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Mönchengladbach
Der erste Gladbacher beim Bundesgerichtshof

Mönchengladbach: Der erste Gladbacher beim Bundesgerichtshof
Der Mönchengladbacher Klaus Joachim Hartung ist Anwalt beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe, bleibt aber in seiner Heimat wohnen. FOTO: Jörg Knappe
Mönchengladbach. Von den über 160 000 deutschen Anwälten sind genau 46 für das höchste deutsche Gericht in Karlsruhe zugelassen. Klaus Joachim Hartung ist der erste Gladbacher, dem diese Ehre jemals zuteil wurde. Von Ralf Jüngermann

Die karmesinrote Robe ist vermessen, in diesen Tagen kann Klaus Joachim Hartung sie abholen. Egal ob Richter oder Anwalt beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe: Die Roben sind dieselben - und stammen aus derselben Schneiderei. Die telegene Robe ist das äußere Zeichen dafür, dass der Träger ein ganz besonderes Amt innehat. Wohl wahr! Klaus Joachim Hartung ist jetzt der einzige Mönchengladbacher, dessen Tätigkeit bis in die Kleinigkeiten in einem Bundesgesetz geregelt ist. Drei Jahre dauerte das komplexe Auswahlverfahren. Seit dem 22. Januar ist Hartung nun offiziell einer von 46 Anwälten, die beim Bundesgerichtshof zugelassen sind. Seit 1879 gibt es Anwälte, die die Interessen ihrer Mandanten in Zivilfragen vor der höchsten deutschen Gerichtsbarkeit vertreten - ein Mönchengladbacher war in den vergangenen 136 Jahren nicht darunter. Bis jetzt.

Wie nimmt man eine solche Nachricht auf? "Ich habe mich unheimlich gefreut. Und ich freue mich eigentlich immer noch genau so." Der 53-jährige Hartung ist Experte für Bank- und Kapitalmarktrecht und damit ab sofort schwerpunktmäßig beim XI. Zivilsenat des BGH tätig. Es ist einer der Senate, die mit die meisten Fälle zu bearbeiten haben. Darunter waren in den vergangenen Jahren immer wieder solche von immenser Tragweite. Karlsruhe erklärte etwa im vergangenen Jahr die Bearbeitungsgebühr von Banken für Kredite für unrechtmäßig, was die Banken nach Schätzung von Experten eine zweistellige Milliardensumme kostete.

Hartung, der bisher seine Kanzlei an der Gladbacher Humboldtstraße hatte, wechselt mehr als Schreibtisch und Robe. Sein Arbeitsfeld ändert sich grundlegend. Anwälte beim Bundesgerichtshof stehen in der Mitte zwischen Theorie und Praxis. Denn es geht, rein rechtlich gesehen, um die letzten Dinge. Wer diesen Job machen will, muss mindestens so sehr am großen Ganzen, an dem Geflecht der Paragrafen, aus denen Recht wird, interessiert sein, wie am Einzelfall. Und das bedeutet: Hartungs Tag besteht viel mehr aus dem Studium von Akten und Datenbanken als aus Gesprächen mit Mandanten.

Wer den Bundesgerichtshof anruft, kann ausschließlich mit Rechtsfehlern argumentieren. Der Fall als solcher wird nicht neu aufgerollt. "Es geht nicht darum, zum Beispiel ein Gutachten neu zu bewerten. Das eigentliche Verfahren ist nach den zwei Instanzen abgeschlossen, auch wenn mancher Mandant das anders erwartet", sagt Hartung. Bis der Fall vor dem BGH tatsächlich verhandelt wird, vergeht mindestens ein Jahr, manchmal deutlich länger.

Hartungs Weg in den Anwaltsberuf war nicht ganz so gradlinig, wie sein Familienumfeld vermuten lässt: Sein Vater und sein Bruder sind Anwälte. Seine Frau ist Richterin am Düsseldorfer Oberlandesgericht. Sein erster Sohn schließt gerade sein Jura-Studium ab, sein zweiter überlegt nach dem Abitur, Jura zu studieren. Hartung also = Jura? Ja. Aber neben seinem Jurastudium fing Klaus Joachim Hartung ein Astronomiestudium an, "weil mich das so fasziniert hat", das er erst nach dem Grundstudium abbrach.

Die Familie seiner Frau lebt vor den Toren Karlsruhes, Hartung schätzt Region und Menschenschlag. Sein Hauptwohnsitz aber bleibt Mönchengladbach. "Das ist meine Heimat. Hier bin ich aufgewachsen, und hier lebe ich voller Überzeugung", sagt er. Seinen Lokalpatriotismus will er nun im Badischen offensiv vertreten. "Spätestens, wenn man von Fußball anfängt, können die nicht mithalten."

Quelle: RP
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