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Mönchengladbach
Deutsch-niederländische Liebesheirat

Mönchengladbach. 850 Teilnehmer kamen zum 6. Deutsch-Niederländischen Wirtschaftsforum in den Borussiapark. Sie erfuhren unter anderem, dass es in beiden Ländern deutliche Unterschiede beim Arbeitsrecht gibt. Von Angela Rietdorf

Matchmaking ist angesagt zwischen den Deutschen und den Niederländern. Viele auf beiden Seiten der Grenze suchen den passenden Partner. Im Borussiapark ging es am Mittwochnachmittag lebhaft zu: Man traf sich, sprach miteinander - und hat vielleicht den Partner fürs Leben gefunden. Vielleicht auch nicht, dann sucht man weiter. Ehestifter sind die deutschen und niederländischen Industrie- und Handelskammern. Sie führen die passenden Bewerber zusammen, selbstverständlich ausschließlich auf geschäftlicher Ebene.

850 Teilnehmer waren zum 6. Deutsch-Niederländischen Wirtschaftsforum gekommen, 200 mehr als im Vorjahr. "Die Veranstaltung wächst ständig", erklärt Wolfram Lasseur, bei der IHK Mittlerer Niederrhein für die Organisation des Forums verantwortlich. Mit 150 Teilnehmern hat man vor fünf Jahren begonnen. Die Vertreter der Unternehmen von diesseits und jenseits der Grenze schätzen die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Selbst aus Amsterdam und Rotterdam reisen Teilnehmer an. Rund 280 Gesprächstermine wurden im Vorfeld fest vereinbart, und zwar auf der Basis elektronischer Profile und Suchanfragen. Entsprechende Software stellt sicher, dass sich passende Partner finden. "Wir stellen das Tool zur Verfügung, um Betriebe zueinander zu bringen", erklärt Joseph Chung von der niederländischen Handelskammer. Die Wünsche der Betriebe waren unterschiedlich: Man suchte Vertreter im Nachbarland, Aufträge, Distributeure oder Kooperationspartner für bestimmte Projekte.

Darüber hinaus konnten die Unternehmen geballte Information einsammeln. Die Unterschiede zwischen Deutschland und den Niederlanden sind trotz räumlicher Nähe beträchtlich. "Die Niederländer wollen wissen, wie man in Deutschland eine Firma gründet oder wie sie sich über Ausschreibungsobjekte informieren können", sagt Wolfram Lasseur. Die deutschen Unternehmen wiederum, die in den Niederlanden eine Niederlassung aufmachen wollen, müssen zum Beispiel wissen, dass das niederländische Arbeitsrecht sich in vielen Punkten vom deutschen unterscheidet. "Für Entlassungen beispielsweise braucht der Arbeitgeber in den Niederlanden stets die Genehmigung des Arbeitsamtes", erklärt Lasseur. Im Krankheitsfall müsse der Arbeitgeber zwei Jahre lang den Lohn fortzahlen.

Deshalb gehören zum Wirtschaftsforum Vortragsangebote, die sich mit Themen wie dem Markteinstieg im jeweiligen Nachbarland oder rechtlichen und steuerlichen Besonderheiten beschäftigen. Erstmals findet auch ein Handwerker-Forum statt, in dem die Voraussetzungen geklärt werden, die Handwerker erfüllen müssen, um im Nachbarland arbeiten zu können.

Das große und kontinuierlich wachsende Interesse an der Veranstaltung beweist, wie sehr die grenzüberschreitenden Geschäftsverbindungen gesucht werden, aber auch, wie hoch die Hürden zwischen den Nachbarn noch sind.

Quelle: RP
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