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Mönchengladbach
Der Mann mit dem Hut und Mönchengladbach

Mönchengladbach. Joseph Beuys hatte seine erste Ausstellung in Gladbach. Immer wieder kehrte er zurück - bis zu seinem Tod 1986. Von Inge Schnettler

Joseph Beuys ist heute vor 30 Jahren gestorben. Ein trauriger Tag. Auch für viele Kunstfreunde in Mönchengladbach. Sie waren tief betroffen über seinen Tod. Der Mann mit dem Filzhut hatte immerhin seine erste museale Ausstellung hier - im alten städtischen Museum an der Bismarckstraße. Der damalige Museumsdirektor Johannes Cladders und Kulturdezernent Busso Diekamp waren die Strippenzieher. Der Museumsleiter hatte Mut genug, kurz nach seinem Dienstantritt 1967 mit einem Paukenschlag auf seine Vorstellung von Kunst aufmerksam zu machen. Er holte Joseph Beuys nach Mönchengladbach und kuratierte im ehemaligen Kühlen-Haus die Ausstellung des extravaganten jungen Künstlers, den zu der Zeit kaum jemand ernst nahm. Schon damals war Busso Diekamp mit ihm Boot, bereit, auch die Folgen für das Beuys-Spektakel mit zu tragen. Sogar mit der sofortigen Suspendierung hatten die beiden gerechnet.

Am Tag der Ausstellungseröffnung passierte, was niemand hatte vorhersehen können. Obwohl an diesem Tag der erste Kölner Kunstmarkt begonnen hatte, der viele Gladbacher in die Domstadt zog, wurden am Eröffnungsabend in Mönchengladbach rund 600 Besucher gezählt. Die Gäste mussten schubweise in die Ausstellung gelassen werden. Warteschlangen standen entlang der Bismarckstraße. Insgesamt 122 Skulpturen und Objekte sowie 20 Zeichnungen aus den Jahren 1949 bis 1967 wurden in der Ausstellung gezeigt.

Dann kaufte die Stadt das "Aggregat", eine Bronzearbeit, die Joseph Beuys 1962 hatte gießen lassen. Sie stand noch nicht ganz vor der Bezirksverwaltungsstelle, als sie schon für Riesenwirbel sorgte. Die "Hundehütte" muss weg, das war die Meinung vieler Bürger. Das Werk wanderte in den geschützten Raum des Museums zurück.

Joseph Beuys kam immer wieder an den Ort seiner Museums-Premiere zurück - etwa mit dem legendären Fluxus-Konzert "...oder sollen wir es verändern?" zusammen mit Henning Christiansen, das als "Sauerkraut-Happening" bekannt wurde. Die Aktion "Friedensfeier" mit Jonas Hafner fand am Karfreitag im Jahr 1972 statt. Noch heute ist das Wort "Exit" an der Tür des Münsters zu lesen, das Beuys damals ins Holz ritzte. Zur Eröffnung des Museums Abteiberg im Oktober 1982 schmückte Joseph Beuys sein 1969 vom Museum erworbenes "Revolutionsklavier" mit 200 roten Baccara-Rosen und 100 roten Nelken. Es steht immer noch da.

Das Museum Abteiberg besitzt heute mehr 20 Objekte und Skulpturen von Joseph Beuys.

Quelle: RP
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