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Mönchengladbach
Die AfD punktet in SPD-Hochburgen

Mönchengladbach. FDP, AfD und zum Teil die Linke - sie zählen zu den Gewinnern in den Kommunalwahlbezirken. CDU und SPD müssen Federn lassen - die Christdemokraten aber auf hohem Niveau. Sie siegen in allen 33 Bezirken. VON ANDREAS GRUHN UND DIETER WEBER

Wenn in der Politik in Verbindung mit Wahlergebnissen von "bayerischen Verhältnissen" die Rede ist, heißt das gemeinhin: Der Kandidat aus dem Lager der Union hat ein so herausragendes Resultat, dass alle anderen Mitbewerber weit, weit abgeschlagen landen. Vor vier Jahren durfte der alte und neue Bundestagsabgeordnete Günter Krings über so ein Erststimmen-Ergebnis in Windberg-Großheide jubeln. Er lag 2013 hier bei fast 62 Prozent. Bei der gestrigen Wahl waren es 54,2 Prozent.

Keine Frage: Das ist immer noch top, weil es eine absolute Mehrheit ist. Aber es ist nicht mehr so herausragend. Und das Zweitstimmen-Ergebnis in diesem Kommunalwahlbezirk macht auch eines deutlich: Die CDU hat kräftig Federn lassen müssen und der FDP, die in diesem Bezirk allerdings auch in schlechten Zeiten immer relativ stark war, zu kräftigen Zugewinnen verholfen. Mit 18,0 Prozent hat sie wieder den Wert erhalten, den der verstorbene liberale Parteichef Guido Westerwelle einst plakativ als Zahl auf seinen Schuhsohlen aufgemalt hatte: 18. Und um deutlich zu machen, wie stark das bürgerliche Lager in diesem Muster-Wahlkreis (Wahlbeteiligung: 80,3 Prozent) ist: Die SPD kommt hier auf 17,8 Prozent, die Grünen sind - wenn auch sehr weit abgeschlagen - immerhin drittstärkste Kraft.

Auch wenn es im Vergleich zum tollen Wahlergebnis prozentual zum Teil deutlich bergab ging, kann die CDU weiter von sich behaupten: Bei einer Bundestagswahl bleibt Mönchengladbach tiefschwarz. Das war 2013 schon so. Wie auch bei der aus CDU-Sicht sehr guten Landtagswahl vor einigen Monaten gelang es den Sozialdemokraten nicht, auch nur einen Kommunalwahlbezirk zu gewinnen. Im Mai bei der NRW-Wahl waren es immerhin noch sechs. Und noch eine Tatsache bleibt unverrückbar: Die CDU meldet überall dort ein herausragendes Ergebnis, wo die Stadt noch ländlich ist: in Rheindahlen-Land, Hardt, Venn, Neuwerk, Bettrath-Hoven, Giesenkirchen, Wickrath-Land.

Die SPD hat ihre Hochburgen in städtischen Gebieten und da vor allem im Rheydter Raum. Trotzdem gelang es der Partei von Kandidatin Gülistan Yüksel nicht, der CDU auch nur einen abzunehmen. Immerhin war der Abstand zwischen erfolgreichen Christ- und zweitplatzierten Sozialdemokraten mitunter nur hauchdünn. In den Rheydter Wahlbezirken Amtsgericht/Innenstadt und Dorfbroich-Hövel war die SPD gestern auf Schlagdistanz. Das ließ in den politischen Gesprächen, die bis tief in die Nacht im Rheydter Rathaus und anschließend in der Parteizentrale der SPD an der Brucknerallee geführt wurden, Hoffnungen keimen, dass sich zumindest hier wieder etwas ändern kann - wenn die Sozialdemokraten wieder mehr ihr eigenes politisches Profil herausarbeiten. Denn auch das fällt auf: In diesen innerstädtischen Wahlbezirken sind auch die Linke und die AfD stark. Weil es ihnen gelingt, die von der SPD Enttäuschten auf ihre Seite zu ziehen? Die AfD hat jedenfalls stark bei Arbeitern und Geringverdienern gepunktet.

Noch ein Blick auf das bürgerliche Lager und auf die FDP. Sie steht bundespolitisch wieder im Rampenlicht, sie hat auch bei der jüngsten Landtagswahl in NRW triumphiert. Und sie hat in allen 33 Kommunalwahlbezirken bei den Zweitstimmen ein zweistelliges Ergebnis vor dem Komma erreicht. Für die Liberalen ist nicht nur Windberg/Großheide eine Hochburg: Dazu gehören auch Venn, Eicken-Nord, Bettrath-Hoven, Pongs-Hockstein und Kamphausener Höhe/Schlee/Sasserath/Mongshof.

Bei den Grünen gehörte früher ein Blick auf das Wahlergebnis, das ihr Fraktionsvorsitzender und früherer Süd-Bezirksvorsteher Karl Sasserath in Bonnenbroich-Geneicken erzielte, zum Ritual am Wahlabend. Da wohnt Sasserath, und da haben die Grünen Ergebnisse im hohen zweistelligen Bereich erzielt. Gestern waren es 7,7 Prozent, deutlich weniger als Linke, FDP und AfD. City, Eicken-Süd, Amtsgericht/Innenstadt in Rheydt - das sind die grünen Hochburgen. Aber nirgendwo gab es ein zweistelliges Resultat.

Die Linke ist vielfach dort angekommen, wo die Grünen früher waren. Fünfmal gab es ein zweistelliges Zweitstimmen-Ergebnis. Für die Linke gilt das, was auch die SPD-Resultate kennzeichnet: Sie sind da stark, wo Mönchengladbach städtisch geprägt ist - und wo es auch soziale Probleme gibt und die Zahl der Unzufriedenen groß ist.

Dies könnte man ebenfalls auf die AfD beziehen. Aber sie punktete auch in bürgerlichen Gegenden: Wetschewell/Wickrath Ort, Stadthalle/Heyden, Reststrauch/Kohr. In 14 Stadtteilen erzielte sie ein zweistelliges Ergebnis. Am schlechtesten schnitt sie am Bunten Garten ab.

Quelle: RP
 
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