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Mönchengladbach
Deutsch als Tür zur Gesellschaft

Mönchengladbach: Deutsch als Tür zur Gesellschaft
18 Flüchtlinge erlernen im Haus der Regionen an der Bettrather Straße die deutsche Sprache. Offizielle Kurssprache ist Deutsch, nur in seltenen Fällen werden Sachverhalte auf Englisch erklärt. FOTO: detlef ilgner
Mönchengladbach. Das Katholische Forum und die Volkshochschule haben einen Sprachkurs für Flüchtlinge gestartet. 18 Schüler lernen dort bis Ostern die Grundzüge der deutschen Sprache. Das soll ihnen helfen, sich in Deutschland zurechtzufinden. Von Tim Specks

Auf den ersten Blick wirkt der Raum mit den großen Fenstern und dem Kreuz neben der Tür wie ein ganz normaler Klassenraum - auf der Tafel sind Vokabeln notiert, die Lehrerin steht vor der Klasse und spricht mit ihren Schülern. Doch so alltäglich, wie diese Szene erscheint, ist sie bei Weitem nicht. In der ersten Etage des Hauses der Regionen lernen Menschen, die vor Krieg und Armut in ihren Heimatländern flohen, seit wenigen Tagen Deutsch.

Ins Leben gerufen wurde der Sprachkurs durch das Katholische Forum und die Mönchengladbacher Volkshochschule (VHS). 18 Flüchtlinge, unter anderem aus Sri Lanka, Syrien, Albanien, Weißrussland und Pakistan belegen den Kurs.

Zur offiziellen Eröffnung des Kurses erklärte Domkapitular Pfarrer Rolf-Peter Cremer vom Bistum Aachen den Schülern, was sie im Kurs erwartet. "Die Sprache ist wesentlich, um Sie verstehen zu können. Wir hoffen aber, dass wir im Laufe der Zeit auch etwas von Ihrer Sprache mitbekommen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie hier Freunde kennenlernen werden", so Cremer.

Die drei Gründe, einen Sprachkurs in Kooperation mit der VHS zu starten, erklärte Franz-Josef Unland, Leiter des Katholischen Forums: "Wir wollen erstens die Schüler zu Subjekten ihres eigenen Handelns machen. Dafür ist es nötig, die deutsche Sprache zu lernen. Zweitens bieten wir den Kurs unabhängig vom Status des Aufnahmeverfahrens der Flüchtlinge an. Und drittens arbeiten wir mit der VHS zusammen, damit beide Institutionen ihre Erfahrungen einbringen können. Diesen Netzwerkgedanken wollen wir auch in Gladbach nach vorne bringen."

Ziel des Kurses ist, die Schüler in rund 200 Unterrichtsstunden bis Ostern auf das sogenannte "A1-Sprachniveau" zu bringen. Dieses spielt auch im Rahmen der Anerkennung eines Asylverfahrens eine wichtige Rolle. Doch auch, wenn die Chance, dauerhaft in Deutschland bleiben zu dürfen, bei einigen Kursteilnehmern geringer ist, als bei anderen, sollen sie vom Unterricht profitieren. "Das ist unser Verständnis vom christlichen Glauben", sagt Franz-Josef Unland.

Das Bildungsniveau ist bei allen Kursteilnehmern auf demselben Level. Entscheidend für die Zusammenstellung des Kurses ist auch, dass alle Schüler bereits eine gewisse Schulkarriere hinter sich haben, erklärt Cleopatra Altanis, Leiterin der Sprachabteilung der VHS: "Das heißt, sie wissen, wie man lernt." Im Einzelfall heißt das, dass sich manche bereits autodidaktisch ein Grundwissen in Deutsch angeeignet haben, wie Schülerin Ganga aus Sir Lanka. Sie kam vor einem Jahr nach Deutschland und lernte mit YouTube-Videos die ersten deutschen Wörter. Entgegen der landläufigen Meinung, Deutsch sei eine nur schwer zu erlernende Sprache, fällt vielen Flüchtlingen der Einstieg ins Deutsche leicht. "Die Grundzüge sind einfach. Es hilft, wenn man ein bisschen Englisch spricht und etwas daraus ableiten kann", sagt Naushad, der ebenfalls aus Sri Lanka kam.

In den ersten vier Unterrichtsstunden machten die Schüler einen wissbegierigen Eindruck auf Kursleiterin Schürkens-Beck. "Wir haben schon den ersten Test geschrieben, alle haben sehr gut abgeschnitten", sagt sie.

Der Sprachkurs ist auf gewisse Weise auch Hilfe zur Selbsthilfe. Um sich in der Gesellschaft zurecht zu finden, ist die Sprache essentiell. Auch Schülerin Rabea aus Syrien hat das erkannt: "Deutsch sprechen zu können, hilft uns sehr. Vor allem für die Dinge des Alltags ist es hilfreich, wenn man die Basics der Sprache beherrscht."

Quelle: RP
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