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Sally Perel
Der jüdische Hitlerjunge in Mönchengladbach

Der jüdische Hitlerjunge in Mönchengladbach: Sally Perel
FOTO: Lothar Strücken
Mönchengladbach. Sally Perel aus Mönchengladbach gab sich im Zweiten Weltkrieg als Hitlerjunge aus. Nur so überlebte der jüdische Junge die Nazi-Zeit. Am Donnerstag liest der inzwischen 91-Jährige aus seinem Buch. Von Inge Schnettler

Es ist ein Buch, dass man nicht aus der Hand legen möchte. Ein Buch, das atemlos gelesen werden muss, das den Leser am Ende fassungslos zurücklässt, weil es eine Lebensgeschichte erzählt, die niemand so hätte erfinden können - die Lebensgeschichte des Juden Salomon Perel, der zum Nazi wurde und so den Holocaust überlebte. "Ich war der Hitlerjunge Salomon", so heißt der Band, der zum Bestseller wurde, die Geschichte, die verfilmt wurde, die Geschichte, die wirklich und wahrhaftig erlebt wurde. Von Sally Perel, wie er sich heute nennt.

Der 91-Jährige, der in Tel Aviv lebt, kommt nach Mönchengladbach. Am Donnerstag, 26. Juni, wird er Oberstufenschüler mit seinem Schicksal konfrontieren und ihnen schildern, wie er dank der Gehirnwäsche der Nazis überlebte, dass er bis heute Identifikationsbrüche hat, und wie es dazu kam, dass er das berühmte Buch schrieb. Abends ab 19 Uhr wird er im Palace St. George am Konrad-Zuse-Ring lesen und sich bei einem Snack mit seinem Publikum austauschen.

Als Selbsttherapie, als Entgiftungsprozess hat er das Schreiben bezeichnet. Nachdem er jahrzehntelang sein Schicksal für sich behielt, musste er aufschreiben, was er erlebt hat, wie er Opfer einer Indoktrination zu einer Ideologie wurde, die ihn selbst vernichten wollte. So hat er es in einem Interview einmal formuliert. Er musste sich in den Hitlerjungen Josef verwandeln, um zu überleben. "Als ich die Uniform anzog, wurde ich mein Feind" - auch das sagte Sally Perel einmal. Vier Jahre lang verleugnete er seine wahre Identität, er diente als Volljude der 12. Panzerdivision, wurde sogar von einem deutschen Hauptmann adoptiert.

Nur die Kinderjahre in Peine, wo er am 21. April 1925 als Sohn eines Rabbiners geboren wurde, waren unbeschwert. Salomon besuchte die Schule, war immer einer der Besten. Als er zehn Jahre alt war, traten die Nürnberger Rassegesetze in Kraft. Die Schulzeit des kleinen Salomon war abrupt zu Ende. Die Familie verließ Deutschland, floh nach Lodz. Als die Deutschen in Polen einmarschierten, schickten die Eltern den 14-jährigen Salomon und dessen 29-jährigen Bruder Isaak in Richtung Osten. In einem russischen Waisenhaus wurde er zum - überzeugten - Kommunisten. Die Deutschen marschierten ein, wieder war Salomon Perel auf der Flucht. Als er gefangen genommen wurde, verleugnete er seine jüdische Herkunft und behauptet, er sei der Volksdeutsche Josef Perjell. Minuten später hörte er, wie die Juden, die mit ihm unterwegs gewesen waren, exekutiert wurden.

Sally Perel ist einer der letzten Zeitzeugen des schlimmsten Kapitels Deutschlands. Seine ungewöhnliche Geschichte redet er sich auch heute noch vom Herzen. Und er ist ein Mahner, der daran mitarbeitet, dass sich Ähnliches nicht wiederholt.

Lesung von Sally Perel im Palace St. George, Konrad-Zuse-Ring 10, Donnerstag, 23. Juni, 19 Uhr. Eintritt und exklusiver Snack: 23 Euro. Reservierung: Telefon 02161 549880 und auf www.palace-st-george.de.

Quelle: RP
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