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Mönchengladbach
Designer machen die Brücken schön

Mönchengladbach: Designer machen die Brücken schön
Ein grafischer Himmel für ein Brückenbauwerk: So die Idee der Studenten Philipp Schütz und Clemens Brücke. Und rechts die Ideensammlung für die Brücke an der Landwehr. FOTO: Hochschule/Scheu
Mönchengladbach. Die Mobile Denkfabrik war wieder in der Stadt unterwegs und machte Halt an Bahnunterführungen. Ein Designer-Team der Hochschule Niederrhein entwarf Gestaltungsvorschläge für Brücken. Ein Beispiel: Die Werbetafeln sollen weg. Von Dieter Weber

Das Urteil des britischen Star-Architekten und Stadtplaners war niederschmetternd. "Dieser Bahndamm ist eine Narbe mitten in der Stadt", sagte Sir Nicolas Grimshaw, als er mit seinem Team den Masterplan für die Stadt entwickelte. Der Bahndamm wird bleiben, Züge werden weiterhin mitten durch die Stadt fahren und sie in Hälften teilen. Aber der Masterplan-Verein MG 3.0, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, gemeinsam mit der Stadt die Ideen, die Grimshaw mit seinen Leuten entwickelt hat, als Leitlinie umzusetzen, sieht zumindest eine Chance, wie diese Narbe an einigen Stellen geglättet werden kann: die mehr als 20 Brücken, über die Züge durch die Stadt rattern, schöner, freundlicher und städtebaulich ansprechender zu gestalten - ohne dabei in die Bausubstanz einzugreifen.

Wer zum Beispiel durch die Bahnunterführung der Erzbergerstraße am Bismarckplatz muss, passiert sie schnell: Sie ist dreckig, es riecht streng, und es gibt ein paar fiese Ecken. Wer sie sich anguckt, wird in der Regel nicht die verborgenen Reize - oder in diesem Fall eher - die interessanten Aspekte der Brücke entdecken. Das ist bei Nicolas Beucker, Professor für Social Design an der Hochschule Niederrhein, anders. Wenn er sich die Brücke anschaut, nimmt er ihre Schönheiten wahr und weiß, wie sie verändert werden kann - ohne neu zu bauen, Millionen in eine Umgestaltung zu stecken, Bürger, Stadt und Deutsche Bahn zu vergraulen.

Der Masterplan-Verein MG 3.0 vertraut auf die Kompetenz von Beucker und seinem Team. Dazu gehört mit Martin Platzer, dem früheren Altstadt-Kümmerer, WFMG-Mitarbeiter und heutigen wissenschaftlichen Mitarbeiter der Hochschule, auch ein MG-Kenner. Beuckers Mannschaft nimmt sich der Brücken an, denn: "Für den Masterplan sind die Bahnunterführungen städtebaulich bedeutsame Knackpunkte, die oft dunkel sind und den Blick verbarrikadieren auf das, wie es hinter der Unterführung weiter geht", sagt Ernst Kreuder, Vorsitzender von MG 3.0. Und sein Mit-Vorsitzender Fritz Otten sagt: "Die Brücken sind architektonische Merkmale, die ganzheitlich im Raum betrachtet werden müssen."

Genau an diesem Punkt setzen Beucker, Platzer und die Studenten Clemens Brücke und Philipp Schütz an. Sie bedienen sich dabei eines Elements, das schon am Geroweiher erfolgreich war: einer mobilen Denkfabrik. Konkret ist das ein Bus mit einem Podest davor und einem Sonnensegel. Drei Standorte gibt es: Landwehr, Bismarckplatz, Tippweg - wobei im Umfeld des letzteren gleich drei Brücken in unmittelbarer Umgebung sind. Und überall hielt sich das Team über mehrere Stunden auf. "Wir müssen die Situation, das Umfeld, die Brücke auf uns wirken lassen. Wir suchen auch den Kontakt zu Bürgern, die uns wichtige Hinweise zum Beispiel auf Details oder zur Geschichte der Brücken geben können", sagt Beucker.

Erste Grobentwürfe liegen vor. So können sich die Gestalter vorstellen, die Brücke an der Landwehr farblich in einem starken Kontrast zur grünen Umgebung zu streichen. Derzeit ist es eine simple, graue Unterführung mit hellen Farbflecken, die Ausbesserungsarbeiten überdecken sollen. Auf dem Computer machten die Hochschul-Designer die Brücke orange - schon wird das grüne Umfeld ganz anders wahrgenommen.

Oder die Bahnunterführungen im Umfeld des Tippwegs. Eine davon ist mit roten Backsteinen verkleidet und hat Rundbögen. Eigentlich ein schöner Bau, der aber im Sammelsurium der Umgebung untergeht. Eine andere ist lang und hat dunkle Ecken. Bei ihr können sich die Designer vorstellen, ihren Himmel grafisch zu gestalten. Und bei der Brücke an der Erzbergerstraße fällt die kastenförmige, genietete Stahlkonstruktion an der Decke auf. Wird sie illuminiert, gewinnt sie ein freundlicheres Aussehen.

Und noch etwas fiel dem Designer-Team sofort auf. "An den meisten Brücken hängen Werbetafeln, die den Brücken ihren Reiz nehmen", sagte Beucker. Er drückte mehrere Tasten auf dem Computer - und schwupps waren die Tafeln weg. Werbefrei sahen die Brücken gleich viel besser aus.

Quelle: RP
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