ist er immer noch als Pfarrvikar aktiv. Von O. E. Schütz

In die große Welt hat es ihn nicht hinaus gezogen. Wolfgang Bußler ist ein sehr bodenständiger Mensch. Sein Leben als Kind und Jugendlicher spielte sich fast nur in Rheindahlen ab. In und um die Pfarre St. Helena, wo er früh Messdiener wurde, sich in der kirchlichen Jugendarbeit engagierte und schon mit 17 wusste, was er werden wollte: nicht selbstständiger Maler und Anstreicher wie der Vater, sondern Priester.

Da waren die Jahre am Stiftischen Humanistischen Gymnasium im eine halbstündige Straßenbahnfahrt entfernten Gladbach, wohin es ihn gleich nach Schulschluss wieder zog. Dann kam das Theologie-Studium in Bonn und Aachen mit, immerhin, drei Freisemestern in München, kamen die ersten Jahre als Priester in Krefeld und dann in der Eifel, wo er ein anderes, sehr dörfliches Leben kennenlernen wollte. Das waren die Erfahrungen, nach denen es ihn zurück in die Heimatstadt zog. Zusammen mit vier anderen Priestern, die sich beim Studium kennengelernt hatten und über Jahrzehnte eine Weggemeinschaft bis in die Eifel mit ihren sehr kleinen Gemeinden und dann heim nach Mönchengladbach bildeten: Max Wolters, Manfred Engels, Philipp Cuck und vor allem Dr. Albert Damblon, mit dem er bis vor zwei Jahren eng zusammengearbeitet hat.

Seit 1984 ist Wolfgang Bußler zurück in seiner Heimatstadt. Volle 19 Jahre war er Pfarrer in Neuwerk. "Besonders stolz bin ich, dass wir dort die Kirche neu gestaltet haben mit ihrem von Thomas Virnich entworfenen Altar und der neuen Orgel von Martin Scholz", sagt er. Danach kamen 2003 die beiden Eickener Pfarren, die Gemeinschaft der Gemeinden in der Innenstadt, die ab 2010 fusioniert wurden zur großen Pfarre St. Vitus, mit Albert Damblon, Pater Wolfgang Thome und Bußler als "Pfarrer in solidum". Seit 2013 ist Wolfgang Bußler im Ruhestand - der aber keiner ist. Denn er ist als Pfarrvikar der Gemeinde St. Vitus immer noch aktiv, mit Schwerpunkt in den Eickener Gemeinden St. Maria Rosenkranz und St. Elisabeth.

In St. Elisabeth findet man, wenn man sich nicht allein mit den von Wolfgang Bußler in seiner sehr zurückhaltenden Art "freiwillig" preisgegebenen Informationen begnügt, eine der nachhaltigen Spuren seiner Arbeit. 2008 drohte der in den 30er Jahren gebauten Kirche an der Ecke Eickener- und Bergstraße das Aus, wenn nicht gar der Abriss. Angesichts der in den vorangegangenen 20 Jahren halbierten Zahl der Gemeindemitglieder und der Fusionspläne des Bistums für die Innenstadt-Gemeinden St. Albertus, St. Elisabeth, St. Mariä Himmelfahrt, St. Barbara und St. Mariä Rosenkranz war klar: Es würde kein Platz für fünf Pfarrkirchen bleiben. Und St. Elisabeth stand oben auf der Liste der Gotteshäuser, die "geopfert" werden müssten: Als Pfarrkirche hätte es keine Zukunft gehabt.

"Wir müssen uns intensive Gedanken über die zukünftige Nutzung unserer Kirchen machen", sagte Wolfgang Bußler, Vorstandsmitglied des Vereins für christliche Kunst im Erzbistum Köln und im Bistum Aachen. Seine Gedanken mündeten in der Idee, St. Elisabeth nach dem Vorbild der Kirche St. Josef in Aachen zur Grabeskirche zu machen und so der Gemeinde zu erhalten. Bußler kämpfte dafür, führte Verhandlungen mit dem Bistum und der Stadt. Und am 1. November 2009 wurde die Grabeskirche eröffnet. Ein vom Architekten Dr. Burkhard Schrammen gestalteter, sehr heller und moderner Kirchenraum, der für 1624 Tote gedacht war, mittlerweile erweitert und bereits wieder weitgehend belegt ist. Wolfgang Bußler kümmert sich bis heute um die Konzepte der Grabeskirche, die ihren Unterhalt selbst erwirtschaftet, also nicht zur Belastung für die Kirche wird. Aber er sieht seine Aufgabe auch in der Seelsorge für die Hinterbliebenen der Verstorbenen.

Der 70-Jährige tut seit 2013 weiter das, was er sein Priesterleben lang gemacht hat, "nun auf etwas kleinerer Flamme und ohne Verantwortung": Er hält am Wochenende in den Kirchen von St. Vitus zwei Messen, ist bei Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen dabei, besucht Altenheime, begleitet kranke Menschen. Wenn nötig, springt er darüber hinaus ein. Er ist im Vorstand des Kirchenbauvereins St. Maria Rosenkranz. "Wir sind sehr froh, dass er immer noch da und bei uns in der Seelsorge aktiv ist", sagt Gemeindereferent Wolfgang Mahn. Er arbeitet seit zehn Jahren mit Bußler zusammen und hat ihn sehr schätzen gelernt: als Mann, dem es auch darum geht, "das Gemeindeleben lebendig zu halten". Ihm sei zu verdanken, dass die einzelnen Gemeinden in der Großpfarre St. Vitus sich ein gewisses Eigenleben erhalten haben.

Es ist aber vor allem Bußlers Umgang mit Menschen, der Mahn fasziniert: "Er ist sehr aufmerksam, sehr einfühlsam, hört zu, ohne den Menschen irgendwo einzuordnen. Er nimmt jeden so, wie er ist." Dazu gehört dann auch sein schon zwei Jahrzehnte währendes Engagement im Vorstand der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Mönchengladbach.

Quelle: RP
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