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Mönchengladbach
Der Reiz der Pferdewetten

Mönchengladbach: Der Reiz der Pferdewetten
Viele Familien mit Kindern machten einen Ausflug zum Renntag an der Niersbrücke. FOTO: Ilgner Detlef
Mönchengladbach. Der "Große Preis von Mönchengladbach" lockte nicht nur Stammgäste an die Rennbahn, sondern auch zahlreiche Familien mit Kindern. 111 Pferde gingen in elf Rennen an den Start. Von Marion Lisken-Pruss

Willi Coenen (63) aus Brüggen ist Stammgast auf der Trabrennbahn. "Einmal wie immer, bitte", sagt er zu der Dame am Infoschalter, die ihm daraufhin das Programmheft reicht. Draußen laufen die letzten Vorbereitungen für den "Großen Preis von Mönchengladbach". Ein Traktor zieht seine Runden und präpariert die Bahn, ein Tankwagen sprengt den Sand, damit die Pferde genug Grip haben, während die Fahrer ihre Pferde für das erste Rennen warmfahren.

111 Pferde warten an diesem Sonntag-Nachmittag auf ihren Einsatz. Viele Fahrer und Trainer nutzen die Gelegenheit, noch einmal ihre aktuelle Form und die ihrer Pferde zu testen, bevor am kommenden Freitag in Berlin die Derbywoche beginnt, eine der wichtigen Wochen im Traber-Kalender. Eine halbe Stunde vor dem ersten Rennen füllen sich die Zuschauerränge. Besucher studieren Programmhefte; andere haben sich auf den Plastikstühlen niedergelassen und trinken Kaffee; eine Dame trägt stilecht Hut. Viele Familien mit Kindern haben den Renntag als Ziel für einen Ausflug gewählt. So wie Familie Tenger-Schäfer. "Wir lieben Pferde", erklären die drei Geschwister. Gewettet haben ihre Eltern auch und einen Euro auf das Pferd mit der Startnummer acht gesetzt. Ahnung von Pferdewetten habe sie nicht, gibt die Mutter zu, aber das Pferd sei beim Warmlaufen am schnellsten gewesen. "Anfängern rate ich immer, einen Euro auf das schönste Pferd zu setzen", verrät Elmar Esser augenzwinkernd. Er ist Präsident des Vereins zur Förderung des Rheinischen Trabrennsports. "Das kann schon mal klappen, wenn man Glück hat", sagt die Dame an der Wettkasse und empfiehlt, doch eher auf Quoten zu achten.

FOTO: Ilgner Detlef

Für alle Wettarten werden nach dem Rennen die Quoten errechnet, die ein Wetter erhält, der richtig getippt hat. Das Wett-Prinzip geht so: Man kann auf Sieg setzten oder auf Platz. Platz heißt, dass das Pferd unter den ersten drei Pferden einläuft. Bei den Zweier- oder Dreierkombinationen gilt es, die ersten zwei oder drei Pferde im Ziel in der richtigen Reihenfolge zu tippen. Doch dafür müsse man sich mit den Pferden, Trainern und Fahrern beschäftigen, weiß Willi Coenen und setzt beim ersten Rennen 1,50 Euro auf eine Dreierkombination.

Mönchengladbachs Trabrennbahn ist die älteste in Deutschland. Im August 1892 startete die erste Rennveranstaltung auf der Trabrennbahn in den Nierswiesen. Vor einigen Jahren wurde sie vor der Insolvenz gerettet. "Heute steht sie wieder gut da", sagt Elmar Esser. "Wir arbeiten fast alle ehrenamtlich. Sonst würden wir die Bahn nicht halten können." Was der Rennbahn besonders zu schaffen macht, sind Online-Wetten. "Die Besucher wetten von zuhause aus und kommen nicht mehr auf die Rennbahn. Und von den Wettbüros erhalten wir nur eine Provision." Punkt 13.30 Uhr steigt die Spannung. Ein Auto fährt über die Rennbahn und klappt die Flügel aus, ein Gestänge, hinter dem sich die Pferde nebeneinander aufreihen. Das Auto rast los, das Rennen beginnt. Autostart nennt man das. Schon in der ersten Runde wird ein Pferd disqualifiziert, weil es galoppiert. Mit rund 45 Stundenkilometern sind die Pferde jetzt unterwegs. Willi Coenen blickt angespannt und feuert einen Fahrer an. Vergeblich. Nach 2.100 Metern kommt das Gespann von Wolfgang Nimczyk als erstes ins Ziel. Gesetzt hatte er aber auf dessen Sohn, den Lokalmatador Michael Nimczyk, dessen Gespann Dritter wird. "Das macht den Reiz der Wetten aus", sagt Willi Coenen.

22 Minuten später steht das zweite von insgesamt elf Rennen an. Die Schlangen vor den Wettkassen werden länger, während draußen der Traktor wieder die Bahn präpariert.

Die nächsten Renntage finden am 13. und 26. August statt.

Quelle: RP
 
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