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Der Schimmelpapst vom Niederrhein

Mönchengladbach. Karl Bühler ist der einzige promovierte Maurer- und Betonbauermeister Deutschlands. Ein Mann mit Geschäftssinn und Verstand, aber auch viel Herz und Humor. Der auch als Akademiker gerne Platt spricht und immer des Vaters Rat befolgt hat: "Hü-er jot to, wenn die äffe Lüüt kalle." Von O. E. Schütz

Es hat, zumindest theoretisch, zwei Alternativen zu dem Beruf gegeben, den Karl Bühler tatsächlich ergriffen hat. Die eine war, zunächst mal vom Fußball zu leben. Das hat er jedenfalls gesagt, als der Vater sich mächtig aufregte, weil der Sohn mit 16 Jahren auf dem Gymnasium das Klassenziel nicht erreicht hatte, "sitzengeblieben" war. "Ist doch nicht schlimm, ich will sowieso Fußballprofi werden", hat Karl junior da trotzig gemeint. Er spielte schließlich seit der D-Jugend bei Borussia, unter anderen mit Herbert Laumen, der später hinter Jupp Heynckes Gladbachs erfolgreichster Bundesliga-Torjäger werden sollte. Doch Vater Bühler, ein erfolgreicher Bauunternehmer mit zeitweise mehr als 300 Arbeitern und Angestellten, hat dem Filius die Flausen schnell ausgetrieben: Der Junge wurde schnurstracks in ein Internat nach Monschau in der Eifel gesteckt, die Profilaufbahn war damit brüsk beendet.

Und er hat schnell begriffen. "Auf einmal wurde ich ein sehr guter Schüler und später auch Student. Für meine Promotionsarbeit habe ich am Ende ein ,summa cum laude' bekommen - die höchste Auszeichnung", erzählt Karl Bühler junior. Er ist inzwischen 71 und immer noch aktiv in dem Beruf, der in der Familie eine Tradition hat, die mittlerweile in die vierte Generation geht: Großvater Jakob war Maurer, Karl senior Maurer- und Stuckateurmeister. Er war 1946, als er aus der hessischen Heimat ins Rheinland kam, in das Gladbacher Bauunternehmen Gesser eingestiegen, dessen Chef im Krieg gefallen war. Karl junior tat es nach dem Studium dem Vater nach. Und auch sein Sohn Frank ist Diplom-Bauingenieur, hat eine eigene Baufirma.

Zurück zu Karl junior und seiner zweiten unverwirklichten Berufs-Idee: "Ich habe daran gedacht, Professor zu werden." Doch dabei obsiegte der Realitätssinn: "In Aachen wurden die Dozentenstellen nach politischer Ausrichtung vergeben - nach links." Und da sah Bühler als Unternehmersohn und mittlerweile Mitglied der Jungen Union für sich kaum Chancen. Also stieg er ins Geschäft des Vaters ein.

Der hatte ihm übrigens schon als frisch gebackenem Akademiker ein zweites Mal die Flausen ausgetrieben: "Als ich 1970 als Akademiker von der TH kam, wollte ich in unserer Firma direkt den Juniorchef spielen. Doch mein Vater schickte mich erst einmal nach Düsseldorf, um den Meisterbrief zu machen. Das ging, weil ich schon als 14-jähriger Schüler und als Student in den Ferien immer auf unseren Baustellen praktisch gearbeitet hatte. Dies wurde neben meinem Studienabschluss anerkannt, so dass ich ohne Lehre und Gesellenzeit den Meisterbrief erwerben durfte." Es folgte, neben der Arbeit in der Firma, das Studium zur Promotion. Fünf Jahre hat es gedauert, dann hatte er 1978 seinen Doktortitel.

Was ein Novum im Bauhandwerk war und bis heute ist, wie die Handwerkskammer Düsseldorf ermittelt hat: Dr. Karl Bühler ist der einzige promovierte Maurer- und Betonbauermeister Deutschlands. Doch die akademischen Ehren haben ihm nie den Kopf verdreht: "Ich habe schon beim Fußball gelernt, mit einfachen Menschen umzugehen. Und ich habe von meinem Vater einen Spruch mit auf den Lebensweg bekommen, den ich immer beachtet habe: Hü-er jot to, wenn die äffe Lüüt kalle" (Für Nicht-Urgladbacher: Höre gut zu, wenn die einfachen Leute reden). Karl junior hat nicht nur gelernt, Jlabbacher Platt zu verstehen, auch wenn die Eltern ihren hessischen Dialekt sprachen. Auf der Straße in Eicken, in der Schule und auf dem Fußballplatz hat er die niederrheinische Mundart schnell verinnerlicht: "Auf dem Schulhof und später auf dem Bau kam man mit Hochdeutsch nicht weiter. Ich liebe Platt - eine wunderbare Sprache, mit der man Dinge sagen kann, die man in Hochdeutsch so nie sagen dürfte. Ich bin froh, diesen Dialekt perfekt zu sprechen - er ist grandios und liebenswert."

Dr. Karl Bühler ist, bei allem beruflichen Erfolg, der Junge vom Fußballplatz geblieben. Ein Mann vom Bau, der "nur mal ein bisschen Tennis, aber nie Golf gespielt" hat. Und der nie einer verpassten Karriere als Fußballprofi oder Hochschul-Professor nachtrauerte, sondern mit ganzem Herzen am Bauen und am Handwerk hängt. An einem Beruf, den er wirklich von der Pike auf gelernt hat, in all seinen Facetten durch und durch kennt: "Es war immer interessant und zu keiner Sekunde langweilig."

Das ist es auch heute, da er 71 ist, auf keinen Fall. Er hat, vom Vater übernommen, weiter seine Ehrenämter als Obermeister zweier Innungen und im Vorstand der Handwerkskammer Düsseldorf. Und er ist immer noch in seinem Metier aktiv. Er steht seinem Sohn Frank mit Rat und Tat in dessen Bauunternehmen zur Seite. Er ist - wie früher sein Vater und nun sein Sohn auch - bis heute öffentlich bestellter und vereidigter Bausachverständiger und Sachverständiger für Grundstücksbewertung, Leiter des Instituts für angewandte Bautechnik- und Bauschadensfragen, war Mitglied und bis 2015 stellvertretender Vorsitzender des Gutachterausschusses der Stadt Mönchengladbach.

In letztgenanntem Amt war er übrigens bei den Verhandlungen mit der Bundesrepublik Deutschland über die Festsetzung des Verkehrswertes für das Gelände im Nordpark, wo dann das Borussen-Stadion gebaut wurde, als Schiedsgutachter tätig. Die Summen, um die es ging, will er nicht nennen. Doch der Vollständigkeit halber: Nach Informationen der RP sahen sie so aus: Der Bund wollte 92 Millionen Mark haben, die Stadt nur ein Zehntel geben. Zahlen musste sie nach dem Gutachten Bühlers und zweier Kollegen am Ende 38 Millionen Mark - rund 19 Millionen Euro.

Karl Bühler hat übrigens einen Spitznamen: "Schimmelpapst vom Niederrhein". Den verdankt er einem Richter, der ihn bei einer Gerichtsverhandlung so nannte, in der Karl Bühler als Gutachter gehört wurde. Als "Schimmelpapst" ist er auch heute noch in Ratgeber-Sendungen des WDR zu hören als Sachverständiger für Nässe und Schimmel im Haus.

Quelle: RP
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