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Serie Was Macht Eigentlich?
Der große Knall im tiefschwarzen Wahlkreis

Es war ein politisches Erdbeben, jedenfalls für Mönchengladbach: 1985 holte erstmals nicht die CDU, sondern die SPD den Landtags-Wahlkreis 54, MG I. 48,8 Prozent der Stimmen fielen auf Hermann Jansen, 38,3 Prozent auf Amtsinhaber Bernhard Spellerberg. Gut zehn Prozent Vorsprung in einem traditionell tiefschwarzen Wahlbezirk - davon hatte niemand in der SPD zu träumen gewagt, als sie Hermann Jansen nominierte. Zweimal wurde er wiedergewählt, vertrat Mönchengladbach 15 Jahre im Landesparlament, bis er 2000 nicht mehr kandidierte: "Jetzt müssen mal Jüngere ran."

Hermann Jansen hat nie vergessen, wo er herkommt: aufgewachsen in Giesenkichen, Am Blaffert, als Sohn eines Drehers. Mutter Emilie stammte aus dem Elsass. Die Männer ihrer Familie kämpften im Krieg für die Franzosen, ihr älterer Sohn für Deutschland, er fiel 1943. Ihr Mann bekam mit den Nationalsozialisten mehr und mehr Probleme. Hermann musste zwar wie alle in die Hitlerjugend, trug aber nie deren Uniform. "Ich bin deswegen auf dem Schulhof verprügelt worden", erzählt der 85-Jährige.

Er hat in Giesenkirchen Bombennächte miterlebt: "Zu unserem Glück waren vor allem die Fabriken und die Innenstadt meist das Ziel." Nach dem Krieg ist er durch Trümmerfelder zur Hauptstraße gestapft, wo er bei Theodor Müller seine Lehre zum Anstreicher und Maler machte, wechselte 1951 zum Textilmaschinen-Hersteller Trützschler. Hermann Jansen hat sich hochgearbeitet, mit Fleiß und Engagement für die Kollegen, Fortbildungen der IG Metall besucht und später selbst Fortbildungskurse geleitet.

Seit 1974 wohnen Hermann Jansen und seine Frau Helga in Geistenbeck. In einem Haus, bei dessen Bau er selbst kräftig Hand angelegt hat. Die Einrichtung ist klar, aber gemütlich. An den Wänden hängen Bilder ihres Sohnes Jürgen (56 Jahre), der zur Hälfte Lehrer, zur Hälfte Künstler ist und gerade eine Ausstellung in New York hat. Die Familie war immer ganz wichtig für Helga und Hermann, die seit 58 Jahren verheiratet sind. "Helga ist meinen Weg immer mitgegangen, hat geholfen, wo sie konnte", sagt er.

Hermann war und ist ein Kämpfer, für seine Ziele und für sich. Er hat den Lungenkrebs überstanden, mit 40 einen Herzinfarkt. Als Junge hat er beim SV Dohr Fußball gespielt, beim TV Giesenkichen geturnt. Dann kam der Krieg, ließen Lehre, Beruf und Ämter keine Zeit für Sport. Heute geht er regelmäßig in ein Fitnessstudio, trainiert unter fachkundiger Anleitung: "Das tut mir wirklich gut." So haben seine Frau und er weitere Ziele: die Diamanthochzeit in zwei Jahren, 2017 ihren 79. Geburtstag, 2021 seinen 90. Und vielleicht gibt es ja auch noch mit Borussia etwas zu feiern ...

(oes)
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