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Mönchengladbach
Der Reformer von Rheydt

Mönchengladbach. Heute vor 190 Jahren wurde der ehemalige Bürgermeister Emil Pahlke geboren.

Das jähe Ende seiner Militärlaufbahn war der Beginn der Karriere eines Mannes, der in seiner 16-jährigen Amtszeit maßgeblich die Entwicklung von Rheydt vorangetrieben hat: Emil Pahlke. Geboren wurde er am 8. August 1826 in Emmerich, und wie sein Vater schlug er nach dem Besuch eines Kölner Gymnasiums und der Artillerie- und Ingenieurschule in Berlin die Offizierslaufbahn ein. Ein Kriegsleiden zwang ihn, diese 1866 zu beenden. Zwei Jahre später wurde er Bürgermeister von Sonnborn, 1871 Bürgermeister von Kettwig. Seit 1865 war er verheiratet mit Pauline Korff, der Tochter eines Elberfelder Fabrikbesitzers. Sie bekamen drei Kinder, ein Sohn und zwei Töchter.

Am 4. Januar 1877 rief ihn die Königliche Regierung in Düsseldorf in das Amt des Bürgermeisters nach Rheydt. Seine 16-jährige Amtszeit, seit 1877 als Bürgermeister und nach seiner Wiederwahl 1889 als Oberbürgermeister von Rheydt, geht mit einem enormen wirtschaftlichen Aufschwung des Landstädtchen der Gründerzeit zur Textil- und Maschinenbau-Großstadt einher. Unter seiner Führung bekam Rheydt im Übergang zum industriellen Zeitalter ein städtisches Gepräge. Neue Industriezweige siedelten sich an, die internationalen Handelsbeziehungen standen vor einer Neuorientierung. In der Region profitierten vor allem die mechanischen Webereien, die Seiden- und Samtfabriken. Bedeutende Unternehmen der Metallindustrie wurden in Rheydt sesshaft. So die 1876 von Otto Froriep und 1884 von Wilhelm Scharmann gegründeten Werkzeugmaschinenfabriken.

In Pahlkes Amtszeit wurde das Schulwesen ausgebaut; für die Volksschulen schuf er neue Gebäude, außerdem ebnete er den Weg für eine Oberrealschule und ein Progymnasium. Pahlke setzte sich auch für das äußere Stadtbild maßgebend ein: 1875 erließ er ein "Verbot wilden Bauens an unfertigen Straßen", und Ende der 70er Jahre verwirklichte er durch den Kauf mehrerer Grundstücke die Erweiterung des Rheydter Marktplatzes.

Auf Pahlke gehen das erste Bauverwaltungsamt und eine einzigartige Reform der Verwaltungsstruktur zurück, die dazu führte, dass 1893 die Zahl der Beschäftigten verdoppelt wurde. Außerdem gab er der Stadt eine neue Polizeistruktur und organisierte die Armenpflege flächendeckend im gesamten Stadtgebiet neu. In seine Amtszeit fällt der Bau eines Krankenhauses in Ohlerfeld, des Wasserwerks auf der Geistenbecker Höhe und des Schlachthofes in Mülfort.

Die Vollendung des letzten Großprojektes, des vom Präsidenten des Rheydter Verschönerungsvereins, Carl Schmölder forcierten Kaiserparks, musste er allerdings seinem Nachfolger Wilhelm Strauß überlassen: Am 25. Januar 1893 erlag Emil Pahlke einem Herzanfall. An ihn erinnert heute auch die Pahlkestraße und das nach ihm benannte Pahlkebad.

Quelle: RP
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