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Mensch Gladbach
Der Rest ist Schweigen

Mönchengladbach. Liebe Brüder und Schwestern, wer redet, dem kann geholfen werden. Zum Beispiel dabei, sich um Kopf, Kragen und Ehre zu bringen. Kommunikation ist halt ein verdammt schwieriges Geschäft. Und das nicht nur, wenn es um Moscheen, Parteiaustritte und vergessene Spielplätze geht.

In Rheydt wird eine Moschee mit Minarett gebaut. Das scheint sehr schlimm zu sein. So schlimm, dass man besser nicht drüber redet. Findet zumindest die Verwaltung, Dein Freund und Dienstleister. Dabei ist die Sache erschreckend einfach. Dazu, dass es muslimische Gemeinden schaffen, neue Bethäuser zu bauen (und nicht wie wir die alten zu schließen), kann man ihnen nur von Herzen gratulieren. Es ist ihr gutes Recht, hier eine Moschee zu bauen. Sie haben das Geld und alle Genehmigungen.

Da sich heute viele Menschen quasi als Hobby permanent aufregen - und zwar egal aus welchem Anlass - ist es ratsam, allen alles frühzeitig und genau zu erklären. Wenn jemand irgendwo eine Kirche bauen würde, die womöglich auch noch vor dem Gottesdienst läuten wollen würde, gäbe es vorher: eine Bürgerversammlung, zwei Bürgerinitiativen, drei Gutachten und vier Anfragen der Pi-Pa-Po-Irgendwas-Gruppe in der Bezirksvertretung Südwest. Und hier? Dröhnendes Schweigen. Warum? Weil da mal Salafisten waren. Weil ja sowieso zu viele Leute Terroristen nicht von Gläubigen unterscheiden können. Und weil viele gerne ihr Mütchen an allem kühlen, was nicht genau so frustriert und verbittert ist wie sie. Kurz und gut: heikle Gemengelage. Niederrheinisch gerührt und geschüttelt: Da sachste mal lieber nix. Da sachste schon mal nix Falsches.

Das ist so schlüssig, wie im Meer die Schwimmbegegnungen einzustellen, aus lauter Sorge, die Bewegungen könnten Haie locken. Besonders tragisch ist das Selbstverständnis der Verwaltung, die dann noch ganz stolz herausfindet: Stimmt ja gar nicht. Wir hatten wohl was gesagt. Vor vier Jahren in einer Bezirksvertretungssitzung, Punkt 36c. Steht im Protokoll. Kann jeder einsehen - wenn er weiß, wen er danach fragen könnte. Genau so geht es nicht. Genau so kippt man Wasser auf die Mühlen der Übelmeinenden, die hinter jeder Ecke die große Weltverschwörung wittern. Der Job ist zu informieren, und zwar aktiv. Im Zweifel auch den privaten Bauherren zu beraten. Ihm zu sagen, dass es in so einem Fall sinnvoll ist, die Nachbarn einzubeziehen.

Da muss die Verwaltung vielleicht einfach noch ein bisschen von den Besten lernen. Die Internet-Partei Piraten und die Möchtegern-Satiriker der "Partei" haben ihre kurzfristige Allianz gepflegt in Schutt und Asche gelegt. Inklusive Androhungen von Hausverbot, Beleidigungen und verwackelten Facebook-Live-Videos, wo aus dem fahrenden Auto heraus mal schnell Statements in die staunende Welt geschickt werden. Nun haben da zwar offenbar ein paar zutiefst von der eigenen Bedeutung Überzeugte Kommunalpolitik mit einer Doku-Soup verwechselt. Aber das so hemmungslos und öffentlich auszutragen, ist natürlich vorbildlich. Mehr davon!

Selbst im vermeintlich postfaktischen Zeitalter ist es beim Kommunizieren nicht weiter schädlich, die eine oder andere Tatsache zu kennen. Sonst sieht man so alt aus wie die Stadt. Die wusste erst nicht, dass auf einem ihrer Spielplätze seit zweieinhalb Jahre Bäume, die der Sturm Ela fällte, lagern und allerlei beschädigen. Behauptete dann, der Spielplatz werde wieder hergerichtet. Um am Ende festzustellen, dass der Spielplatz schon vor dem Sturm aufgegeben worden war.

Der Rest ist Schweigen.

Quelle: RP
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