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Serie Was Macht Eigentlich?
Der jahrelange Kampf um die Firma

Es war mit 176 Jahren das älteste Familienunternehmen der Stadt: Wilh. Beines Söhne GmbH Co. KG. Ende Oktober 2010 stellte die 1934 als Wollwäscherei gegründete Firma an der oberen Bachstraße, die sich auf Färben, Bedrucken und Veredeln von Stoffen Damen-Oberbekleidung (DOB) spezialisiert hatte, für immer ihre Produktion ein. 46 Mitarbeiter verloren ihren Arbeitsplatz.

Auch für deren Arbeitsplätze hatten Dieter und Horst Beines, die beiden Gesellschafter und Geschäftsführer, vier Jahre lang und bis zuletzt gekämpft, zunächst auch erfolgreich. Sie waren noch zwei Wochen vor der Insolvenz im September mit dem Insolvenzverwalter zuversichtlich gewesen, dass ein niederländischer Investor aus dem Kundenkreis das Unternehmen, einen der letzten Textilveredler im DOB-Bereich in Deutschland, übernehmen würde. "Er hatte sich schon unseren Mitarbeitern als neuer Chef vorgestellt, eine Woche vor dem Aus noch mit mir Briefe an unsere Kunden geschrieben, weil er bei der Stoffmesse in München ausstellen wollte", sagt Dieter Beines. "Wir wissen nicht, warum er dann plötzlich abgesprungen ist."

Die ehemaligen Beines-Mitarbeiter treffen sich noch heute jedes Jahr, die beiden früheren Chefs sind immer eingeladen. "Auch mit unserer Hilfe haben 90 Prozent der Belegschaft damals neue Arbeitsplätze gefunden", sagt Horst Beines. "Und wir haben es auch geschafft, dass die Rechnungen aller unserer hiesigen Lieferanten, meist kleinere Firmen, bezahlt wurden", berichtet Dieter Beines. "Am Ende hat der Insolvenzverwalter gesagt, eine solche Unterstützung wie bei uns habe er nur sehr selten erlebt."

Bereits 2006 hatte Wilh. Beines Söhne Insolvenz anmelden müssen. Doch Dieter und Horst Beines schafften es, mit einem vom Gericht genehmigten Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung (erstmals in Mönchengladbach), die Firma zu sanieren und erhalten. Bis 2010 dann auch der letzte der einstmals vielen Mönchengladbach/Krefelder DOB-Drucker aufgeben musste: Das Geschäft war für deutsche Firmen sehr schwierig geworden, weil die Kunden immer mehr fertig veredelte Stoffe billiger im Ausland kaufen konnten. "Und dann rutschten wir voll in die Textilkrise rein. Die Preise für Rohwaren waren dramatisch, um 60 Prozent, gestiegen. Wir hatten Verträge, aus denen wir so schnell nicht herauskamen, sondern liefern mussten", erzählen die Beines-Brüder.

Das Casino der Firma Beines an der Bachstraße gibt es immer noch. Bis heute wird dort wie in den Jahrzehnten zuvor gefeiert: die Prinzengarde, der Spielverein, die ehemaligen Mitarbeiter und andere.

(oes)
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