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Mensch Gladbach
Der Friedensengel freut sich

Mönchengladbach. Man muss sein Glück teilen, um es zu multiplizieren, hat die kluge Marie von Ebner-Eschenbach einst geschrieben. Ich leg' mal vor: Also ich finde, wir haben diese Woche mal wieder unverschämtes Glück gehabt. Details lesen Sie hier in unserer kleinen Work-Lifestyle- Balance-Ingwertee- Kolumne.

Mit so durschlagendem Erfolg hatte ich nun wirklich nicht zu rechnen gewagt. Kaum habe ich mich Karneval als Friedensengel verkleidet, reden die Vertreter des Arbeitslosenzentrums und der SPD wieder miteinander. (Wenn auch ergebnislos). Kämmerer Bernd Kuckels findet es richtig, dass man ihm einen Bereich wegnimmt. (Was soll er auch sagen bei dem Parteibuch?) Und Uli Hoeneß darf in Gladbach resozialisieren (Echte Fründe sind im Rheinland auch außerhalb des Karnevals eben was ganz anderes als bayerische Amigos). Kurz und gut: So viel Frieden und Glück allüberall, dass ich mir erst mal einen Ingwertee aufbrühe, der ja auch gut gegen die Erkältung nach dem Karnevalszug ist.

Beim Karneval haben wir ja auch richtig Glück gehabt. Also ich meine nicht nur, weil das Wetter Bernd Gothe gezwungen hat, die vermeintliche Besucherzahl nicht weiter ins Unendliche zu potenzieren. Sondern, weil alle alles richtig gemacht haben. Gibt es auch nur die leisesten Zweifel an der Sicherheit eines Karnevalszuges, muss man ihn absagen. Das gibt zwar allen Verschwörungstheoretikern Rückenwind, die immer alles besser wissen. Also hinterher. Wenn die Sonne scheint. Die aber auch nie in ihrem Leben ein Fitzelchen Verantwortung übernehmen müssen für die Kasse der Karnevalsgesellschaft und für Leib und Leben von Besuchern. Gottlob. Ich habe 100 Prozent Respekt und 0 Prozent Häme für all jene, die schwersten Herzens ihre Umzüge canceln mussten. Und freue mich, dass unser großer Zug nicht mitten in der Fastenzeit, Ostermontag oder in den Sommerferien auf die Strecke gehen muss.

Richtig Glück haben wir ja auch gehabt, dass die Gutachter des Verkehrsbundes mal schwer wissenschaftlich untersucht haben, wie es um die acht Bahnhöfe aus unserem Stadtgebiet bestellt ist. Auf denen könnte man, wie jeder Bahnfahrer weiß, wunderbar einen 60er-Jahre-Kalter-Krieg-Spionagefilm drehen - weil die haargenau so aussehen wie damals. Außer natürlich die Graffiti; die werden ständig frisch nachgelegt. Nun haben wir es schwarz auf weiß, was nicht nur ein Glück für die Gutachter, sondern auch für uns ist. Wir freuen uns jetzt schon auf die Studien zu den Themen: Steht Haus Westland wirklich leer? Ist das Münster eine Kirche? Und wird im Rheinland Karneval gefeiert? Übrigens: Wie sehr Karnevalisten und demnächst wieder Schützen Kitt für unsere Gesellschaft liefern, konnte man am Dienstag am Zugesrand mal wieder sehen. Es ist ein echtes Glück für unsere Stadt, dass wir noch Menschen haben, sie sich darum kümmern. Ehrenamtlich!

Bereichernd ist ja auch, dass unsere geografische Lage uns immer gleichzeitig Politikunterricht frei Haus liefert. Wir Deutschen halten uns ja gerne für den Mittelpunkt der Welt. Aber nur, weil wir Atomkraft doof finden, sieht der Rest der Welt das noch lange nicht so. Sicherheit kennt keine Landesgrenzen.

Ist das nicht eine glückliche Fügung, dass der Rechtsausleger Dominik Roeseler mal wieder hetzt, diesmal gegen die Tochter eines Musikers einer bekannten Karnevalsband? Kann wenigstens hinterher keiner sagen, er hätte es nicht gewusst.

Ich glaube, ich lege das Friedensengel-Kostüm vorsichtshalber mal nicht zu weit weg.

Quelle: RP
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