| 00.00 Uhr

Mönchengladbach
Der Nordpark - schick und trostlos

Mönchengladbach: Der Nordpark - schick und trostlos
Die Gegend rund um das Stadion, den Hockey-Park und die Santanderbank ist gut gepflegt und modern gestaltet. FOTO: Picasa
Mönchengladbach. Der Nordpark ist eine Gegend der Gegensätze. Neben dem modernen Borussia-Park stehen triste Container für Flüchtlinge. Wenige Meter weiter verkommen die verlassenen Briten-Häuser an der Lilienthalstraße. Ein Rundgang. Von Jan Lurweg und Saskia Nothofer

Müll, zerbrochene Scheiben, schwere Gitter vor den Fenstern und Türen im Erdgeschoss - ein Gang durch die verlassenen Briten-Häuser im Nordpark ist kein schöner Anblick. Wie eine Geisterstadt, fast schon unheimlich wirken die heruntergekommenen Reihenhäuschen, wenn alte Vorhangreste im Wind aus den zerbrochenen Fenstern wehen. Menschen trifft man hier nicht, trist und leblos verfällt das Gelände immer weiter. Da stört auch der Lärm der Autobahn kaum noch, die an der Siedlung vorbeiführt.

Fast wie eine Oase, obwohl eigentlich ein Ort der Trauer und meist ungern besucht, wirkt der Holter Friedhof gleich neben den Briten-Häusern. Es duftet nach frischen Blumen, es gibt viel Grün und auch der Lärm der lauten Motoren auf der Autobahn rückt dank Vogelgezwitscher in den Hintergrund.

Die Briten-Häuser wirken wie eine Geisterstadt. Müll säumt die Straßen.

Lässt man den Blick von dort aus schweifen, sticht etwas anderes, etwas ganz modernes, gepflegtes ins Auge: der Borussia-Park. Von Außen der Statur einer Spinne ähnelnd, dominiert der 54.000 Menschen fassende Bau den Mönchengladbacher Nordpark. Fans von überall her kommen hier zu den Spielen und spazieren auf schicken, neu gebauten Straßen, die prächtige Namen wie Liverpooler Allee oder Madrider Straße tragen. So zumindest am Wochenende.

Wenn kein Spieltag ist, sind die Straßen noch immer schick. Sowieso wirkt die ganze Gegend mit den neuen Gebäuden der Santander Bank, des Finanzamts und anderer Unternehmen modern und wie aus dem Ei gepellt. Nicht zu vergessen der Hockey-Park, der auch Weltstars wie Roxette bei Konzerten eine Bühne bietet, während die Zuschauer auf den bunten Sitzschalen Platz nehmen können. Doch an einem Tag ohne Mega-Event sieht man auch dort kaum Menschen. Zugegeben, die Parkplätze des Einkaufszentrums sind voll. Doch insgesamt wirkt dieser neue, schöne und schicke Teil des Nordparks an einem ganz normalen Tag etwas einsam.

Unweit des Hockey-Parks ist es schnell vorbei mit dem modernen, aufstrebenden Nordpark. Vom Land wurden hier - eingeschlossen von einem hohen Zaun - graue, trostlose Container für Flüchtlinge aufgestellt. Hunderte von ihnen haben darin Platz, aber nicht einer lebt darin. Der Speisesaal mit Theke: leer, die Wohnräume: leer, der Innenhof: leer. Nur im alten TiN (Theater im Nordpark)einige Meter weiter sind derzeit einige wenige Menschen untergebracht. Von breitschultrigem Sicherheitspersonal werden sie beschützt, die Werbebanner des Sicherheitsunternehmens hängen am Zaun.

Mitten im Nordpark, wo an Spieltagen Zehntausende Fans zum Vergnügen ins Stadion pilgern, in einem alten Theater, zur Unterhaltung genutzt, leben also Menschen, die aus ihrem Land flüchten mussten. Die ihre Heimat, vielleicht Familienmitglieder, Freunde und ihr gesamtes Hab und Gut zurücklassen mussten. Ein herber Kontrast. Verstärkt noch durch einen Blick ins Innere des TiN: Im ehemaligen Foyer mit rotem Teppich und noch blau beleuchtetem Tresen spielen Kinder und werden gebrechliche Menschen im Rollstuhl geschoben.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Mönchengladbach: Der Nordpark - schick und trostlos


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.