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Mönchengladbach
Der Morgen bei Polleys ist rot-weiß-pink

Mönchengladbach: Der Morgen bei Polleys ist rot-weiß-pink
Vor dem Frühstück haben die Drillinge über ihre Frisur diskutiert. Die Mehrheit entschied sich für Zöpfe. Die wurden in unterschiedlichen Farben zusammengebunden, damit Mitschüler und Lehrerinnen die drei Mädchen unterscheiden können. FOTO: Knappe,Joerg (jkn)
Mönchengladbach. Die Familie Polley muss täglich vier Kinder für die Grundschule und zwei für die Kita vorbereiten. Wir haben den Ablauf frühmorgens aus der Nähe beobachten dürfen. Zum Fest konnten sich die Eltern Karina und Ingomar Polley entspannen. Von Dirk Richerdt und Jörg Knappe (Fotos)

5.30 Uhr: Der Wecker klingelt im Schlafzimmer. Karina Polley dreht sich noch einmal auf die andere Seite - doch dann ruft eine innere Stimme sie zur Ordnung. Drei Minuten später steht sie im Bad und beginnt ihr Tagwerk. So still wie jetzt bleibt es nicht, denn die Polleys sind eine Familie mit sechs Kindern im Alter zwischen drei und acht Jahren. Das erfordert Strategie, Ausdauer und Schwung: Jeder Schultag beginnt bei den Polleys mit einem minuziös durchgetakteten Ablauf von Aktivitäten, Handreichungen und ausgefeilter Logistik. Die Ziele: Vier Kinder müssen um 8.15 Uhr in der Anna-Schule Windberg eingetroffen sein, zwei jüngere - Aurelia (5) und Julius (3) - werden um 9 Uhr in eine Kindertagesstätte gebracht. Wie schafft man so etwas jeden Morgen? Wir durften kurz vor Beginn der Weihnachtsferien dabei zuschauen.

Aufbruch: Diana (8) sowie Alexandra, Antonia und Ariana (6) müssen zur Grundschule. Mutter Karina hilft den Drillingen in die bunten Jacken und beim Schuheanziehen, Diana hingegen braucht keine Hilfe. FOTO: Knappe,Joerg (jkn)

5.50 Uhr: Karina Polley (41) betritt die Küche im Erdgeschoss des Hauses. Nicht um Kaffee zu kochen und die Schulbrote für Diana (8) und die Drillinge Alexandra, Antonia und Ariana (6) zu belegen, das kann noch warten. Zuerst gilt es, Schnitzelchen, Hackfleischklopse oder Biowürstchen zu braten, Kartoffeln, Spätzle und Gemüse zu kochen. Gegen 7 Uhr werden die Speisen schulkindgerecht portioniert und in praktische Behälter gefüllt. "Die Dosen nehmen die Kinder mit in die Schule, das ist ihr Mittagessen, das sie nach Unterrichtsschluss in der Mittagsbetreuung zu sich nehmen", erläutert die Arzthelferin.

6.30 Uhr: Inzwischen hat auch Familienvater Ingomar das Ehebett verlassen und geht zum Duschen ins Bad. Danach hat der 53-jährige Heilpraktiker Zeit, in der Küche Kaffee und Tee zu kochen, den Tisch für sechs Personen zu decken, Cornflakes in kleine Schalen zu schütten, Graubrot zu schneiden, Milch aus dem Kühlschrank zu holen. "Da unsere eineiigen Drillinge nicht nur genetisch identisch sind, sondern auch überwiegend gleichartige Geschmäcker haben, schäle ich auch für alle Äpfel und Gurken", erklärt Polley. Kurz vor sieben reicht er seiner Karina eine frisch gezapfte Tasse Cappuccino. "Ich koche meistens den Kaffee und mache das Frühstück für meine Frau", sagt Polley. Derweil hat Karina am Herd weiter mit der Herstellung des Mittagessens zu kämpfen. "Das ist deswegen besonders aufwendig, weil ich nach Möglichkeit versuche, Einzelwünsche zu berücksichtigen", sagt die 41-Jährige. "Die Drillinge essen zum Beispiel gern Pfannkuchen, Diana hat nichts gegen Hähnchen einzuwenden."

Alle haben die Tornister auf, jetzt geht's los. Papa bringt das Quartett zur Anna-Schule. Später wird Mama die kleineren Kinder zur Kindertagesstätte fahren. FOTO: Knappe,Joerg (jkn)

7.01 Uhr: Karina verstaut die Schulbrote, dazu portionierte Bananen und Äpfel, in vier Tupperdosen, drei sind durch aufgeklebte Herzen für die Drillingsmädchen reserviert. Alexandra bekommt die Dose mit dem weißen, Antonia den Behälter mit dem pinkfarbenen Herzen, Arianas ist rot. Entsprechend werden auch die Lunchpakete für den Mittag verpackt und in die Tornister verfrachtet. "Wir haben unsere eigene Trikolore gestaltet, rot-weiß-pink", sagt Karina Polley lachend.

7.10 Uhr: Entschlossen betritt Karina das Zimmer, in dem großäugige "Glupschies" auf einem Balkenfries hocken und ein Hochregal voller kunterbunt durcheinandergepurzelter Barbiepuppen und -fohlen auf einschlägige Mädchen-Sammelleidenschaft verweist. Gedimmtes Licht erhellt den Raum dezent, in einer Ecke steht ein Doppelstockbett, daneben ein einzelnes unter der Dachschräge. Alexandra, Antonia und Ariana schlafen noch, Antonia im unteren Teil des Etagenbetts hält ihre Knuddel-Eule im Arm. So ein Stofftier liegt auch in den beiden anderen Betten, das Bettzeug ist mit Motiven aus Disneys "Eiskönigin" bedruckt. "Ich will noch schlafen, lass mich", protestiert Ariana. Doch Mutter dimmt das Licht weiter herauf und fordert, erst leise, dann vernehmlicher: "Zeit zum Aufstehen! Habt ihr gut geschlafen?" Die Mädchen setzen sich auf, reiben ihre Augen - und plappern drauflos. Auf einen Schlag sind sie munter, das lässt den Gast staunen. Die Drillinge staunen zurück, obwohl die Eltern ihnen am Vorabend den Besuch des Gastes von der RP angekündigt hatten. "Guck mal, meine Eule", erklärt mir Ariana, "die möchte ich mit in die Schule nehmen". Ihre Schwester Alexandra erläutert: "Wir sind nämlich in der Eulen-Klasse."

7.14 Uhr: Während Vater Ingomar im Obergeschoss noch die achtjährige Diana, die das dritte Grundschuljahr besucht, weckt, taumeln die sechsjährigen Drillinge maulend und noch schlaftrunken in ihren Pyjamas ins Bad. Auf dem Rand des Waschbeckens stehen sechs elektrische Zahnbürsten aufgereiht. Schon erfüllt gleichmäßiges Surren das Badezimmer. Mutter hilft bei der Morgenwäsche, dann geht's zurück ins Kinderzimmer. Es folgt das Ankleiden. Alle drei bekommen gleichartige Kleidchen verpasst, heute sind sie aus roter Baumwolle; bei der Farbe der Strumpfhose berücksichtigt die Mutter persönliche Vorlieben. Dann steht die Kernfrage des Tages zur Entscheidung an: Haare flechten oder nach dem Bürsten offen lassen? Kurze Debatte, dann die Abstimmung. Zwei sind fürs Feststecken, eine will das mittelblonde Haar offen tragen, Alexandra beugt sich schmollend der Mehrheitsentscheidung. Karina bringt Schleifchen - passend und für die Identifizierung hilfreich in weiß, rot und pink - und Haarspangen in Anschlag. "Das machen wir für die Leute draußen, für Lehrerinnen und Mitschüler, die die drei sonst nicht auseinanderhalten können", begründet die Mutter diese Gewohnheit. "Ich erkenne immer, wer wer ist", versichert sie, "an Details der Gesichtszüge und natürlich an Unterschieden im Wesen." Vater Ingomar ergänzt: "Ich kann jede auch an der Stimme erkennen."

7.36 Uhr: Ab in die Küche. Nun wird es eng hier, vier Mädchen nehmen auf der Eckbank Platz am Frühstückstisch. Der Duft frischen Toastbrots durchzieht den Raum. Die Kinder unterbrechen ihren Redeschwall, kleine Neckereien und Rempeleien hören vorübergehend auf. Alle bekommen ein Fläschchen Trinkjoghurt, löffeln ihre Cornflakes in Milch, verzehren einen Dreiecks-Toast, hauchzart mit Konfitüre bestrichen. Ariana isst die Gurkenscheiben ohne Salz, die anderen nehmen eine kleine Prise. Diana wählt ein Brot mit Schinkenwurst, sie wird als Erste fertig mit dem Frühstück, eilt zum Sideboard und holt einen Spielekarton heraus. "Spitz pass auf", das gibt's tatsächlich noch. Alexandra und Antonia kommen hinzu, dann spielen sie eine Runde mit Papa.

7.55 Uhr: Im Hausflur stehen bereits die gepackten Schultornister bereit. Karina hilft den Drillingen in die bunten Jacken und beim Schuheanziehen, Diana hingegen braucht keine Hilfe. Der Vater drängt: "Abmarsch, wir dürfen nicht zu spät kommen." Er sperrt die Haustür auf, und jetzt haben es alle plötzlich sehr eilig. Am Tor stoppt Ingomar Polley die vier Rangen, die einen Wettstreit veranstalten, wer zuerst am Auto ist.

8.02 Uhr: Der Motor springt an, Karina winkt den Abfahrenden nach, atmet tief durch, tritt ins Haus zurück und füllt die Wassernäpfe für die Hunde Enzo (5) und Artus (4). Kurze Verschnaufpause. Aber der Morgen ist noch nicht geschafft. Jetzt geht sie die beiden Jüngeren, Aurelia (5) und Julius (3), wecken. Die Kita-Geschwister bringt sie gegen 9 Uhr, auch mit dem Auto, zum Kindergarten. Abholen muss sie später übrigens alle sechs Kinder. "Wenn Ingo es mittags schafft, übernimmt er eine Abholfuhre", tröstet sich Karina.

8.31 Uhr: Kurz nachdem der Familienvater mit dem leeren Van zurück ist und sich am Frühstückstisch niederlässt, haben schon die ersten Patienten im Wartezimmer der Naturheilpraxis Platz genommen. Die befindet sich gleich nebenan. "Wenigstens habe ich keinen weiten Weg zum Arbeitsplatz", sagt Ingomar Polley kauend und trinkt seinen Becher grünen Tee aus. Die Arbeit ruft.

Quelle: RP
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