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Mönchengladbach
Der neue Chef der Kleingärtner will keine "Grill-Gärtner"

Mönchengladbach: Der neue Chef der Kleingärtner will keine "Grill-Gärtner"
Schrebergärten sind kein Platz für große Grillfeste, so Kernbach. FOTO: pixquelle.de
Mönchengladbach. Johannes Kernbach steht seit einigen Wochen rund 2800 Kleingärtnern vor. Er appelliert an die 52 Vereine, auch Pflichten einzuhalten. Ein Schrebergarten ist nicht nur zum Grillen da, sagt er. Von Dieter Weber

Johannes Kernbach war Mitte 20, als er zum zweiten Mal sein Herz verlor. Erst heiratete er seine Doris, dann verliebten sich die beiden in einen Schrebergarten der Kleingartenanlage Am Stammen an der Reyerstraße. Inzwischen ist Kernbach 67 Jahre alt und liebt seinen Garten immer noch heiß und innig. Ihn hergeben - das kommt für den pensionierten Vermessungsingenieur vorerst nicht infrage. Mehr noch: Seit einigen Wochen ist Kernbach sogar oberster Kleingärtner in der Stadt und Chef von 52 Vereinen mit rund 2800 Mitgliedern. Er trat die Nachfolge von Kurt Liedtke an, der vom Vorsitz zurückgetreten war. Seine Vertreter sind die Vorgänger in diesem Amt: Hans-Peter Reichartz und Roswitha Wree.

Wenn Kernbach von seinem Garten und seinem Verein spricht, dann leuchten seine Augen. "Hier haben meine Tochter und mein Sohn ihre Kindheit verbracht. Sie waren in einer beschützten Umgebung, konnten in der Anlage unbefangen spielen", erzählt er. Bei der Tochter wirkte das nachhaltig: Sie ist heute selbst Pächterin eines Kleingartens. Und der Sohn schätzt die Produkte, die bei den Kernbachs auf 400 Quadratmeter wachsen: "Von ihm bekomme ich immer Auftraglisten, was er an Gemüse braucht." Denn der Kleingartenchef hat eine zweite Erkenntnis an seinen Nachwuchs weitergeben können: "Selbst gezogenes Gemüse aus dem eigenen Garten schmeckt anders und vor allem besser. Ein guter Kleingärtner bringt seinen Kindern bei, dass die Fritten nicht im Boden wachsen."

Und deshalb bekümmert ihn schon, dass heute viele Menschen zwar Bio-Gemüse wünschen, sich vielleicht auch bei einem Bio-Bauern eine eigene kleine Parzelle mieten, aber um Kleingartenanlagen einen Bogen machen. Vorbei sind die Zeit, als diese Wartelisten führen mussten, weil die Nachfrage nach einem Schrebergarten so groß war. Kernbach selbst stand vor mehr als vier Jahrzehnten auf so einer Liste, der Kleingarten-Ehrenvorsitzende Juppi Claßen ebenfalls. "Ich bin nur mit Glück zum Zuge gekommen. Heute ständen noch mehr Gärten leer, wenn nicht immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund den Weg in die Kleingartenvereine finden würden. Das ist eine gute Entwicklung", sagt Claßen. Die auch sichtbar ist. "Da gibt es dann weniger Kartoffeln und Möhren, aber dafür fünf Reihen Paprika", erzählt der Ehren-Kleingärtner.

Johannes Kernbach will für Schwung in Gladbachs Kleingartenszene sorgen und den Mitgliedern alte Tugenden bewusstmachen. FOTO: Raupold

Auf Kernbach kommt im neuen Vorsitzendenamt nicht nur die Aufgabe zu, für Kleingartenvereine zu werben. Er will auch dafür sorgen, dass es untereinander keinen Knies gibt und dass Kontroversen im Vorfeld geklärt und nicht plakativ mit Demonstrationen nach draußen getragen werden. Dies war vor einigen Monaten der Fall, als sich Kleingärtner gegen den eigenen Verband wandten, weil dieser Vorgaben zu Toiletten, Strom und ganze Kücheneinrichtungen in Lauben machen wollte. "Es gibt das Bundeskleingartengesetz, das nicht nur deutlich formuliert, was erlaubt und nicht erlaubt ist. Es ist für uns Kleingärtner auch eine Art Schutzgesetz, weil wir so niedrige Pachtgebühren gewährleisten können", sagt Kernbach. In Mönchengladbach liegen sie bei 21 Cent pro Quadratmeter Nettofläche. Kernbach: "Wir können nicht nur die Vorteile genießen, sondern müssen auch die Pflichten in Kauf nehmen."

Für einen Ausgleich von Vorteilen und festen Aufgaben für alle will sich Kernbach stark machen. Das "Wir" ist ihm dabei wichtig, jeder einzelne Kleingärtner soll sich als Teil eines Ganzen fühlen. Die "Grill-Gärtner", die ihren Schrebergarten nur nutzen, um da große Grill-Feste zu feiern, sind ihm ein Graus. Und auch die, die eine Riesenlaube bauen und zu einem großen Rasen als Alibi "nur ein paar Beerensträucher pflanzen". Und er träumt von früheren Zeiten, als die Vereinshäuser der Kleingartenvereine voll waren, Bundes- und Landespreise für besonders schöne Anlagen nach Gladbach gingen und es regelmäßig große Gemeinschaftsveranstaltungen gab: "Da ist jeder Verein gefordert, sich wieder mehr für die große Gemeinschaft einzusetzen."

Quelle: RP
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