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Mönchengladbach
Der "Heiße Draht" kegelt seit 50 Jahren

Mönchengladbach: Der "Heiße Draht" kegelt seit 50 Jahren
Die Mitglieder des Kegelclubs "Heißer Draht" auf der Kegelbahn der Bietrich-Klause. FOTO: Ilgner
Mönchengladbach. Entstanden ist der Club aus einer Jugendgruppe der katholischen Gemeinschaft Hermges. Alle 14 Tage trifft man sich. Von Nina Jedrychowski

Über 1200 Zusammentreffen, 22 Clubmitglieder und unzählige Geschichten, die man gemeinsam erlebt hat: Dies beschreibt den Mönchengladbacher Kegelclub "Heißer Draht", der nun in der Kneipe Dieterich-Klause sein 50. Jubiläum feierte, nur grob.

Am 23. Juni 1967 begann die Geschichte des Kegelclubs. Elf Führungskräfte der Jugendgruppe der katholischen Gemeinschaft aus Hermges kamen zum ersten Kegelabend zusammen. Im Laufe eines halben Jahrhunderts verdoppelte sich die Mitgliederzahl auf 22. Heute treffen sich immer noch elf aktive Spieler alle 14 Tage auf der Kegelbahn im Mönchengladbacher Sportverein 1848.

Zum goldenen Jubiläum kamen 17 Clubmitglieder in derselben Kneipe, die zeitgleich mit dem Kegelclub 1967 eröffnet wurde, im Keller zusammen. Manche von ihnen haben sich rund 40 Jahre lang nicht mehr gesehen. "Es ist wie ein Klassentreffen nach langer Zeit", sagt Heinz-Josef Claßen, Präsident der Kegelclubs "Heißer Draht".

Es werden Geschichten aus vergangenen Zeiten ausgetauscht und über manch ein Missgeschick herzlichst gelacht - so wie über die Namensgründung des Clubs. Bis 1966 war "Bobby" van der Berg Kaplan in der Gemeinde in Hermges. Zu dieser Zeit waren elf Jugendliche fertig mit der Jugendarbeit in der Gemeinde, und wollten den Kontakt untereinander nicht abbrechen. Sie gründeten einen Kegelclub. Doch als Bobby die Gruppe verließ und nach Aachen ging, merkten die Führungspersonen der ehemaligen Jugendgruppe schnell: "Uns fehlt etwas". Der heiße Draht zwischen den Jugendgruppenführern und dem rebellischen Bobby blieb bestehen, und gab dem Club seinen Namen. "Ich bin zwar der Grund für den Clubnamen, doch mitgekegelt habe ich nie", sagt Bobby van der Berg bei der Jubiläumsfeier des "Heißen Drahts".

Die ehemaligen rebellischen Jugendlichen wurden zu einer Gruppe, in der jedes neues Mitglied willkommen ist - so auch Doris und Peter Daniels. Sie wurden von einem der Kegelspieler im Kleingartenverein angeworben. "Zunächst waren wir Lückenbüßer, wenn ein Spieler der Elf ausfiel", sagt Doris Daniels. Aus den Lückenbüßern wurden feste Mitglieder. Nun ist das Ehepaar schon seit 25 Jahren ein Teil des Kegelclubs.

Aus den einstigen Sportkeglern wurden Freunde, die sich nicht nur beim Kegeltreff sehen, sondern auch an Geburtstagen, Silvester oder Weihnachten, Hochzeiten und Taufen. "Die meisten habe ich getraut. Deren Kinder getauft und auch manch ein Enkelkind habe ich schon getauft", sagt van der Berg. Bis vor zwei Jahren trafen sich alle Mitglieder in der Weihnachtszeit zum Fünf-Gänge-Weihnachtsessen. "Es war das Highlight des Jahres", sagt Claßen. Auch die alljährlichen Kegeltouren gehören zur Jahresplanung des Mönchengladbacher Clubs. Ob an die Mosel, eine Wanderung in Gerolstein zum bekannten Brunnen oder eine Fahrt mit der Postkutsche in der Eifel, überall entstanden Erinnerungen und Geschichten, über die auch heute nach 50 Jahren laut gelacht wird. Zum Jubiläum fuhren die Clubmitglieder dieses Jahr für fünf Tage nach München. Damit ist es in diesem Jahr aber noch nicht genug: "Im Juli machen wir eine weitere Radtour in die Eifel", sagt Heinz-Josef Claßen.

In der Eifel waren die Kegler schon öfters - auch mit dem Rad. "Wir sind einst nach der Radtour in ein nobles Restaurant gegangen. Nur das mit der Kleidung haben wir nicht ganz durchdacht. Während die anderen Gäste in edlen Outfits speisten, hatten wir unsere Fahrradkleidung an", erzählt Ingeborg Coenin. Sie gehört zu den heute noch sieben übriggebliebenen Gründungsmitgliedern des "Heißen Drahts", und weiß: "Es gab auch Krisenzeiten, die wir überstehen mussten. Doch wir haben uns immer wieder zusammengerauft."

Wenn man an andere Vereine und Clubs denkt, fragt man sich: Wie kommt es, dass dieser Kegelclub auch nach einem halben Jahrhundert noch besteht, während die meisten Vereine heutzutage sich auflösen. Für Bobby van der Berg ist die Antwort klar: "Es ist der Zusammenhalt. Die Personen, die heute hier sitzen, wurden zu Menschen, die einander festhalten." Aus einer einfachen Idee zum Kegeln entstand innerhalb von 50 Jahren eine enorm starke Gemeinschaft und noch stärkere Freundschaften.

Quelle: RP
 
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