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Aktion Fit Für 10
Der kurze Moment der Quälerei

Aktion Fit Für 10: Der kurze Moment der Quälerei
Die ersten Laufmeter sind noch ziemlich entspannt (l.), danach müssen die Teilnehmer ihr Lauftempo stetig erhöhen. Angefeuert werden sie dabei von den zahlreichen Betreuern der Aktion "Fit für 10" (r.). FOTO: Jörn Riewe
Mönchengladbach. Es ist ein Härtetest. Eine Herausforderung. Eine Quälerei. Beim Steigerungslauf ermitteln Teilnehmer der Laufgruppe neue Trainingswerte. Von Dieter Weber

Sie haben ihn gefürchtet. Sie haben gebangt. Sie haben alles aus sich herausgeholt. Bis nichts, aber wirklich nichts mehr ging. "Die letzten 250 Meter waren schon erschreckend lang. Keine Puste mehr. Panik. Schlappheit und Husten! Aber egal: Es ist geschafft. Ich bin stolz", schreibt Dr. Stefan Bierbaum. Sein Erfolg: Der 34-Jährige hat seinen Maximalpuls nach der Standardformel im Härtetest um 15 Schläge getoppt, sein Training wird künftig intensiver sein. "Ich bin so froh, dass ich diesen Lauf hinter mir habe und nun auf die Couch darf. Kann mich nicht erinnern, dass ich je so fertig war. Irgendwie schmerzt alles", so die Reaktion von Iris van Kempen. Auch sie hat den bisherigen Wert gesteigert. Doch nicht alle der mehr als 100 Teilnehmer, die beim Steigerungslauf der Aktion "Fit für 10" mitgemacht haben, erzielten Verbesserungen - und das ist dann kein Makel und kein Beweis, dass sie in den vergangenen Wochen seit dem Start der Aktion im März schlecht trainiert haben. Der Steigerungslauf ist eine Art "Feintuning": Seine Ergebnisse bilden die Grundlage für das weitere Training bis September.

Denn wenn Teilnehmer der Laufgruppe mit dem Pulsmesser in das Programm starten, werden allgemein übliche Standardwerte zugrunde gelegt. Bei Männern ist das der Wert von 220, von dem das Alter abgezogen wird. Frauen legen auf den Ausgangswert zehn Punkte drauf. Diese Maximalwerte bestimmen in den ersten Wochen das Lauftraining nach dem Trainingsplan von Dr. Michael Fritz. Alle bewegen sich dann nur in festen Intensitäts-Intervallen. Das können 60 bis 70 Prozent nach der Standardformel sein, später dann auch 75 bis 85 Prozent. Vor allem Männer fühlen sich in dieser Phase unterfordert. Und trotzdem ist sie enorm wichtig, weil die Teilnehmer so schrittweise an die Belastung eines Lauftrainings herangeführt werden. Überforderungen sollen so vermieden werden. Und trotzdem melden sich bereits in dieser Phase der geringen Belastung bei einigen diverse Wehwehchen: Da schmerzen die Knie, die Waden, die Oberschenkel. Viele, die diese Zeit überbrücken, machen die Erfahrung, dass sie danach so richtig ins Rollen kommen.

Und da soll ihnen der Steigerungslauf helfen. Viele toppen beim Test den Wert nach der Standardformel. Andere bestätigen ihn. Und wieder andere liegen - zum Teil sogar deutlich - drunter. Bei ihnen folgt im Gespräch mit Fritz die Ursachenforschung. Funktionierte die Pulsuhr nicht? Hatten sie einfach nur einen schlechten Tag? Gibt es medizinische Gründe? Wer sich dem Härtetest noch einmal aussetzen will, bekommt die Möglichkeit, den Steigerungslauf zu wiederholen. Einige wenige machen auch die Erkenntnis: Der Wert nach der Standardformel ist für sie tatsächlich bereits zu hoch: Nach dem "Feintuning" und einem niedrigeren Ausgangswert laufen sie entspannter und lockerer als vorher.

Es gibt weitere wichtige Nebeneffekte. "Mir hat der Lauf ziemlich Selbstvertrauen gegeben", sagt Karin Lennartz. Denn das ist für viele eine interessante, neue Erfahrung: sich zu quälen, eine neue Herausforderung anzugehen, Grenzen auszuloten. So wie Ursula Johannimloh: "Yeah, geschafft! Das war Motivation pur. Gaaaanz lieben Dank!"

Quelle: RP
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