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Was Macht Eigentlich?
Der letzte Dino der Gladbacher Chormusik

Was Macht Eigentlich?: Der letzte Dino der Gladbacher Chormusik
38 Jahre war Theo Laß Kantor der Rheydter Pfarre St. Marien. FOTO: Isabella Raupold
Mönchengladbach. Kirchenmusiker Theo Laß hat das Renommee der Stadt Mönchengladbach in die Welt getragen: mit den Konzerten als Chorleiter der Pfarre St. Marien und vor allem in seinen 42 Jahren als Leiter des Rheydter Kinder- und Jugendchores. Von O. E. Schütz

Das Leben des heute 75-Jährigen hat ein paar Wendungen genommen, die sich als glückliche Fügungen erwiesen. Da war kurz nach Kriegsende die Geschichte eines Klaviers, das britische Soldaten im Sauerland schon zum Abtransport verladen hatten, das dann aber den Lebensweg des damals Fünfjährigen entscheidend beeinflussen sollte. Und da war 22 Jahre später sein Dienstantritt bei der Mönchengladbacher Musikschule, der nur als Intermezzo geplant war, aber zu einer nun schon fast 50 Jahre währenden Station wurde. Von der nicht nur er selbst, sondern vor allem viele Kinder und nicht zuletzt die Stadt Mönchengladbach profitierten.

"Sie haben die Kultur unserer Stadt in besonderer Weise bereichert und - neben Ihrer Tätigkeit als Kantor und als Leiter der Rheydter Abteilung der städtischen Musikschule - mit Konzerten und zahlreichen Chorreisen das Renommee Mönchengladbachs auch nach draußen getragen", sagte Oberbürgermeister Hans-Wilhelm Reiners, im November 2014 beim Abschiedskonzert von Theo Laß. Auch dafür hat der Kirchenmusiker und Chorleiter 1992 die Stadtplakette und 1998 die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland erhalten.

Den Kirchenchor von St. Marien betreute Theo Laß auch nach seinem Ausscheiden als Kantor der Pfarre. FOTO: Isabella Raupold

Eigentlich war für den Arbeitersohn aus dem 1000-Seelen-Dorf Langscheid im Sauerland beim Sorpesee ein ganz anderer Lebensweg zu erwarten gewesen. Er begann nach der Volksschule keine Lehre, sondern stieg gleich als Metalldruck-Akkordarbeiter in dem kleinen Betrieb ein, den der Vater inzwischen gegründet hatte. Doch da glimmte in dem 15-Jährigen schon der Funke, der 1945, wenige Wochen nach Kriegsende, gelegt worden war. "Unsere Familie war ziemlich unmusikalisch. Doch da gab es, irgendwoher, ein altes Klavier. Am Ende des Krieges 1945 hatten englische Soldaten es bereits auf einen Transporter geladen, um es mitzunehmen", erzählt Theo Laß, damals knapp fünf Jahre alt. "Mein Vater war in Belgien in Kriegsgefangenschaft, galt aber als vermisst. "Meine Mutter weinte. Doch es gab in unserem Dorf einen Mann, der Englisch sprach und zur Hilfe gerufen wurde. Er und die Tränen meiner Mutter brachten schließlich die Soldaten dazu, das Klavier wieder abzuladen und zurück in unsere Wohnung zu bringen."

Da stand es nun, und der kleine Theo begann, darauf herumzuklimpern - mit immer mehr Freude und wachsender Leidenschaft. "Ohne dieses Klavier wäre ich niemals Musiker geworden", sagt Laß. Mit 15 begann er im Betrieb seines Vaters als Akkordarbeiter. "Wenn man das gemacht hat, weiß man, was Akkordarbeit bedeutet. Doch es war eine gute Erfahrung", sagt er. Das Klavier faszinierte ihn aber so sehr, dass er nach Feierabend darauf spielte - und bald einen Lehrer aus dem Nachbarort fand, der ihm privat Klavierunterricht gab. Ein Jahr später wurde er nebenamtlicher Organist in der Kirche seines Heimatdorfes: "Die Grundlagen des liturgischen Orgelspiels hatte ich mir selbst beigebracht."

Die Weihnachtskonzerte des Rheydter Kinder- und Jugendchores waren immer ein Ereignis in der Stadt. FOTO: Isabella Raupold

Er lernte per Zufall einen Musikprofessor kennen, der ihm Unterricht in Musiktheorie, Gesang, Orgel und Klavier gab - und ihn ermutigte den Beruf in der Metallindustrie aufzugeben und Kirchenmusik zu studieren. Als ein junger Mann, der nur Volksschulbildung hatte - wie ging das? An der Musikhochschule in Wien, nach einer Aufnahmeprüfung. Er hatte durch seine Arbeit Geld gespart, fuhr nach Wien, bestand die Aufnahmeprüfung und wurde als Student aufgenommen. "Ich hatte das Glück, dort knapp vier Jahre in drei hervorragenden Chören zu singen: Hochschulchor, Wiener Kammerchor und Chor der Konzerthausgesellschaft. Was allerdings wöchentlich zusätzlich zehn bis 15 Stunden zum Proben erforderte." Doch harte Arbeit war Theo Laß ja schon gewohnt, das nötige musikalische Talent war vorhanden. 1967 machte er sein Examen als Kirchenmusiker. Zwei Jahre später begann er, neben seiner 1967 begonnenen Anstellung als Kantor der Pfarre St. Marien in Rheydt, ein weiteres Studium an der Musikhochschule Köln: "Sie nahmen mich ohne Abitur, weil ich mein Diplom aus Wien hatte." 1973 kam das Diplom im Konzertfach Orgel hinzu.

Bis heute sind die Kontakte nach Wien und Langscheid erhalten. Theo Laß trifft sich regelmäßig in Wien mit ehemaligen Studienkollegen. Und er hat auf Einladung der Universität bei der Festveranstaltung zum 100-jährigen Jubiläum der Eingliederung der Musikhochschule in die Universität als ehemaliger Student einen Vortrag gehalten. In Langscheid gibt es Treffen mit den Verwandten seiner Frau, früheren Freunden, Schulkameraraden oder Mitspielern aus der Fußballmannschaft des SuS Langscheid, in der er als Jugendlicher gespielt hat. "Und als jetzt im Januar eine neue Orgel eingeweiht wurde, habe ich sie als Erster spielen dürfen. Es war ein wunderbares Dorffest", sagt er.

Quelle: RP
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