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Mönchengladbach
Die älteste Auszubildende des Landes

Mönchengladbach: Die älteste Auszubildende des Landes
Gabi Berger mit ihrem Chef Karsten Erkens. Der Gärtnermeister ist zwölf Jahre jünger als seine Auszubildende - doch das ist beiden egal. FOTO: Raupold
Mönchengladbach. Gabi Berger erlernt mit 55 Jahren einen neuen Beruf - am 1. August beginnt sie eine Ausbildung zur Gärtnerin. Das ist in ganz NRW einmalig. Für ihren künftigen Chef Karsten Erkes spielt das Alter keine Rolle. Ihm geht es um die Motivation. Von Laura Schameitat

Den größten Bammel hat Gabi Berger vor der Technik. "In der Berufsschule haben wir auch Computerkurse. Da musste ich mir erstmal erklären lassen, wie ich das Ding überhaupt einschalte", sagt die zweifache Mutter und Oma eines Enkels. Mit 55 Jahren beginnt sie am 1. August noch einmal eine Ausbildung - zur Gärtnerin im Zierpflanzenbau bei der Gärtnerei Erkes in Bettrath. Damit ist Berger die älteste Auszubildende in ganz Nordrhein-Westfalen.

Eigentlich hat die Gladbacherin Friseurin gelernt. "Da wurde ich aber mehr so reingedrückt. Spaß gemacht hat mir das nie", sagt sie. Mit 20 Jahren beendete sie die Ausbildung, doch gearbeitet hat sie in diesem Beruf nie. Sie bekam zwei Kinder und schlug sich fortan mit Nebenjobs durch - unter anderem sieben Jahre lang bei McDonalds. "Irgendwann war ich dann auch in einem Alter, in dem man keine Fest-anstellung mehr bekommt", sagt Berger.

Als Ein-Euro-Kraft arbeitete sie zwischenzeitlich bei der Stadtpflege im Bunten Garten - und bekam dort den entscheidenden Tipp eines Kollegen: "Er sagte, die Gärtnerei Erkens sei auf der Suche nach einer Aushilfe." Berger bewarb sich, wurde genommen und machte einen guten Eindruck auf ihren Chef Karsten Erkens. Spontan fragte er sie, ob sie nicht die Ausbildung bei ihm machen wolle. "Ich weiß, was ich an Gabi habe, und ich habe lieber jemanden, der voll motiviert bei der Sache ist als jemanden, der vielleicht jung ist, aber keine Lust hat", begründet Erkens seine Entscheidung. Gabi Berger sagte sofort zu.

Erkens hat seit vielen Jahren große Probleme, Nachwuchs zu finden. "Der Beruf ist den meisten Jugendlichen zu anstrengend. Viele Praktikanten kommen mit den Temperaturen im Treibhaus nicht zurecht", schildert Erkens seine Erfahrungen mit potenziellen Auszubildenden. Kritik, dass Berger einem Jugendlichen einen Ausbildungsplatz weg nehme, lässt Erkens daher nicht gelten.

Weil sie schon eine abgeschlossene Ausbildung hat, kann Berger ihre Lehre in der Gärtnerei um ein Jahr verkürzen und startet direkt in das zweite Lehrjahr. "Das ist einerseits schön, aber andererseits muss ich in der Schule viel nachholen. Mit den botanischen Namen der Pflanzen tue ich mich noch schwer", sagt Berger. Was die anderen Schüler in der Berufsschule, die wohl alle viel jünger sein werden, über sie denken, ist Berger egal. "Ich habe genug Selbstbewusstsein, ich weiß mich schon zu wehren", sagt sie.

Manchmal hat Berger Knie- oder Rückenprobleme. "Aber dann finden wir eben eine andere Aufgabe für sie. Das lässt sich schon regeln", sagt Karsten Erkens, der mit 43 Jahren zwölf Jahre jünger ist als seine Azubine. Und was ist nach der Ausbildung? "Gabi bleibt natürlich hier!", sagt Karsten Erkens.

Quelle: RP
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