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Serie Was Macht Eigentlich?
Die Beines haben Rheydt geprägt

Mönchengladbach. Willy Beines und seine Söhne Dieter und Horst haben ein traditionsreiches Textilunternehmen geführt, dazu aber auch in ihrer Vaterstadt Akzente gesetzt: im Karneval, beim Rheydter Spielverein und beim einstmals weithin bekannten Blumenkorso. Von O. E. Schütz

Zwillinge sind sie nicht, doch sie fühlen sich so, und das sehr gerne. Dieter und Horst Beines haben sehr vieles gemeinsam in ihrem Leben gemacht - anfangs versetzt, wegen der drei Jahre Altersunterschied. "Wir sind in denselben Kindergarten gegangen, haben beide die Volksschule an der Dahlener Straße besucht, Fußball zuerst zwischen Trümmern auf der Straße und später im Rheydter Spielverein gespielt. Haben Abitur gemacht, studiert und sind danach in den Betrieb unseres Vaters eingestiegen. Wir waren beide schon sehr früh aktiv in der Großen Rheydter Prinzengarde und später im Mönchengladbacher Karnevalsverband, beide Vorsitzende der Fußballabteilung des RSV und sind seit 50 Jahren in einem Ehepaar-Kegelclub", zählen sie auf.

Und sie haben schließlich 2010 gemeinsam als Geschäftsführer das sehr schmerzhafte Aus des 176 Jahre alten Familien-Betriebes Wilh. Beines Söhne in der letzten Phase der großen Krise der Textilindustrie erlitten - im Wortsinn.

Willy Beines, 1977 im Alter von nur 64 Jahren verstorbener Vater von Dieter (heute 71) und Horst (68), war nicht nur ein überall geachteter Patriarch des 1834 gegründeten Familien-Unternehmens an der Bachstraße. Mit gerade mal 23 Jahren hatte er 1937 nach dem Unfalltod seines Vaters Wilhelm Beines die Führung übernehmen müssen - es war die vierte Generation im Betreib. Als er 1946 aus der Kriegsgefangenschaft in Sibirien heimkehrte, mit offener Lungentuberkulose und auf 45 Kilogramm abgemagert, fand er eine im Krieg nahezu vollständig zerstörte Firma vor - und begann mit dem erfolgreichen Wiederaufbau des Unternehmens, das vor allem auf die Veredlung von Textilien spezialisiert war.

Doch Willy Beines vergaß nicht, was er sich in der schlimmen Zeit in russischer Gefangenschaft geschworen hatte: "Wenn ich heil zurück nach Hause komme, tue ich etwas für meine Heimatstadt." Und das tat er reichlich - beim Rheydter Spielverein, den sein Vater 1905 mitgegründet hatte. Aber längst nicht nur im Sport: Er war Motor des 1958 gegründeten Bürgervereins "Blühendes Schaffendes Rheydt", der mit der Blumenwoche und dem Blumenkorso einen Glanzpunkt setzte, der Rheydt weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt machte und alljährlich bis zu einige hunderttausend Gäste anlockte - darunter die Bundeskanzler Ludwig Erhard und Hans-Georg Kiesinger oder Prinz Bernhard aus den Niederlanden. 1967 wurde hier der heute wohl älteste Umweltpreis Deutschlands verliehen: die Goldene Blume von Rheydt. Mit nur 64 Jahren starb er 1977. Ihm zu Ehren wurde 2002 in Firmennähe die Willy-Beines- Str. nach ihm benannt.

Dieter und Horst Beines, der eine Diplom-Kaufmann, der andere Diplom-Ingenieur mit Abschluss in Textilchemie, traten nach dem Studium 1969 bzw. 1973 in den elterlichen Betrieb ein und schufen mit dem Ausbau einer mehr handwerklich orientierten Fertigung ein modernes Unternehmen der Textilveredlung und gründeten 1988 das Uhlenhorster Textilkontor, das eigene Stoff-Kollektionen für die Damenoberbekleidung produzierte.

Der Vater hat ihnen aber auch die Bereitschaft für ein vielfältiges ehrenamtliches Engagement vererbt: in Berufsverbänden bis zum europäischen Dachverband der Textilveredlungsindustrie, in den Prüfungsausschüssen der Industrie- und Handelskammer oder beim Arbeitsgericht. Und natürlich in der Fußballabteilung des "Spö", bei dem sie mehr als ein Vierteljahrhundert Vorsitzende oder Schatzmeister waren.

Sehr viel Herzblut der Beines-Familie steckt auch im Karneval, vor allem in der Großen Rheydter Prinzengarde. Willy Beines war 1936 Mitgründer, Ehefrau Thea setzte nach seinem Tod 1977 (nach einem ersten Herzinfarkt am letzten Tag des Blumenkorsos) sein Engagement fort, war Ehrenkommandantin und wurde vom Mönchengladbacher Karnevalsverband (MKV) mit der Goldenen Narrenpritsche ausgezeichnet. "Sie hat für den generationenübergreifenden Geist und Stil der Gardefamilie gesorgt. Unter ihr wuchs die Prinzengarde von 150 auf mehr als 700 Mitglieder. Damit ist sie eine der größten in ganz Deutschland", sagt Dieter Beines. Er ist seit 1978 Präsident der Garde. Horst ist seit 1967 aktives Mitglied, war 2. Kommandant und ist seit 1988 beratendes Vorstandsmitglied. Im MKV, dem Dachverband der Karnevals-Gesellschaften, haben die Beines-Brüder ebenfalls führende Rollen. Horst organisiert dazu seit zwölf Sessionen den alljährlichen "Närrischen Landtag" der mittlerweile 120 NRW-Prinzenpaare im Düsseldorfer Landtag empfängt.

Haupttriebfeder ist der Spaß an der Freud', und der vererbt sich. 1976 waren Dieter Beines und seine Frau Uschi das erste Prinzenpaar der neuen Gesamtstadt nach dem Zusammenschluss von Gladbach und Rheydt. Ihr Sohn Andreas (heute 45) war 1986 Mönchengladbacher Kinderprinz, Horsts Tochter Jenny (35) 1993 Kinderprinzessin. Die Beines sind eine Familie, die zusammenhält und viel zusammen ist. "Dass wir Brüder bis heute ein sehr gutes Verhältnis haben, liegt auch daran, dass sich unsere Frauen Uschi und Anne so gut verstehen", sagen sie. Nur ihr jüngerer Bruder Dr. Ralph Beines ist ein wenig "aus der Art geschlagen": Er studierte Kunstwissenschaften, lebt und arbeitet seit Jahrzehnten in Köln und Bonn.

Dieter und Horst Beines haben genügend Hobbys, nicht nur die Prinzengarde. Sie kennen keine Langeweile. Dieter hat mit WDB-Consulting auch noch eine kleine betriebswirtschaftliche Beratungsfirma. Er spielt weiter Tennis beim Spielverein, ist immer noch in dessen Medenmannschaft, bei den Herren 60 nun schon ein "Oldie". Horst hat Tennis nach sehr vielen Jahren wegen eines Herzmuskelschadens aufgeben müssen. Er spielt jetzt Golf, nennt Fußball immer noch sein Hobby und fuhr mehr als 25 Jahre zum Wintersport nach Saas-Fee in die Schweiz.

Quelle: RP
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