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Mönchengladbach
Der Gladbacher, der auszog, um einen Weltkonzern zu gründen

Mönchengladbach: Der Gladbacher, der auszog, um einen Weltkonzern zu gründen
Rolf Schrömgens (40) im "Sky Office", einem von drei Bürotürmen im Düsseldorfer Stadtteil Golzheim, über die sich Trivago derzeit noch verteilt. Im kommenden Frühjahr soll die neue Zentrale im Medienhafen fertig sein. FOTO: Andreas Endermann
Mönchengladbach. Seine Eltern führten die Traditionsgaststätte Haus Baues, Rolf Schrömgens (40) ist einer der digitalen Vordenker in Deutschland: Er programmierte die Hotel-Suchmaschine Trivago und baute sie zur Vorzeigefirma aus. Von Jan Schnettler

Vor einigen Wochen war Rolf Schrömgens zum ersten Mal im Minto. "Vorher war ich zwei Stunden erfolglos durch die Stadt gefahren, um ein Hähnchen zu kaufen" , erzählt der 40-Jährige. "Meine Mutter wollte kochen." Im Shopping-Center an der Hindenburgstraße wurde er schließlich fündig, erstand das buchstäblich letzte gerupfte Federvieh. "Ich wusste gar nicht, dass man so etwas Großes auf so wenig Platz unterbringen kann", urteilt Schrömgens über das Minto. Er sei ziemlich beeindruckt gewesen.

In seiner Heimatstadt ist der Mann, der mit der Traditionsgaststätte Haus Baues aufwuchs, die seine Eltern Anne und Winfried bis vor einigen Jahren an der Bleichgrabenstraße führten, meist nur noch privat - etwa, um seine Mutter zu besuchen (der Vater ist verstorben) oder zu Borussia zu gehen, für die sein Fußballherz schlägt. Er hat schließlich einen Weltkonzern zu führen, der 2017 seine erste Umsatz-Milliarde knacken will und seit Dezember an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq notiert ist - Schrömgens ist einer von drei Gründern der Hotel-Suchmaschine Trivago. Ausgetüftelt wurde das Studenten-Start-up 2005 in Düsseldorf, dort hat die Tochterfirma des US-Riesen Expedia auch heute noch ihren Sitz - und baut sich im Medienhafen der Landeshauptstadt derzeit eine neue Zentrale für am Ende bis zu 3800 Mitarbeiter. Aktuell sind es bereits mehr als 1200, 80 Prozent davon stammen aus dem Ausland, der Altersschnitt liegt bei 28 Jahren. Keine Frage: Neben Zalando ist Trivago die deutsche Vorzeige-Firma schlechthin, wenn es um junge Tech-Unternehmen geht. Davon war noch nicht auszugehen, als Schrömgens 1995 sein Abitur an der Marienschule machte. "Ich war ein guter Schüler, aber sicher kein Überflieger - genauso wie später im Studium", erinnert er sich. In seinem Abiturjahrgang war unter anderem auch Boris Wolkowski von den Grünen. "Den sehe ich gerade wieder regelmäßig - auf Wahlplakaten", sagt Schrömgens. Wolkowski kandidiert im Gladbacher Norden für den Landtag.

Nach der Bundeswehrzeit beim damaligen Gladbacher Heeres-Unterstützungskommando zog es Schrömgens in die Ferne, zunächst zum Studium nach Essen, später zur HHL Leipzig Graduate School of Management. Ob er registriere, dass sich seine Heimatstadt anstrengt, sich in Sachen eCommerce und Digitalisierung auf der Landkarte zu platzieren? "Ehrlich gesagt nicht", gibt Schrömgens zu. Auch Düsseldorf sei diesbezüglich aber keine Weltstadt, die nächstgelegene sei Berlin. Und selbst das stehe hinter den Möglichkeiten, die die USA nicht zuletzt mit dem Silicon Valley böten, noch deutlich zurück. Trotzdem habe man nie ernsthaft darüber nachgedacht, die Region zu verlassen - schließlich biete sie auch viele Vorteile und Lebensqualität.

Schrömgens ist ein digitaler Vordenker, der sagt, dass er den Begriff "Digitalisierung von Unternehmen" hasst. Lediglich viele Informationen in bestehende Systeme zu packen, sei heutzutage nicht mehr ausreichend - auf die Kultur komme es an. Bei Trivago bedeute das etwa, den Mitarbeitern die bestmöglichen Arbeitsbedingungen zur Verfügung zu stellen. "Das ist es, was ein Unternehmen am Ende schnell oder langsam macht", sagt er. Er glaube auch nicht an Wandel oder Transformation, sondern an Disruption, vollständige Verdrängung - dadurch würden auch die Lebenszyklen von Unternehmen immer kürzer.

Ein Interview mit Rolf Schrömgens lesen Sie in der Wirtschaft.

Quelle: RP
 
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