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Mönchengladbach
Der Marienhof wird neu belebt

Mönchengladbach: Der Marienhof wird neu belebt
Durchlebt derzeit eine Art "Midlife-Crisis", wie sie in der Immobilienbranche nicht unüblich ist: In die Marienhof-Passage wird derzeit viel Geld investiert. FOTO: Jörg Knappe
Mönchengladbach. Das Berufsförderungswerk Köln bezieht 675 Quadratmeter in der zweiten Etage. Die erste Etage wird nach dem Auszug des Medizinlabors Dr. Stein zurückgebaut und geht in die Vermarktung. Auch für Kaiser's wird ein Nachmieter gesucht. Von Jan Schnettler

Bald schließt auch noch der Kaiser's-Markt im Marienhof. "Ende September ist es soweit, dann läuft der Mietvertrag aus", sagt Makler Norbert Bienen. Und das könnte nun gut und gerne der Einstieg in das mittlerweile gewohnte Lamento zum Zustand der Oberstadt sein: gesunkene Frequenz infolge der Minto-Eröffnung, der Wegzug des Medizinlabors Dr. Stein nach Hardt, Händler, die bereits mutmaßen, die Stadt lasse den Einzelhandelsstandort obere Hindenburgstraße mutwillig "ausbluten". Sogar das Vorzeige-Gässchen Wallstraße klagt mittlerweile über massive Leerstände. Doch Bienen gibt Entwarnung - zumindest in Sachen Marienhof. "Wir sind jetzt intensiv in die Vermarktung eingestiegen", sagt der Immobilienexperte.

Mit dem Berufsförderungswerk Köln gibt es bereits einen ersten neuen Mieter. Das Unternehmen, das Menschen betreut, die nach einer Erkrankung oder infolge eines Unfalls ihre bisherige berufliche Tätigkeit nicht mehr ausüben können, bezieht zum 1. September 675 Quadratmeter an Büro- und Schulungsflächen im zweiten Obergeschoss. "Im Marienhof haben wir den optimalen Standort für unser Unternehmen gefunden. Unsere Dienstleistung ist in der aufmerksamkeitsstarken Lage sehr gut sichtbar und für unsere Klienten bestens erreichbar. Die auf unsere individuellen Bedürfnisse zugeschnittene Aufteilung hat dann endgültig zur Entscheidung für den Standort beigetragen", sagt Teamleiterin Andrea Schäfer. Bisher sitzt das Berufsförderungswerk Köln noch an der Hindenburgstraße 140.

Bienen & Partner entwickelt derzeit gemeinsam mit dem Eigentümer des Marienhofs, DBPS Gewerbe- und Wohnbau, unterschiedliche Nutzungskonzepte zur Umstrukturierung der Flächen. Und das bedeutet größtenteils einen Rückbau. Denn: "Für den Großmieter Dr. Stein war im Laufe der Jahre sehr viel hergerichtet und kleinteilig umgebaut worden, so dass die Flächen im ersten Obergeschoss nicht mehr drittvermietbar waren", sagt Indra Gleixner, Diplomkauffrau bei Bienen & Partner.

Zweite Schwierigkeit, die, neben dem verzögerten Auszug des Medizinlabors ("Dadurch sprangen drei Interessenten ab, alles medizinische Nutzungen", sagt Bienen), den Beginn der Vermarktung erschwerte: die Herstellung von Barrierefreiheit. Wegen zu enger Fluchtwege musste ein ehemaliger Lastenaufzug zu einem behindertengerechten Lift umgebaut werden. Doch nun werden Gespräche mit Interessenten geführt. "Ab 150 Quadratmetern und langfristigem Mietinteresse können wir passgenaue Flächen anbieten", sagt Norbert Bienen. Mit drei bis vier Monaten Vorlaufzeit könnten die Flächen hergerichtet werden.

Ob die künftigen Mieter die großen Frequenzbringer sein werden, ist zwar fraglich - "wir sehen den Marienhof mehr als Dienstleistungszentrum denn als Einzelhandelsstandort", sagt Bienen. Man konzentriere sich bei der Mietersuche also auf Berufsgruppen wie Mediziner, Schulungszentren und klassische Dienstleister, die den innerstädtischen Standort und die ÖPNV-Anbindung schätzen. Man verhandele aber beispielsweise auch mit einem Call-Center, das am gesamten ersten Obergeschoss interessiert ist. "Im zweiten stehen nach dem Einzug des Berufsförderwerks ohnehin nur noch 90 Quadratmeter frei", sagt Gleixner.

Der momentane großflächige Leerstand im Marienhof mag in erster Linie dem Auszug des Medizinlabors geschuldet sein - fällt aber zeitlich ohnehin mit der natürlichen "Midlife-Crisis" des Centers zusammen. "Nach 25 Jahren ist der Zustand relativ normal, beim Vitus-Center war es ja ähnlich", sagt Bienen. Die nun zu vollziehenden "beträchtlichen Investitionen" seien vor diesem Hintergrund ohnehin zu erwarten gewesen.

Und was ist mit der Kaiser's-Fläche? "Wir streben hier wieder eine Nutzung durch einen Lebensmittelmarkt oder ein lebensmittelnahes Unternehmen an, aber auch eine größere gastronomische Nutzung ist denkbar", sagt Bienen. Erste Gespräche würden geführt. Die Flächen eigneten sich insbesondere für Nutzungen, die zu groß für die Hindenburgstraße sind. Aber auch Dienstleistung sei hier denkbar, so könnten etwa Fenster dafür eingebaut werden. "Wir sind zuversichtlich, dass wir kurzfristig einen Ansiedlungserfolg vermelden können", sagt der Makler. Insgesamt sehe er den Standort Marienhof "gut platziert".

Quelle: RP
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