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Mönchengladbach
Der Sommer auf vier Pfoten

Mönchengladbach: Der Sommer auf vier Pfoten
Besonders Katzen leiden im Tierheim unter enormen Stress. Streicheln hilft den Tieren dabei, zur Ruhe zu kommen. FOTO: Raupold Isabella
Mönchengladbach. Die Ferien sind auch für Hunde und Katzen eine besondere Zeit. Ein Besuch in einer Hundepension und im Gladbacher Tierheim. Von Marei Vittinghoff

Paul, Baloo und Blümchen sind verreist. Zumindest innerhalb von Mönchengladbach. In ihrer Pension gibt es ein leckeres Buffet, so viel zu trinken, wie sie mögen und ein großes Außengelände. Wenn es heiß wird, kann man sich im Pool abkühlen, bei Regen sorgen Animateure im Aufenthaltsraum für Unterhaltung. Auch neue Freunde kann man hier kennenlernen. Wer seinen Urlaub lieber gemütlicher mag, kuschelt sich drinnen mit einer Decke auf dem Sofa ein. Für die aktiven Urlauber steht ein Trainingsgelände mit vielen Geräten bereit. Das Gebäude ist ländlich gelegen, vom Stress der Stadt bekommt man hier trotz kurzer Wege kaum etwas mit.

Klingt nach optimalen Bedingungen für eine Auszeit vom Alltag? Wer bereits eine Buchung für die Gladbacher Pension formuliert, sollte besser noch einmal nachdenken - ausgenommen natürlich, es handelt sich um eine Anfrage für den eigenen Vierbeiner. Denn im "Pfotenhof" in Hardt lebt man mit Schäferhunden, Dackeln und Chihuahuas.

Diese Dogo-Argentino-Husky-Mischlinge warten im Tierheim noch auf ihre Vermittlung. Wer Interesse hat, kann sich unter 02161 602214 melden. FOTO: Raupold

Seit dem 1. Januar dieses Jahres gibt es die Pension, Tagesstätte und Hundeschule am Kühlenhof 1. Jocelyne Drange hat sie in einem Teil eines alten Bauernhofs eröffnet, seit kurzem arbeitet auch Tierpflegerin Nadine Fastabend bei ihr. Alles in der Pension wirkt häuslich und familiär. "Ich wollte den Hunden ein zweites Zuhause bieten und alles so einrichten, dass ich auch meine eigenen Hunde dort hingeben würde", sagt Drange. "Ein Hund merkt eben, ob er in einem kahlen Raum untergebracht ist oder in einer bunten Wohnung".

Im "Pfotenhof" in Hardt können die Hunde im Außengelände planschen, spazieren und in der Sonne liegen. FOTO: Pfotenhof

Ob zwei oder 70 Kilo schwer, acht Wochen oder 15 Jahre alt, verschmust oder verspielt: Dass die Hunde sich bei ihr wohlfühlen, ist Drange wichtig. Neben den Tagesgästen, die von ihren Besitzern wie Kinder in einer Kita abgegeben werden, sind gerade jetzt in der Ferienzeit auch viele Vierbeiner zur Übernachtung da. 35 Euro kostet die Pension pro Nacht, Futter und Halsband werden vom Besitzer mitgebracht. Wer als Urlauber mit Fell und Pfoten kommen möchte, muss sozialverträglich und haftpflichtversichert sowie frei von ansteckenden Krankheiten und Parasiten sein. Eine Probezeit vor Reiseantritt zeigt, wie gut sich der Urlaubsgast in der Pension zurechtfindet. "Meist geben Besitzer ihren Hund in die Pension, wenn sie irgendwo hinfliegen und ihrem Hund nicht den Flug oder den Klimaumschwung antun wollen", weiß Nadine Fastabend. Den Hund einfach so aussetzen? Für verantwortungsbewusste Tierliebhaber natürlich keine Option.

Anlaufstelle für Urlauber, die ihren Liebling in den Ferien gut versorgt wissen wollen und keine andere Möglichkeit haben, als ihn in andere Hände zu geben, nehmen laut Jasmin Pulver, Leiterin des Tierheims am Hülserkamp 74, immer mehr zu. So erlaubt auch das Tierheim für eine tägliche Gebühr von 15 Euro die Aufnahme während der Ferien. "Das typische ausgesetzte Tier an der Autobahn gibt es immer noch, aber keinesfalls mehr zuhauf. Früher haben wir jeden Tag Tiere gefunden, oder Hunde wurden vor unserem Tor abgesetzt. Das ist aber schon viele Jahre her", sagt Pulver. Den Grund für diese Entwicklung sieht sie in einem veränderten Bewusstsein der Menschen: "Das Thema ist oft durch die Medien gegangen, und der Tierschutz hat sich stark dafür eingesetzt, dass die Zahl der verschenkten Tiere stark abgenommen hat", erzählt die Leiterin des Tierheims. Da viele Tiere gechippt sein, sei das Aussetzen von Hunden heute ohnehin schwieriger für den Besitzer geworden. Eine andere negative Entwicklung aber bleibe: "Oft finden wir verwahrloste Tiere, die von ihren Haltern in der Wohnung zurückgelassen wurden", sagt Pulver. "Meist stellt sich dann heraus, dass zwar Bekannte oder Angehörige mit der Betreuung der Tiere beauftragt waren, diese ihrer freiwillig übernommenen Verpflichtung aber nicht im gebotenen Maße nachgekommen sind", weiß Stadtsprecher Dirk Rütten. Wer erwischt wird, den erwartet eine Anzeige nach Paragraf 3, Absatz 3, des Tierschutzgesetzes: "Diese Straftat ist mit einer Geldstrafe von bis zu 25.000 Euro geahndet."

Trotz Rückgangs der Tieraussetzungen herrscht im Sommer im Tierheim Hochbetrieb: Im Mai und Juni bekommen die Katzen ihre Jungtiere, auch verwaiste Hundewelpen kommen hinzu. Bei derzeit um die 30 Hunde und 60 Katzen (dazu noch Kleintiere) ist jeder der acht festen Mitarbeiter im Tierheim beim Säubern der Ställe und Pflegen der tierischen Bewohner gefragt. Dass bei dieser Arbeit nicht immer die Zeit bleibt, individuell auf jedes Tier einzugehen, ist klar. Darum ist das Tierheim - neben Geld- und Sachspenden - auf fleißige Helfer angewiesen: Ehrenamtliche Katzenstreichler und Gassigeher sind gefragt. Alle, die in ihrer Freizeit den Hunden etwas Gutes tun wollen und mindestens 18 Jahre alt sind, sind darum herzlich eingeladen, zu den Gassi-Geh-Zeiten zwischen 10 und 12 Uhr vorbeikommen. Voraussetzung für das Ehrenamt ist ein Sachkundenachweis, der in Form eines "Multiple-Choice-Tests" erworben werden kann. Ein Informationsseminar für alle neuen Hundeliebhaber klärt dann über den richtigen Umgang mit den Tieren auf. Wer lieber mit Katzen kuschelt, kann nachmittags von 15 bis 17 Uhr als Streichler aktiv werden. Die Bedingungen? Lediglich eine Tetanus-Impfung, Kinder sollten zudem in Begleitung von einem Erwachsenen erscheinen. "Wir sind für jede streichelnde Hand dankbar", sagt Pulver.

So sollen sie für alle Tiere in Gladbach schön werden: die Sommerferien auf vier Pfoten.

Quelle: RP
 
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