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Mönchengladbach
Der Planer des Unplanbaren

Mönchengladbach: Der Planer des Unplanbaren
Er koordiniert die Abläufe rund um die Operations-Säle in den Kliniken Maria Hilf: Thomas Wytrieckus ist OP-Manager. FOTO: Isabella Raupold
Mönchengladbach. OP-Manager sorgen für den möglichst reibungslosen Ablauf in den Operationssälen. Auch und gerade weil immer wieder Notfälle die Vorbereitungen über den Haufen werfen. Von Angela Rietdorf

Thomas Wytrieckus plant den morgigen Tag: Welche Operationen stehen an, welche OP-Säle stehen zur Verfügung, welche Ausstattung wird benötigt, welches Team arbeitet wo, in welcher Reihenfolge wird operiert, damit möglichst wenig umgeräumt werden muss? Wytrieckus ist OP-Manager, und zwar der erste an den Kliniken Maria Hilf. Seine Aufgabe ist es, die Abläufe möglichst optimal zu gestalten, die Teams, die Räume, die Ressourcen bestmöglich einzusetzen.

So weit, so gut - wäre da nicht das Unplanbare, das unvermeidlich zur Arbeit in einem Krankenhaus gehört - die Notfälle, die schnell versorgt werden müssen, die Entwicklungen, die nicht vorhersagbar sind. Auch darauf muss der OP-Manager immer wieder reagieren, Planungen ändern, Abläufe anpassen.

Thomas Wytrieckus ist im Maria Hilf seit 1. Mai 2017 für die Abläufe in den OP-Sälen und drumherum verantwortlich. Zurzeit gibt es neun dieser Säle im Gebäude an der Sandradstraße und drei im Franziskushaus. Im nächsten Jahr, wenn der neue OP-Trakt in Betrieb geht, werden es zwölf im Zentral-OP sein plus drei für die Unfallchirurgie. Und diese Räume werden im Allgemeinen den ganzen Tag hindurch genutzt. Für geplante und ungeplante Eingriffe.

Wytrieckus beschreibt seinen Alltag: "Aus dem Schockraum kommt die Information, dass ein Patient nach einem Verkehrsunfall eingeliefert und eine Fraktur festgestellt wurde. Eine OP ist notwendig." Der OP-Manager muss dann noch wissen, ob der Patient vital bedroht ist. Anschließend gehen die Informationen an die Pflege und die Anästhesie. Ein Saal mit der entsprechenden Ausrüstung wird bereitgestellt, ein OP-Team übernimmt. Das muss alles schnell gehen, wirft aber alle Pläne über den Haufen. Denn vermutlich waren der Raum und das Team für eine andere Operation eingeplant. Die muss jetzt sinnvoll verschoben werden, auch darum kümmert sich der OP-Manager.

Bei seinen täglichen Planungen muss er vieles im Blick behalten. Zum Beispiel: Ist ein Patient Diabetiker, sollte er möglichst vormittags operiert werden. Welche der rund 400 unterschiedlichen OP-Methoden werden angewandt, und wie passen sie so hintereinander, dass es möglichst geringe Reibungsverluste gibt?

Der OP-Manager ist der Herr der Prozesse: Er muss sicherstellen, dass zwischen und bei den Eingriffen nicht zu viel Zeit verloren geht, etwa weil der Patient auf der Station nicht für die OP vorbereitet wurde, weil die Transporte zu lange dauern oder die benötigten Blutkonserven auf sich warten lassen. Das OP-Team soll sich ganz und gar auf seine ureigenste Aufgabe konzentrieren können. "Jeder, der im OP arbeitet, hasst es zu warten", sagt Wytrieckus, der selbst viele Jahre Erfahrung in der OP-Pflege hat. Also gehört es zu seiner Aufgabe, die großen Zeitfresser zu finden und Verzögerungen zu verhindern. "Dazu muss ich das Haus gut kennen."

Kommunikation mit allen Beteiligten sei das A und O. Auch Personalmanagement gehört im weitesten Sinne zu seinen Aufgaben. "Gute OP-Pflegekräfte werden heute per Headhunter gesucht." Deshalb sei es wichtig, eine Arbeitsatmosphäre zu schaffen, in der sich Mitarbeiter geschätzt fühlten und Fortbildungsangebote zu machen.

Das OP-Management hat sich in den vergangenen zehn bis 15 Jahren im Zuge der Zentralisierung entwickelt. Auch der ökonomische Druck in den Krankenhäusern spielt eine Rolle: die Auslastung ebenso wie die Patientenzahlen sollen möglichst hoch sein, ohne dass die Qualität verloren geht. Die Antwort auf diesen Spagat ist der OP-Manager.

Quelle: RP
 
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