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Mönchengladbach
Der Test der Super-Lotsen

Mönchengladbach: Der Test der Super-Lotsen
Schätzfrage: Wie schnell fährt das Polizeiauto und wie lange ist der Bremsweg? Das war eine der Aufgaben für die Schülerlotsen. FOTO: Jörg Knappe
Mönchengladbach. Im Landeswettbewerb der Schülerlotsen ging es um Wissen, Schnelligkeit und das Verhalten in kritischen Situationen. Von Marei Vittinghoff

Ulrich Schmidt sitzt in einem Streifenwagen der Polizei. Langsam setzt er den Wagen zurück und kommt nach einigen Metern zum Stehen. "Achtung, es geht los" ruft ihm ein Kollege zu und reißt zum Zeichen für den Start seinen rechten Arm hoch. Nun gibt Schmidt Vollgas, rast über die freie Straße des GEM-Geländes und drückt genau an den zwei orange-weißen Markierungs-Hütchen, die am Rande der Straße stehen, Bremse und Kupplung durch. Der Wagen ruckelt, fährt noch ein paar Meter und hält dann ein paar Meter vor den Hütchen an. Wie schnell das Auto wohl unterwegs war? Wie lange muss der Anhalteweg dann gewesen sein? Und wie lautet doch noch gleich die Formel zur Berechnung?

Insgesamt drei Mal fährt Ulrich Schmidt die gleiche Strecke mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten entlang. Vom Bürgersteig aus wird er dabei ganz genau von 34 Schülerinnen und Schülern beobachtet, die ihre Schätzungen für den Anhalteweg auf einem kleinen Block notieren. Ganz ohne Hilfsmittel: Denn den Rechenweg haben sie zuvor in ihrer polizeilichen Ausbildung zum Schülerlotsen gelernt. Die Schüler sind aber nicht nur irgendwelche Lotsen: Bei den Jugendlichen, die nun in neongelben Westen und mit weiß-roten Kellen am Wegesrand stehen, handelt es sich um die besten Verkehrshelfer NRWs.

Aus insgesamt 1.620 Schülerlotsen in NRW hatten die Teilnehmer sich zuvor in Kreiswettbewerben für den Landeswettbewerb der Verkehrswacht qualifiziert, der nun in Mönchengladbach zu Gast war. Jetzt stellen sie in vier unterschiedlichen Tests erneut ihr Können im Straßenverkehr unter Beweis.

"Dort, wo Schülerlotsen stehen, ist es in den vergangenen Jahren zu keinen nennenswerten Unfällen gekommen", lobte Jürgen Brauckmann, Präsident der Landesverkehrswacht NRW, das Engagement der Schüler. Und auch Winfried Pudenz, Leiter der Abteilung für Verkehrssicherheit im NRW-Verkehrsministerium, kam bei der Begrüßung der Schüler nicht mehr aus dem Schwärmen heraus: "Danke, dass ihr morgens früher aus dem Bett kommt, bei Wind und Wetter für Sicherheit sorgt, dem Elterntaxi entgegenwirkt und euch für die Gemeinschaft einsetzt."

Für die ging es nach dem ersten Schätztest erst einmal zu einem schriftlichen Test mit 22 Aufgaben, der die Schüler eine halbe Stunde lang mit Rechnen, Überlegen und Kombinieren beschäftigte. Ob allgemeine Fragen zum aktuellen Bundespräsidenten oder ganz spezifische zu der Bedeutung von Verkehrsschildern: Hier war echtes Wissen gefragt.

Praktisch wurde es hingegen bei der nächsten Aufgabe. "Ein Schülerlotse muss verlässlich, pünktlich und sozial kompetent sein", weiß Ulrich Schmidt. Ein Rollenspiel vor einer siebenköpfigen Jury nahm deswegen die Fähigkeit der Lotsen unter die Lupe, mit schwierigen Situationen im Straßenverkehr umzugehen.

Auch Maisha Fataki steht nun kurz vor ihrem Rollenspiel. Der 13-Jährigen aus Wesel ist es wichtig, dass die jüngeren Kinder sicher zur Schule kommen. Dafür übernimmt sie gerne den Lotsendienst. Eines ärgert sie aber: "Manche Autofahrer fahren einfach immer näher an die Kelle heran. Da fühlt man sich richtig bedrängt."

Im Spiel muss sie nun einen Vater ansprechen, der mit seinem Sohn Kevin neben der Lotsenstelle die Fahrbahn überqueren will. Gespielt von Polizist Jürgen Dahlmann, scheint der Vater es nicht einzusehen, bei den Lotsen zu warten. Maisha geht dazwischen, bleibt ruhig und klärt den Vater über ihre Arbeit auf. "Kevin geht jetzt immer nur zu dir", lautet der Schlusssatz - Maisha hat es geschafft, den Ungeduldigen zu überzeugen.

So geht es zum Abschluss in ein weißes Mobil zum Reaktionstest. Dort befindet sich ein silberner Koffer, unter ihm zwei Pedale: Bremse und Gas. Mit ihrem rechten Fuß drückt Maisha das Gaspedal durch, als nach wenigen Sekunden ein rotes Licht angeht. Jetzt gilt es, so schnell wie möglich zu bremsen. Maisha schlägt sich gut, nur 0,36 Sekunden braucht sie, um zu reagieren.

Zum Bundeswettbewerb im September schaffte es schließlich der Solinger Matthias Wolff (15). Laut Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners können die Super-Lotsen aber gerne noch bleiben: "Ich würde sie am liebsten alle für die Tour de France engagieren", scherzte er.

Quelle: RP
 
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