| 00.00 Uhr

Mönchengladbach
Der Gürtel-Revoluzzer aus dem Nordpark

Mönchengladbach: Der Gürtel-Revoluzzer aus dem Nordpark
Ein Gürtel für Bruce Springsteen und seine Crew, einer für Borussen-Fans: Marcel Klinge im Showroom seines Unternehmens an der Madrider Straße. FOTO: Hans-Peter Reichartz
Mönchengladbach. Die Firma von Marcel Klinge entwirft und produziert Accessoires für Kunden wie BMW, Borussia, Swarovski - und sogar Bruce Springsteen. In Kürze will der 33-Jährige den Markt mit einer eigenen, hochwertigen Gürtelmarke aufrollen. Von Jan Schnettler

Füller? - Montblanc. Pelikan und Lamy in allen Ehren, doch wer an hochwertige Füllfederhalter denkt, dem kommt automatisch dieser Markenname in den Sinn - eine ähnlich eingängige Gleichung wie "Brille? - Ray-Ban". Der Mönchengladbacher Marcel Klinge will diese Gleichung für ein anderes Produkt besetzen. "Mein Ziel ist es, dass die Leute in fünf Jahren sagen: Gürtel? - Carisco", sagt der 33-Jährige. Mit dieser neuen Marke wird er in Kürze an den Start gehen, vom Nordpark aus. Und er plant nichts Geringeres, als den Markt für Herren-Accessoires völlig zu revolutionieren.

Bisher, sagt Klinge, seien Gürtel Nebenprodukte, die man beim Hosenkauf im Vorbeigehen mitnehme - und oft bis zum Verschleiß trage, ohne groß darüber nachzudenken. "Dabei ist es doch so, dass Männer sich gerade im Geschäftsumfeld nur über drei Dinge optisch absetzen können: Armbänder, Armbanduhren und Gürtel." Hochwertige Marken für Männer-Accessoires gebe es in Deutschland, anders als in Italien oder Frankreich, kaum; die wenigen, die es gibt, beliefere man bereits. Und selbst renommierte Modefirmen wie Van Laack, Alberto oder Gardeur kauften Accessoires zu, um die Hauptprodukte damit zu flankieren. Klinge weiß das genau, denn er beliefert all diese Firmen - mit seiner Klinge GmbH, zu der spätestens zum Jahreswechsel nun die Eigenmarke hinzukommen soll. Carisco - der Name ist abgeleitet vom magischen Gürtel "charis" der Aphrodite - soll den Männergürtel zu einem eigenständigen Produkt mit, ja, Charisma machen. Riemen (aus Rindsleder, in Italien produziert) und Schließen (aus Messing oder Edelstahl, in Südkorea gefertigt - teurer übrigens als in Europa, sagt Klinge, weil die Qualität dort am höchsten sei) werden dabei als separate Elemente betrachtet, die man mit wenigen Griffen beliebig auseinandernehmen und für unterschiedliche Anlässe neu miteinander kombinieren kann.

Es gibt ein "automatisches" Schließsystem ohne Löcher, stattdessen kann man die Schließe millimetergenau verstellen - "mal eben nach dem Essen unauffällig einen Millimeter weiter", lacht Klinge. Das System, das vom südkoreanischen Hersteller entwickelt wurde, werde bei Gardeur-Gürteln schon erfolgreich eingesetzt. Klinge will ferner einen simplen, nicht überfrachteten Online-Konfigurator anbieten - und allen, die ihre Bundweite nicht kennen, die Einheitslänge von 1,20 Meter zuschicken, die man dann bedarfsgerecht zuschneidet. Fehlkäufe seien so ausgeschlossen. "Made in Italy - Designed in Germany" sollen alle Carisco-Gürtel sein, in vier Farben verfügbar sein und zwischen 49 und 69 Euro kosten.

Seit 2015 sitzt Klinge mit der seit 1983 bestehenden Klinge GmbH an der Madrider Straße im Nordpark - im "M2", das er selbst bauen ließ (siehe Zweitstück), mit integriertem Lager. Seine Eltern gründeten die Firma mehr oder weniger als Metallimport, starteten mit Artikeln wie Schlüsselanhängern. Gürtel kamen erst später hinzu. Lange wurde aus einem Wohnhaus in Hockstein heraus gearbeitet. Seit 2008 ist der Sohn mit in der Firma, seit 2012 Geschäftsführer und Inhaber. Noch sieht das Geschäft so aus: Entweder fährt Klinge, der bisher lediglich drei weitere Mitarbeiter mit im Boot hat, mit Musterkollektionen zu Kunden oder Interessenten, oder es werden zusammen mit diesen gezielt Produkte entwickelt. Künftig will Klinge seinen Showroom im Nordpark regelmäßig aber für den Verkauf an Endkunden öffnen. Gürtel werden dort schon alleine ganz anders präsentiert als anderswo, indem sie horizontal gehängt werden.

Die Produktpalette, die dort gezeigt wird, und vor allem die Liste der Kunden, für die Klinge arbeitet, kann man nur imposant nennen. Schlüsselanhänger und Feuerzeuge für Mercedes und Swarovski liegen da aus, Schließen für Givenchy, Dupont und die Uhrenmarken Bovet 1822 und Patek Philippe; BMW zählt zu den Abnehmern, für Supermarktketten gibt es immer mal Promotion-Produkte wie Einkaufswagen-Chips, Designer Guido Maria Kretschmer ist ein regelmäßiger Kooperationspartner. Seit Neuestem auch Borussia - die Gürtel im Rauten-Look müssen quasi nur über die Straße in den Fanshop getragen werden. Spezielles Highlight für den 33-Jährigen: Auch die Gürtel, die Bruce Springsteen und seine Band auf ihrer aktuellen "The River Live"-Tour tragen, stammen von ihm.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Mönchengladbach: Der Gürtel-Revoluzzer aus dem Nordpark


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.